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tplogoRudolf Stumberger interviewt für Telepolis Benjamin Ruß, einen Sprecher des Bündnisses „Stop G7“, über die Erfahrungen in der Pressegruppe der G7-Gegner mit den Medien

„Bei vielen JournalistInnen ist mir tatsächlich der Respekt abhanden gekommen“

Du hast davon gesprochen, dass es ein Unterschied ist, wenn man die Journalisten auf der Straße trifft und dem, was sie dann schreiben?

Benjamin Ruß: Wir haben das intern reflektiert, es kann schon sein, dass viele Journalisten eine Methode entwickeln, um mit den Interviewten auf eine Wellenlänge zu kommen. Da wird immer zugestimmt und immer genickt. Bei unserer Pressereferentin haben wir festgestellt, dass die Männer sehr gönnerhaft daherkamen, von den Journalistinnen wurde teilweise mit uns geflirtet. Man hat auch das Gefühl gehabt, dass sie teilweise versucht haben, sich auf unsere Seite zu stellen. Das hat man aber dann in den Berichten nicht wiedergefunden. Wenn man diese Anbiederei in den Interviews aber nicht mitgemacht hat, dann sind die Journalisten sehr schnell patzig geworden. Also wenn man dieses Kumpelhafte nicht mitgemacht hat, sind sie sehr schnell unfreundlich geworden.

Es gab also zwei Ebenen, eine persönliche und eine sachliche der Berichterstattung?

Benjamin Ruß: Ein Beispiel: Wir waren vor dem Gipfel mehrere Stunden lang mit einer Journalistin in Garmisch unterwegs. Wir haben mit ihr über Inhalte geredet, über die Organisation der Proteste, alles Mögliche. Im Grunde wollte sie aber immer nur auf die eine Frage der Gewalt hinaus. Als wir gesagt haben, dass wir dann auch über strukturelle Gewalt reden müssten, ist sie sehr schnell aus der Haut gefahren. Von den drei Stunden kamen dann gerade zwei Minuten Beitrag aber ohne das, was uns wichtig war.

Was würdest Du für Dich für ein Resümee ziehen? Hast du einen neuen Blick auf die Medien bekommen?

Benjamin Ruß: Bei vielen JournalistInnen ist mit tatsächlich der Respekt abhanden gekommen, das muss ich schon sagen. Da gab es auch Leute, die die einfachsten Rechercheaufgaben nicht gemacht haben. Und ich hatte den Eindruck, dass viele Journalisten genau das schreiben, was von ihren Redaktionen erwartet wurde, auch um in der Karriere weiterzukommen. Und den Rest haben mir dann noch die Bilder aus dem Internationalen Pressezentrum gegeben: Wo es umsonst Bier, Essen und Schampus gab, einen gespendeten Ochsen, leichtbekleidete Dirndlträgerinnen und so weiter – das war dann der Abschuss

 

 

ZDF_03062015

Bild anklicken, um zum Beitrag vom 3. Juni 2015 im ZDF zu springen: Christoph Röckerath will G7-Gegner schon im Vorfeld des Gipfels als Gewalttäter darstellen

Wie dieser Schmierenjournalismus dann im Fernsehen aussah, konnte man neben vielen anderen Berichten am 3. Juni im ZDF beobachten. Christoph Röckerath gehört zu den Maulhuren, die wissen, was die Redaktion er­war­tet. Dass er nicht zu den Gipfelgegner kam, um sich und die Zuschauer über deren Motive und Ziele zu informieren – wie es die Aufgabe eines echten Journalisten gewesen wäre – sondern mit dem politisch-denunziatorischen Auftrag, die G7-Geg­ner als potentielle Gewalttäter anzuschmieren, wird mehr als deutlich.

Mit der extremen, systematischen und institutionalisierten Gewalt der G7, mit ihren Kriegen und massenhaften Morden von Afghanistan bis Syrien – um nur einmal die offen sichtbare, tödliche Gewalt zu nennen -, hatte das ZDF noch nie Probleme, sondern half immer fleißig mit, diese vorzubereiten und zu rechtfertigen.