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17.07.2015
Griechische Lehren für Russland
by Paul Craig Roberts in einer Übersetzung von FritztheCat
Paul Craig Roberts (* 3. April 1939) ist ein US-amerikanischer Ökonom und Publizist. Er war stellvertretender Finanzminister während der Regierung Reagan und ist als Mitbegründer des wirtschaftspolitischen Programms der Regierung Reagans („Reaganomics“) bekannt.[1] Er war Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal, Kolumnist von Business Week und dem Scripps Howard News Service. Er wurde bei 30 Anlässen über Themen der Wirtschaftspolitik im Kongress um seine Expertise gebeten.
„Griechenlands Schulden können derzeit nur durch einen Schuldenschnitt nachhaltig gemacht werden. Maßnahmen, die weit über das hinausgehen, wozu Europa bisher bereit war.“
Der Internationale Währungsfond
Die griechische Lehrstunde für Russland (und für China und Iran) lautet: jedwede finanziellen Verbindungen zum Westen zu meiden. Man kann dem Westen einfach nicht trauen. Washington geht es um wirtschaftliche und politische Vorherrschaft über jedes andere Land und es benutzt das westliche Finanzsystem für das Einfrieren von Konten, Beschlagnahmungen und Sanktionen. Länder mit einer unabhängigen Außenpolitik und Besitztümern im Westen können nicht erwarten, dass Washington deren Eigentumsrechte respektiert. Washington friert Konten ein und stiehlt das Vermögen anderer Länder. Oder es verhängt Milliardenstrafen, wie im Fall Frankreichs, um die Länder auf den Politikkurs Washingtons zu zwingen. Dem Iran fehlen zum Beispiel seit Jahren 100 Milliarden Dollar zum wirtschaften, ca. ein Viertel des iranischen BIP, nur weil der Iran auf seinen Rechten gemäß des Nichtverbreitungsvertrags NPT besteht.
Reporter aus Russland fragen mich, ob Obamas Bereitschaft für einen Handel mit dem Iran ein gutes Zeichen für einen Handel bezüglich der Ukraine sei. Die Antwort lautet nein. Und der Deal mit dem Iran bedeutet nicht viel – was Washington anbetrifft (Erklärung folgt).
Vor drei Tagen (am 14. Juli) berichtete ein hochrangiger Offizier, Gen. Paul Selva, dem US Senat, dass Russland „eine existentielle Bedrohung für die Nation ist“ (er ist schon der dritte General in drei Tagen). Ein paar Tage zuvor hörte der Senat das gleiche vom Marinekommandeur J. Dumford und dem Sekretär der Luftwaffe. Und ein paar Tage davor warnte der Vorsitzende der Stabschefs vor einer russischen „hybriden Bedrohung“.
Washington ist schwer damit beschäftigt, die Ukraine gegen Russland zu benutzen. Den ganzen Konflikt gibt es nur wegen Washingtons Marionettenregierung in Kiew. Russland sei an allem Schuld, auch an der Zerstörung des malaysischen Passagierflugzeugs. Washington verwendet gefälschte Beschuldigungen um der EU Sanktionen aufzuzwingen, die gegen die Interessen der EU gerichtet sind. Jetzt wo Washington es geschafft hat, ganz Europa zu zwingen, Europas politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Russland zu schädigen und praktisch in einen Konflikt mit Russland zu treiben, wird Washington kein Interesse an einer ukrainischen Lösung haben. Selbst wenn Washington wollte, so müsste sich Washington für ein Abkommen selbst verleugnen, da das Kartenhaus in Washington alleine auf Propaganda basiert.
Dennoch bezeichnen Russlands Präsident und sein Außenminister die USA und seine EU-Vasallen immer noch als „unsere Partner“ (Anm.d.Ü.: Putin verwendete vor kurzem in einer Ansprache in Ufa zum ersten mal den Begriff „opponents“). Vielleicht sind Putin und Lawrow sarkastisch. Eines ist sicher: Washington und seine Vasallen sind für Russland keine Partner.
Die Wolfowitz-Doktrin, Grundlage der US Außen- und Militärpolitik, fordert die Verhinderung eines Aufstieg Russlands oder jedes anderen Landes, da die USA die eine Macht seien und eine Einschränkung seiner einseitigen Handlungen nicht dulden könne.
Solange diese Doktrin in Washington gültig ist, solange sind weder Russland noch China, noch der Iran sicher – ungeachtet eines Nuklearabkommens. Solange der Iran eine unabhängige Außenpolitik verfolgt, wird ein Abkommen den Iran nicht schützen. Jeder weitere politische Konflikt mit Washington kann zu Rechtfertigungen für weitere Sanktionen führen.
Teil des Nuklearabkommens mit dem Iran wird die Freigabe von 100 Milliarden eingefrorener Dollar auf westlichen Konten sein. Gestern sagte ein Mitglied des „Council on Foreign Relations“, dass der Iran seine freigegebenen 100 Milliarden in den USA und in Europa investieren solle. Wenn der Iran das machen sollte, dann macht sich die iranische Regierung für weitere Erpressungen zugänglich. Eine Investition im Westen bedeutet, dass iranisches Vermögen jederzeit eingefroren oder beschlagnahmt werden kann.
Wenn Obama Victoria Nuland, Susan Rice und Samantha Power rausschmeißen und mit geistig gesunden Diplomaten ersetzen würde – die Aussichten wären besser. Dann hätten Russland, China und der Iran bessere Chancen, mit den USA eine Übereinkunft außerhalb einer Leibeigenschaft zu erreichen.
Russland und China, die aus einem schlecht funktionierenden kommunistischen Wirtschaftssystem aufgestiegen sind, betrachten natürlich den Westen als Vorbild. Es scheint dass China dem westlichen Kapitalismus gänzlich verfallen ist. Russland vielleicht etwas weniger, aber die Ökonomen dieser beiden Länder unterscheiden sich nicht von den neoliberalen Ökonomen des Westens. Damit machen sie sich unwissentlich zu Dienern des westlichen Finanzimperialismus. Im falschen Glauben, der Ökonomie zu dienen, dienen sie letztlich der Vorherrschaft Washingtons.
Mit der unter Clinton begonnenen Deregulierung wurde der westliche Kapitalismus zu einem sozialen Fehlschlag. Kapitalismus dient in den Vereinigten Staaten und dem Westen nicht mehr den Menschen. Kapitalismus dient den Besitzern und Verwaltern des Kapitals und sonst niemandem.
Das ist auch der Grund dafür, warum die USA eine Ungleichheit beim Einkommen haben, die so schlimm oder schlimmer ist als zu den „Raubritter“-Zeiten der 20er-Jahre. Die Regulierungen der 30er-Jahre machten den Kapitalismus zu einem funktionierenden System, wurden jedoch abgebaut. Heute ist der Kapitalismus der westlichen Welt ein System zur Ausplünderung. Kapitalismus beutet nicht nur Arbeit aus, Kapitalismus plündert ganze Länder. So ergeht es Griechenland, das von der EU gezwungen wird, das griechische Nationalvermögen an ausländische Käufer zu verscherbeln.
Bevor sich Putin und Lawrow wieder auf ihre „amerikanischen Partner“ beziehen, sollten sie über den Mangel an gutem Willen der EU gegenüber Griechenland nachdenken. Wenn selbst ein EU-Land geplündert wird und von seinen EU-Freunden zerstört wird – wie können Russland, China oder Iran eine bessere Behandlung erwarten? Wenn der Westen schon kein Wohlwollen gegenüber Griechenland zeigt – wie sieht es dann mit dem Wohlwollen des Westens gegen Russland aus?
Die griechische Regierung wurde von der EU zur Kapitulation gezwungen, trotz ihrer durch das Referendum erhaltenen Unterstützung. Die Griechen verließen sich auf das Wohlwollen der europäischen Partner und unterschätzten die Verlogenheit der herrschenden Klasse. Die gnadenlose Haltung der anderen EU-Regierungen wurde von der griechischen Regierung nicht erwartet. Die griechische Regierung hatte erwartet, dass ihre Expertenanalyse der griechischen Schuldensituation und Wirtschaft Einfluss auf die Verhandlungen haben würde. Diese Erwartung führte dazu, dass die griechische Regierung ohne einen Alternativplan dastand. Die griechische Regierung verschwendete keinen Gedanken an einen Ausstieg aus dem Euro und die Installierung eines vom Euro unabhängigen Währungs- und Bankensystems. Indem man keine Vorbereitungen für einen Ausstieg traf, hatte man keine Alternative zu den Forderungen der EU.
Die Beendigung der steuerlichen Hoheit Griechenlands zeigt, was auf Italien, Spanien und Portugal wartet – und vielleicht auf Frankreich und Deutschland. Wie sagte Jean-Claude Trichet, der früherer EZB-Chef: die Staatsschuldenkrise beweist, dass Europa das „strikte Konzept der Nationalstaaten“ überwinden muss. Der nächste Schritt der europäischen Zentralisierung ist die politische Zentralisierung. Die griechische Schuldenkrise wird dazu benutzt, den Mitgliedern der EU die staatliche Souveränität auszutreiben.
Der in westlichen Finanzmedien vorherrschende Glaube, dass den Griechen eine Lösung aufgezwungen wurde, ist Unsinn. Nichts wurde gelöst. Die von der griechischen Regierung akzeptierten Bedingungen machen den Schuldendienst noch unwahrscheinlicher. Es wird nicht lange dauern und wir stehen wieder vor dem gleichen Problem. John Maynard Keynes machte es schon 1936 klar und jeder Ökonom weiß es: die Kürzung von Renten und Löhnen, der Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Abbau von Sozialleistungen führen zu einer Absenkung von Konsumentenausgaben und Investitionen. Und dies führt zu einem Schrumpfen des BIP und zu Haushaltslöchern, die durch Anleihen gedeckt werden müssen. Durch den Ausverkauf öffentlichen Vermögens an Ausländer fließen Gewinne aus der griechischen Wirtschaft in ausländische Hände.
Der unregulierte Raubtierkapitalismus konnte im 21. Jahrhundert nirgendwo im Westen wirtschaftliches Wachstum erzeugen. Eine Folge ist das Schrumpfen des Durchschnittseinkommens. Die Regierungen verbergen dieses Schrumpfen mit geschönten Inflationszahlen und Arbeitslosenstatistiken (frustrierte Arbeitslose, die sich gar nicht mehr um eine Stelle bemühen, zählen in der Statistik nicht mehr mit). Dadurch können die USA eine Arbeitslosenrate von 5,2% vorweisen. Zählt man die entmutigten Arbeitslosen mit, so kommt man auf eine Arbeitslosenrate von 23,1%. Eine solche Rate hat nichts mit wirtschaftlicher Erholung zu tun.
Sogar die im Westen verwendete Sprache ist eine Täuschung. Das griechische „Hilfsprogramm“ hilft keinem Griechen. Das Hilfsprogramm hilft den Gläubigern der griechischen Schulden. Viele dieser Gläubiger sind nicht die ursprünglichen Gläubiger der Griechen. Das Hilfsprogramm führt dazu, dass Hedgefonds in New York weitere Wetten auf die griechischen Schuldenzahlungen bei den Hedgefonds platzieren. Die Hilfsgelder landen nicht bei den Griechen, sondern bei denen, die auf die Schuldenrückzahlung spekulieren. Presseberichten zufolge wurden Gelder aus dem QE-Programm der EZB zum Kauf griechischer Schulden bei durch Kredite gefährdeten Banken verwendet. Damit ist die Schuldenfrage kein Gläubigerthema mehr.
China scheint das Risiko von Investitionen in den USA nicht zu sehen. Chinas Neureiche kaufen Immobilien in Kalifornien und denken dabei nicht an das Schicksal amerikanischer Japaner, die während Washingtons Krieg mit Japan in Gefangenenlager getrieben wurden. Chinesische Firmen kaufen US-Firmen und Erzvorkommen in den USA. Durch diese Käufe macht sich China für Erpressungen wegen außenpolitischer Differenzen angreifbar.
Die vom Westen geförderte „Globalisierung“ passt nicht zu Washingtons einseitigen Handlungen. Kein Land mit Vermögenswerten im westlichen System kann es sich leisten, von Washingtons Politik abzuweichen. Französische Banken mussten 9 Milliarden Dollar Strafe bezahlen weil man die von Washington auferlegten Diktate zur Kreditvergabepraxis nicht beachtete. Ansonsten hätten sie ihr Geschäfte in den USA schließen müssen. Die französische Regierung konnte die französischen Banken nicht vor der Plünderung durch Washington schützen.
Es zeugt von der Unbekümmertheit unserer Zeit, dass niemand die erheblichen Widersprüche zwischen Globalisierung und amerikanischer Vorherrschaft bemerkt hat.
Ein wirklich gutes Interview zur Situation Griechenland:
http://www.rtdeutsch.com/27097/headline/die-griechische-tragoedie-alexis-tspiras-hat-sich-nie-fuer-alternativen-interessiert/
Den „Plan B“ haben deutsche Medien gezielt totgeschwiegen:
https://propagandaschau.wordpress.com/2015/07/12/zdf-heute-journal-die-propagandamethoden-des-alexander-von-sobeck/
@ Vereinsamte Staaten
Die BRICS versuchen das, was mit dieser Staatenorganisation möglich scheint, nämlich den USA das Wasser abzugraben. Ich versichere dir, die USA lieben die BRICS gar nicht. Und selbstverständlich sind die BRICS eine Vereinigung von kapitalistischen Staaten innerhalb des kapitalistischen Weltsystems und nicht als Menschheitsbeglücker herniedergestiegen. Von den BRICS etwas anderes zu erwarten als Kapitalismus, ist doch wohl ein bisschen naiv. Der Eindruck verstärkt sich allerdings, wenn ich deine Schlusszeilen lese zu Selbsthilfenetzwerken und lokaler Selbstverwaltung, das ist etwa der Stand von Owen – und damit hoffst du, den Kapitalismus beseitigen bzw. ärgern zu können? Na, dann gut Nacht.
„Reporter aus Russland fragen mich, ob Obamas Bereitschaft für einen Handel mit dem Iran ein gutes Zeichen für einen Handel bezüglich der Ukraine sei. Die Antwort lautet nein. Und der Deal mit dem Iran bedeutet nicht viel – was Washington anbetrifft (Erklärung folgt).“
http://antikrieg.com/aktuell/2015_07_19_diewirklichen.htm
https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2015/07/16/der-deal-des-jahrzehnts-steht/
Nebenbei bemerkt: Sah mittags in arte, dass der Wolf, vernichtet einst wie die Winnetous, aus Kanada wieder in das Deppenstaatsgebilde einwandert. Das freut die Ballermänner in Idaho und Wixconsin…. der gehört weggeballert, wie alles, was minimal die Ausbeutung der Welt stört. Und über keinen kleinen Wind berichtet die depperte ARD mehr. als über den, der so’n Holzhüttchen in USA verweht. Gestern hat es irgendwo im Klimaschädlingsland schwer geregnet. ARD aktuell weint. Über Südseeinseln schweigen sie lieber. soll der Wolf- so er könnte- den Gniffke fressen.
Klasse Text
Ich hoffe das Russland Iran und China das auch lesen.. Aber ich denke die wissen im Grunde wie der Hase läuft
Ein verschwörungstheoretischer Gedanke zu Paul Craig Roberts griechischen Lehren für Russland:
Ist die Unipolarität durch imperialen Overstretch in Gefahr zur Multipolarität zu werden? Haben dadurch die „NWO – Chefs“ auf die neuen „Wirte“ , die auch „Werkzeuge“ werden oder sogar schon sind, gesetzt (Brics…)? …nicht die USA streben die Weltherrschaft an, sie sind (waren) nur der präferierte Wirt, jetzt da die Hülle stinkt , wandern die Parasiten weiter und verrichten ihr krankes Werk? Nicht nur die Politiker sind fast ausnahmslos eitle, benutzte Narren und Idioten, ganze Länder und Staaten sind die trojanischen Pferde der machtgeilen Psychopathen-Elite? Es klingt furchtbar ….
@ nin guno
„Es klingt furchtbar…“ – Die Absichten der „Seilschaften im Hintergrund“ s i n d furchtbar.
Es handelt sich darum, Menschen durch eine pervertierte, betrügerische Anwendung der Dialektik vom einen selbst-definierten Pol der These zum anderen Extrem des anderen Pols (der Antithese) zu treiben, wobei durch Propaganda versucht wird, die Freiheit einer bewußten eigenen Entscheidung zu einem selbsterkannten Dritten (einer echten Aufhebung der Polarität in einer höheren, weiterführenden Synthese) zu verhindern.
Dem könnte auch das (ja durchaus berechtigte, aber recht einseitige) Eindreschen Paul Craig Roberts auf „Washington“ dienen, das die BRICS in einem viel milderen Licht erscheinen läßt, als Schein-Zukunftslösung.
Und wenn Sie fragen „wandern die Parasiten weiter und verrichten ihr krankes Werk?“ – das tun sie, und sie hinterlassen tatsächlich eine „Hülle“ die „stinkt“ –
leider soll das wohl auch das Schicksal Mitteleuropas werden.
Zumindest die Zerstörung der geistigen Freiheit hier scheint weit oben auf der Prioritätenliste der NWO zu stehen.
Niguno es un 》nobody《 ?
Die Art und Weise wie Roberts auf die US-Politik eindrischt, finde ich köstlich und wohltuend ehrlich.
Und seit er die Merkel eine „Hure Washingtons“ genannt hat, ist der Mann mir richtig ans Herz gewachsen.
Paul Craig Roberts SCHEINT einen enormen inneren Wandel vollzogen zu haben, vom Mitentwickler der Reagonomics und vom Mitherausgeber des Wall Street Journal zu einem gewissenhaften Mahner und Warner vor dem „Wahnsinn“ Washingtons…
Eine wirkliche Frage:
Ist dieser Wandel echt? Wie könnte es zu einem solchen massiven Gesinnungs-Wandel gekommen sein?
Oder liegt gar kein echter Gesinnungswandel vor, und Paul Craig Roberts spielt uns „kontrollierte Opposition“ vor, damit wir auf eine falsche Alternative reinfallen?
Ich kann bei den BRICS keine Alternative zu „Anglo-Amerika“ erkennen – es sind zwei Formen des gleichen Wachstums-Wahns, inklusive Atom-Technik und Schuld- und Zinsgeld. Keinerlei Weiterentwicklung gegenüber dem real existierenden Selbstzerstörungs-Programm.
Wie sähen Alternativen zu diesen beiden Erscheinungsweisen des Wirtschafts-Wahnsinns aus?
Mir scheint, daß Lösungen in lokaler Selbstverwaltung und in Selbsthilfe-Netzwerken liegen – und in der Arbeit an unserer inneren Entwicklung und Reifung, um Gesprächsfähigkeit zu entwickeln mit Mitmenschen und Natur.
Ja, das lässt sich nicht beschönigen, dass die BRICS-Staaten dem Wachstumswahn mindestens genauso erliegen wie die klassischen kapitalistischen Staaten und damit mindestens ebenso großen Schaden anrichten. Von China ist das ja allgemein bekannt, aber auch Brasilien z.B. ist in ökologischer Hinsicht eine einzige Katastrophe und in sozialer Hinsicht zumindest kein eindeutiges Erfolgsmodell. Klar, BRICS haben vorläufig den Vorteil, keine erkennbaren imperialistischen Ambitionen zu hegen und sind mir natürlich schon wegen ihrer Distanz zu den USA sympathisch, aber überzeugende politische und wirtschaftliche Konzepte kann ich da auch nicht erkennen (wobei ich nicht über alle Länder ausreichend informiert bin).
Lokale Selbstverwaltung und Selbsthilfenetzwerke – was gibt es denn da überhaupt für Konzepte?
@Vereinsamte Staaten
Was du über die BRICS-Staaten und ihre fatale Imitation der alles vernichtenden Wachstums-Ideologie schreibst, ist von herausragender Wichtigkeit. Das sollte man schon im Gedächtnis haben, gerade in Zeiten, in denen jede versuchte Emanzipation vom Welt-Hegemon schon allein durch ihre Intention geradezu automatisch Sympathien auf sich zieht, wie @invernale richtig schreibt.
Ihre Fragen zu P.C. Roberts, berechtigt. Ich vertraue ihm nicht wegen seiner Augen.
Ihre Anmerkungen zu BRICs, berechtigt. Was die Menschen brauchen, wäre eine Alternative zum Kapitalismus, und keine andere Verpackung.
„… dem real existierenden Selbstzerstörungs-Programm.“
Autonome Menschen könnten die systemimmanente Selbstzerstörung gelassen abwarten. Weil das, was für eine Lösung zerstört werden müsste, nicht zerstört werden kann. Es wurde durch die Jahrhundert und selbst durch die letzten beiden großen Kriege nicht angerührt. Ich meine die Ego-Selbstüberschätzung (Verwirrung) und die Angst.
Zur Lösung
Unser Planet Erde ist ein Geschenkeverteiler. Korn, Beeren, Bäume wachsen, die Sonne scheint, das Wasser sprudelt, in den Flüssen und Meeren wachsen Fische, und große Mengen Biomasse produzieren Dünger und Wärme. Es wäre ein leichtes, dieses Geschenk-Volumen zu bemessen und daraus ein Grundeinkommen für jeden Menschen zu berechnen. Arbeit gegen Lohn würde sich dann erübrigen, wenn für Gemeinschaften das Gesetz gilt, dass jeder das Beste ihm Mögliche leistet.
(Stellen wir uns mal vor, die kollektive Erinnerung an Geld würde ausgelöscht)
Geld hat die Welt und Mensch verelendet. Aber es könnte (in etwa 1722 Jahren) von entscheidender Bedeutung sein.
Vor ein paar Jahren erhielt ich meine erste Rentenzahlung. Sofort trat ich in den „Club PARIS“ ein. Das Motto dieses Clubs lautet:
„Potzblitz, Alle Realisieren Ihre Sichteinlagen“
Wahrscheinlich ist dieses Motto so blöd, dass es nur sehr einfache Menschen begreifen: Wer sein Vermögen aus der Hand gibt, kann es auch verschenken. Also Geld abheben und fertig.
Dazu kamen zwei ebenfalls sehr einfache Regeln.
Ich kann kein Leben versichern, das unberechenbar ist.
Ich habe alles, was ich brauche, und was ich nicht habe, brauche ich auch nicht.
Für die dritte Regel bedarf es allerdings eines akademisch geschulten Verstandes:
Orte, wohin ich mit dem Fahrrad nicht fahren kann, interessieren mich nicht.
Bundesbank:
„Im vierten Quartal 2014 hat das Geldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal um gut 69 Mrd € oder 1,4 % zugenommen und ist damit auf 5 072 Mrd € gestiegen. Neben der auf Transaktionen basierenden Geldvermögensbildung in Höhe von gut 40,5 Mrd € trugen Bewertungsgewinne im Umfang von rund 28,5 Mrd € zum Vermögenszuwachs bei. Hinsichtlich der Anlageformen war der bereits seit Längerem zu beobachtende Trend hin zu liquiden und risikoarmen Anlagen auch im Berichtsquartal erneut deutlich ausgeprägt. Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte nahmen ebenfalls zu, jedoch schwächer als zuvor, sodass das Nettogeldvermögen im vierten Quartal 2014 um 66 Mrd € oder 1,9 % auf 3 488 Mrd € anstieg.“
Das Geldvermögen der Privaten Haushalte ist ein „Fetter Fisch“. Und den haben einige „Angler“ im Auge, ganz sicher. Und diese Angler haben die Macht.
Aus der Praxis
Gestern fotografierte ich die Kinder des Hausrotschwanzes. Ein Pärchen mittleren Alters ging nicht weit entfernt von mir spazieren, und nicht weit entfernt stand ein offenes Cabrio. Die Frau sagte:
„Guck mal, wie dreckig das Auto ist, der hat sich das bestimmt nicht erarbeitet“.
Und das, was Herr Müntering formulierte mit „wer nicht arbeitet, braucht auch nicht essen“, ist mir das wahre Problem: Das Eigentum (und folgend die Vererbbarkeit von Eigentum).
Für mich gilt: Der Planet Erde ist ein eigenständiges UND intelligentes Wesen. Das nicht durch Menschenwerk entstanden ist und folglich auch niemandem gehören kann.
Mein Wunsch: Dass die Erde das niemals wird beweisen müssen.
Kurz
Die Menschheit ist geisteskrank. Mit ihrem verminderten Bewusstsein erheben sie sich über eine Natur, ohne die Menschen nicht existieren könnten, sehr wohl aber die Natur ohne die Menschen. Die Geisteskrankheit wird Kultur, Zivilisation und Intelligenz genannt. Und weil sie wahnhaft angelegt ist, kann kein normaler Systemzusammenbruch diese Krankheit, von der kein einziges Tier und keine einzige Pflanze jemals befallen war – und jemals sein kann, heilen.
Danke, Ihre Kommentare bringen mir einen hohen Inspirationsfaktor.
Wolfgang Jensen
„Oder liegt gar kein echter Gesinnungswandel vor, und Paul Craig Roberts spielt uns “kontrollierte Opposition” vor, damit wir auf eine falsche Alternative reinfallen?“
Das hört man über Gordon Duff bspw. auch schon mal. Beides ist Unsinn. Das wäre dann auch eine arg unkontrollierte Opposition die mächtig aus dem Ruder läuft.
„Ich kann bei den BRICS keine Alternative zu “Anglo-Amerika” erkennen“
„Es gibt eine Lösung für die Krise. Die Kasinowirtschaft des transatlantischen Imperiums muß beendet werden. Die Einführung eines globalen Glass-Steagall-Systems ist dafür der unerläßliche erste Schritt. Eine internationale Schuldenkonferenz muß dann die illegitimen von den legitimen Schulden trennen und abschreiben. Das Kreditsystem souveräner Staaten, wie es von Alexander Hamilton verwirklicht worden ist, muß dann die Basis eines neuen internationalen Kreditsystems werden, wie es heute im Prinzip bei den neuen Banken der BRICS-Staaten bereits existiert. Die europäischen Staaten müssen ihre Souveränität über ihre Wirtschaft und Währung zurückerlangen und dann als Europa der Vaterländer im Sinne de Gaulles mit den BRICS-Staaten in einer „Win-Win-Perspektive“ beim Ausbau der Neuen Seidenstraße zusammenarbeiten.“
http://bueso.de/node/8102
( http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/17/der-dollar-haelt-sich-nur-noch-durch-militaerische-erpressung-auf-den-beinen/ / http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/02/14/gegen-den-dollar-russland-koennte-goldstandard-einfuehren/ )
Also eine unkontrollierte kontrollierte Opposition :D