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wdrKatrin Brand ist Leiterin des WDR-Büros im ARD-Haupt­stadt­studio und vielleicht eine der „Journalistinnen“, wegen derer Wladimir Putin mit feuchten Augen nach Deutschland blickt.

Dass der Al-Sisi-Kumpel Volker Kauder so seine ganz eigenen Vorstellungen von Demokratie hat, ist ja nichts Neues. In der repräsentativen Anscheinsdemokratie, in der auch der letzte Versuch geistiger Unabhängigkeit und politischer Mündigkeit, derer, die vermeintlich das Volk repräsentieren, von einem Fraktionsvorsitzenden niedergeknüppelt werden, ist es sein Job, „alternativlose“ Politik der Märkte im Auftrag seiner Kanzlerin der eigenen Fraktion aufzuzwingen.

Wenn eine staatstragende Journaille diese Widersprüche nicht nur unter den Teppich kehrt, sondern bemüht ist, Erpressung von Abgeordneten und Diktatur alternativloser Politik zu rechtfertigen, dann hat das mit unabhängigem Journalismus einer sogenannten „Vierten Macht“ so wenig zu tun, wie die Bundespressekonferenzen eines Steffen Seibert mit der „Information der Öffentlichkeit“.

Es gehört zu den Lebenslügen und Wahnvorstellungen deutscher Politiker, zu den am hartnäckigsten verbreiteten Illusionen gleichgeschalteter Medien, dass dieses System tatsächlich „demokratisch“ sei. Nicht einmal von einer „repräsentativen Demokratie“ kann man sprechen. Faktisch sind die Repräsentanten der Bürger im Parlament nicht nur käuflich, korrupt und ein gefundenes Fressen für Lobbyisten, sie unterliegen auch einem Zwang zur Konformität, der den kodifizierten Grundsätzen der Verfassung diametral entgegensteht.

Artikel 38

(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages … sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Der von den Parteien praktizierte, notorische Verfassungsbruch wird von den staatstragenden Medien geflissentlich ignoriert, verharmlost oder gerechtfertigt. Während man mit dem Finger tagtäglich auf die vermeintlichen oder tatsächlichen demokratischen Defizite in anderen Staaten verweist, wird der Balken im eigenen Auge zur Stütze einer leidlich verdeckten Despotie.

wdr_kauder_brand240Ein Paradebeispiel für den Umgang der Staatsmedien mit dieser demokratischen Farce ist der Kommentar von Katrin Brand zu Kauders Drohungen gegen die ei­ge­nen Kollegen. Statt die offensichtlichen Miss­stände anzusprechen, die Diskrepanzen zu echter Demokratie zu thematisieren und die Gefahren einer Diktatur vermeintlich alternativloser Politik zu erörtern, fühlt sich Brand so rührend in Kauder und Merkel ein, dass einem die Tränen kommen.

„Volker Kauder hat drei Probleme: seine Kanzlerin, seine Mehrheit und sich selber“, meint Brand.

  • seine Kanzlerin will unbedingt den Grexit verhindern
  • er muss seine Fraktion zwingen, der Kanzlerin zu folgen
  • er ist leider unfähig, den Zwang verdeckt auszuüben

Armer Fraktionsvorsitzender, meint Brand: „Wie stände Volker Kauder da? Die Fraktion geschlossen auf Kurs zu trimmen, ist schließlich sein Job.“ Und – ach Gott – die arme Kanzlerin: „Wie stände Angela Merkel da, wenn ihr hundert oder mehr Leute von der Fahne gingen?“. Nein, das geht ja gar nicht! Wo kämen wir denn da hin, wenn gewählte Abgeordnete frei ihrem Verstand, Gewissen und der Stimme ihrer Wähler folgten, von denen viele – nach der anti-griechischen Hetzkampagne deutscher Medien – keine neuen „Rettungspakete“ mehr bewilligt sehen wollen.

Brands größte Sorge gilt – wen wundert es? – nicht der Demokratie oder der Tatsache, dass despotische Entscheidungen gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung (Hartz4, EURO-Einführung, Bundeswehr-Kriege, etc) immer wieder im Fiasko oder Rückrufaktionen des Verfassungsgerichtes endeten, sondern ihre Sorge gilt neben Volker Kauder vor allem der Kanzlerin:

„Angela Merkel, frisch zurück aus den Ferien, sollte das eine Warnung sein. Sie muss viel Mühe in den nächsten Tagen drauf verwenden, ihre Leute zu überzeugen, einzufangen und mitzunehmen, sonst rettet sie am Ende Griechenland, bringt aber dabei ihre eigene Regierung und sich selbst in Gefahr.“ (WDR)

Glücklich, wer einen solch besorgten, mit Zwangsgebühren der Bürger finanzierten, antidemokratischen Staatsfunk sein Eigen nennen kann.