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LeFloid_Pressekompass545Florian Mundt ist 27 und erfolgreicher Video-Produzent. Dass die eher negativen Kritiken zu seinem Interview mit der Bundeskanzlerin („zu brav“, „Stichwortgeber“) ausgerechnet von der ARD geteilt werden – obendrein von einem sogenannten „Journalisten“ des BR – ist der blanke Hohn. Tatsächlich hat Mundt seine Sache gar nicht so schlecht gemacht. Wer sich einbildet, im Alter von 27 Jahren politisch informierter, kritischer und – in einer solchen Situation – eloquenter gewesen zu sein, macht sich vermutlich etwas vor.

Natürlich ist Mundt kein Dissident, Querdenker oder Freigeist, sondern ein emanentes Phänomen der ersten Generation, die durch Social Media stärker sozialisiert wurde, als durch Schule, Sportverein oder die heimische Clique. Dennoch zeugen seine Fragen von einem durchaus kritischen Geist, echtem politischem Interesse und einem vielleicht als sozial-liberal einzuordnenden Wertesystem. Man könnte auch sagen, andere in seinem Alter hätten Merkel gefragt, ob es nötig sei, Senioren auf Kosten der Jugend Hüftgelenke und Zahnprothesen zu finanzieren.

Selbstverständlich hätte LeFloid die Chance zu einem Interview vom Kanzleramt erst gar nicht bekommen, wenn er für eine besonders kritische Einstellung oder detailliertes Faktenwissen aus den Giftschränken deutscher Politik bekannt gewesen wäre. Für Merkel war die Aktion als PR geplant und Mundt ist nicht so dumm, als dass ihm dies nicht bewusst gewesen wäre. Unterm Strich muss man sagen, dass er seinen Job gar nicht schlecht gemacht hat. Affektiertes Gehampel gehört dabei vermutlich leider zur Show.

Was man ihm hoch anrechnen muss, ist die Tatsache, dass er es geschafft hat, Merkel eine rotzfreche Lüge aus der Fassade zu locken. Welchem gleichgeschalteten Journalisten der Staats- und Konzernpresse ist dies schon zuvor gelungen? Welche der Maulhuren und Büttel von ARD bis ZEIT hätte dies überhaupt jemals durch eine kritische Frage versucht? Es ist kein Zufall, dass genau diese Szene in den Kritiken nun weitestgehend totgeschwiegen wird, denn Mundt entlarvte die Doppelmoral der Bundesregierung im Umgang mit Edward Snowden und öffnete damit die Tür hinter die Kulissen der Macht immerhin einen kleinen Spalt.

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LeFloid: „Spielt in ihren Augen ’ne Rolle, wo ein Whistleblower herkommt? Also hat Edward Snowden jetzt einfach Pech, dass er sich ausgerechnet mit den USA angelegt hat? Wäre der Umgang vielleicht ein völlig anderer gewesen, wenn es ein russischer Whistleblower gewesen wäre?“

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Verräterische Mimik – anklicken, zum Vergrößern

Merkel [versteinertes Gesicht, angespannte Stirn]: „Nö……also von unserer Sicht aus nicht, nein…..“

LeFloid: „Also es ist für Sie….“

Merkel [will Ablenken] : „Scheint schwieriger zu sein in Russland, so ein richtiger Whistleblower zu sein, aber…..“

LeFloid [hat gemerkt, dass er die Kanzlerin bei der Lüge erwischt hat]: „ja..ja…das ist so…“

Merkel: „Ich weiß nicht, wie viele Sie kennen….?“

LeFloid: „Das ist so, dass auch…“

Merkel: „Gibts da viele russische?“

LeFloid: „Es gibt auf jeden Fall große russische Hackerkollektive, aber viele….“

Merkel: „Das ist wohl wahr….“

LeFloid: „…aber viele von denen arbeiten eher nicht gegen die russische Regierung….ähm….“

Eine bezeichnende Szene. Mundt merkt genau, dass er Merkel zu einer Lüge verleitet hat. Eine Situation die ihm dann etwas peinlich ist. Um das Pacing wieder herzustellen, lässt er vom Knochen ab und geht auf den von Merkel vorgeschlagenen Rettungspfad ein. Man kann es ihm angesichts der Jugend nicht verdenken.

Merkel hat dreist und frech in die Kamera gelogen und Mundt ist das vollkommen klar. Mit einer solchen Frechheit hat er selbst nicht gerechnet, sondern vermutlich beschwichtigende, aber halbwegs ehrliche Ausreden von der vermeintlichen Freundschaft mit den Amerikanern erwartet, die man nicht vor den Kopf stoßen dürfe. Genau das ist die allgemein bekannte Begründung, warum Snowden nicht nach Deutschland darf. Wäre Snowden Russe und hätte ansatzweise vergleichbare Aktivitäten der russischen Regierung entlarvt, wäre es im Westen als Held, Dissident und Freiheitskämpfer empfangen worden. Wer das in Abrede stellt – wie Merkel – ist ein dummdreister Lügner.

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Alexander Nikitin

Man kann es LeFloid auch nicht übel nehmen, dass er keine russischen Whistleblower kennt. Er ist von westlicher Propaganda und Desinformation so durchdrungen, wie die meisten seiner Generation. Wäre er etwas besser vorbereitet gewesen, hätte er Merkel mit dem Verweis auf Alexander Nikitin kontern können. Der ehemalige russische U-Boot-Kapitän ist erster Preisträger des Whistleblower-Preises (1999), weil er „auf unsichere Atommülllager und gefährliche Praktiken der russischen Nordmeerflotte aufmerksam machte“.

Jetzt das Entscheidende! Nikitin wurde erwartungsgemäß von einer russischen Staatsanwaltschaft auf die Anklagebank gesetzt, die sich in dieser Frage wohl wenig von der der amerikanischen oder deutschen Justiz unterscheidet. Allerdings wurde Nikitin in allen drei gegen ihn angestrengten Prozesse freigesprochen. Von einer Justiz, die – glaubt man deutschen Lügenmedien – angeblich aus Moskau gesteuert wird.

Alexander Nikitin ist auch heute weiterhin aktiv für Umweltprobleme und Menschenrechtsangelegenheiten in Russland engagiert. Inzwischen ist er der Leiter des Büros für Umweltrecht von Bellona in Sankt Petersburg geworden und beschäftigt sich dort sowohl mit Umweltproblemen sowie Fragen der atomaren Sicherheit als auch mit Menschenrechtsfällen. 1997 wurde ihm der Goldman-Umweltpreis verliehen. Er war allerdings infolge des gegen ihn laufenden Verfahrens daran gehindert, an der Verleihungszeremonie selbst teilzunehmen. 1999 wurde er als erster Preisträger mit dem Whistleblower-Preis ausgezeichnet. (wikipedia)