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SPON_Forum_ZensurJakob Augstein hatte keine Lust oder keine Zeit – vielleicht auch weder das eine, noch das andere – denn statt eine Kolumne zu schreiben, kramte er – oder ließ kramen – einige Kommentare der vergangenen Wochen zu seinen Wortmeldungen aus dem Archiv und bedankte sich scheinheilig bei den Lesern.

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Die Hitze stimmt den Kolumnisten milde. Er sagt danke – und zwar dem Leser: für die Zeit, die er sich Woche für Woche für seine Kommentare nimmt. Manche sind hilfreicher als andere, aber alle sind willkommen. Eine Auswahl. (Link)

„Alle Kommentare willkommen?“ Ist Augstein so blöde, dass er nichts von der chinesischen Zensur bei Spiegel Online weiß, oder will er die Leser ganz bewusst belügen und für dumm verkaufen?

Ersteres ist so unwahrscheinlich wie die Annahme, Merkel wäre nicht von Beginn an mit ihrem politischen Segen in die Ermittlungen gegen Netzpolitik involviert gewesen. Augstein, der seit einigen Jahren den FREITAG verlegt, der für ähnliche Zensurmaßnahmen und das gezielte Tolerieren von Provokationen gegen unliebsame Meinungen und Blogger bekannt ist, dürfte einen exzellenten Einblick in die Kampfmaßnahmen der „freien“ deutschen Medien gegen die eigenen Leser haben. Selbstverständlich tauscht man sich intern aus und vergleicht „Erfolge“ bei den unterschiedlichen Methoden im Kampf gegen die Leserschaft.

Vielen Lesern und ehemaligen Kommentatoren der SPON-Foren dürfte angesichts Augsteins verlogener Worte ein zynisches Lachen im Halse stecken geblieben sein. Die Zahl derer, die vom Spiegel gesperrt wurden oder nach dem x-ten regelkonformen aber dennoch unveröffentlichten Kommentar das Handtuch geworfen haben, dürfte in die Tausende gehen. Viele haben sich hier oder auf anderen Plattformen gemeldet und ihre Erfahrungen geschildert.

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Bild anklicken – Direktlink zu Pohlmanns Erfahrungen mit der „Meinungsfreiheit“ auf Spiegel Online

Wenn selbst ein Journalist wie Dirk Pohlmann nur noch fassungslos schil­dern kann, wie seine faktenreichen – aber offensichtlich politisch nicht willkommenen – Kommentare bei SPON reihenweise der Zensur zum Opfer fielen und er dort mittlerweile komplett geblockt wird, dann sollte auch dem naivsten Mitbürger klar werden, dass wir hier längst quasi-chinesische Ver­hältnisse und einen Krieg der Mei­nungs­macher gegen die Bürger haben.

Wenn aber ausgeschlossen werden kann, dass Augstein von den sattsam bekannten politischen Zensurmaßnahmen nichts weiß – wir reden hier nicht von Pöblern und Trollen -, dann bleibt nur der Schluss, dass er ein Lügner ist. Ein frecher und vorsätzlicher Lügner, der die Leser absichtlich in die Irre führt und für dumm verkauft, um die Illusion von Informiertheit, Demokratie und Freiheit aufrecht zu erhalten. Augstein macht das zu einem Salon-, Schönwetter und Theaterdemokraten. Jeder echte Faschist, der aus seiner totalitären Weltanschauung keinen Hehl macht, hat mehr Rückgrat, als ein verlogener Systemgünstling, der den Anschein von Demokratie mit hohlen Worten und frechen Lügen aufrecht erhält.

Auch geistiges Eigentum verpflichtet

Eigentum verpflichtet, sagt unsere Verfassung. Auch geistiges Eigentum verpflichtet, kann man diesen philosophisch klugen und gesellschaftlich fundamentalen Gedanken fortsetzen. Und dabei ist nicht das leidige Copyright gemeint. Wer über ausreichendes geistiges Eigentum, über scharfen Intellekt, Bildung und obendrein das unverschämte Glück finanzieller Unabhängigkeit verfügt, ist verpflichtet, sich für das Gemeinwohl und die Weiterentwicklung der Gesellschaft hin zu echter Demokratie und Freiheit einzusetzen. Wer diese Gaben verlottern lässt, sie egoistisch, eitel oder missbräuchlich gegen die Werte echter Freiheit und Demokratie einsetzt, wer nicht bereit ist, diese Gaben zu riskieren, der ist dieser Gesellschaft auch nicht dienlicher, als irgendein geistig unterbelichteter Nichtsnutz in vollgepisster Jogginghose.