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zdf_80Freitag haben wir hier einen Vortrag von Prof. Dr. Rainer Mausfeld verlinkt, in welchem er die herrschaftlichen Gründe (Illusion der Demokratie), als auch einige Methoden der Desinformation und Propaganda leicht verständlich, stringent und überzeugend darlegt.

Eine der Methoden zur Meinungsmache ist das Verschwindenlassen von Informationen und schon am selben Abend präsentierte das ZDF heute-journal in Person von Alexander von Sobeck ein eindrucksvolles Beispiel, das wir hier aufgreifen wollen, um Rainer Mausfelds Thesen in der täglichen Praxis der Desinformation und Meinungssteuerung in ARD und ZDF aufzuzeigen. Wer möchte, kann sich den Beitrag des heute-journal vor dem Weiterlesen hier anschauen, um für sich zu überprüfen, inwieweit er/sie die tägliche Propaganda durchschaut.

ZDF_hj_10072015_Griechenland_Demo240Sobeck: „Es wird Abend in Athen und wieder formiert sich ein Demonstrationszug, wie fast an jedem Abend seit Wochen. Heute hat der kommunistische Gewerk- schaftsbund dazu aufgerufen. Seine Aktivisten sind gegen alles. Gegen die NATO, gegen die EU, gegen Amerika, gegen Kapitalisten, die Marktwirtschaft und vor allem gegen den Euro. Unter sie haben sich Mitglieder der linken Plattform der Regierungspartei Syriza gemischt, die Alexis Tsipras die Gefolgschaft verweigern. ‚Nein zur Armut. Nein zur Arbeitslosigkeit. Nein zum Euro‘, steht auf ihrem Plakat.“

Die Demonstranten „sind gegen Alles“? Sogar gegen „Amerika“ – einen Kontinent? Und außer der Tatsache, dass sie für die Drachme sind – wie Sobeck später nachschiebt -, verbindet sie nichts? Das ist gleich in dreierlei Hinsicht manipulativ. Zunächst einmal werden die Demonstranten mit der pauschalen Aussage, sie seien „gegen alles“ von vornherein delegitimiert und als Freaks dargestellt. Darüberhinaus werden ihre Gründe verschwiegen, warum sie gegen die genannten Strukturen (EU, Euro, Nato,..) sind und drittens wird ihre gesellschaftliche Alternative aus der Wahrnehmung genommen – das wofür diese Menschen sind.

Ihre Ziele finden sich sogar auf dem Plakat. Wer genau hinschaut, sieht dort neben der Ablehnung von Armut und Arbeitslosigkeit den Hinweis auf einen „Plan B“ (σχέδιο b).

ZDF_hj_10072015_Griechenland_PlanBDie Menschen haben also durchaus Ziele und auch einen Plan. Genau dieser Plan wird aber durch Sobecks Meinungsmache aus der Wahrnehmung genommen. Statt zu informieren, wie es die Aufgabe eines Journalisten wäre, macht Sobeck Meinung, bewertet und lässt Fakten verschwinden. Wer wissen will, worum es den Demonstranten wirklich geht, muss nicht nur genau hinschauen, er muss aufwendig selbst im Netz recherchieren, um herauszufinden, was es mit dem Plan B auf sich hat. Mit einigem Aufwand und einem Übersetzungstool landet man auf der Webseite „sxedio-b.gr“ der Aktivisten, wo man dann auch das Plakat wiederfindet.

Ohne die Ziele der Gruppe hier zu vertiefen oder bewerten zu wollen, sei nur darauf hingewiesen, dass sich auf der Webseite selbstverständlich auch deren Ziele finden, denn es gibt keine Gruppe Menschen, die sich ausschließlich negativ – gegen was-auch-immer – identifizieren und organisieren.

„Frieden, unsere nationale Souveränität, Demokratie, das Recht auf Arbeit, Gesundheit, Bildung,…“

Sobecks Beitrag im heute-journal hat also mit Journalismus nichts zu tun, sondern ist lupenreine Propaganda. Es geht darum – und da ist Sobeck natürlich ein Propagandist auf Staatslinie – jegliche Opposition gegen EU, NATO oder gegen die Fremdbestimmung durch Banker und Finanzbürokraten, zu delegitimieren. Alternativen zu dieser als totalitär wahrgenommenen strukturellen Gewalt, sollen aus dem Fokus der Öffentlichkeit gehalten werden. Das ist Sobeck bei der Mehrheit der von ihm vorsätzlich irregeführten Schafe zweifellos gelungen.