Schlagwörter

, , , ,

spiegel_online_logoIn der Rationalgalerie macht sich Uli Gellermann angesichts des Queen-Besuchs über Royalismus und Hofberichterstattung deutscher Käseblätter von BILD bis ZEIT lustig, da war der aktuelle Tiefpunkt der Beklopptheit noch gar nicht online.

Was der SPIEGEL-Bückling Florian Gathmann den Lesern vorsetzt changiert zwischen Schülerzeitungspraktikum und Textbausteinen aus der Yellow-Press. Hofberichterstattung zum Fremdschämen. Oder ist es doch Satire? Ein subtiler Angriff auf die Aufmerksamkeit der Leser? Will man testen, wie weit man in der Verhohnepipelung gehen kann? Müsste dort nicht, am Ende des Artikels, ein Popup aufspringen und verkünden: „Ätsch! Das war nur ein Scherz!“?

SPON_Queen525

Eine kurze Vergewisserung bestätigt, dass der Artikel nicht in der Satire-Rubrik als SPAM eingeordnet ist, sondern ernsthaft unter „Nachrichten > Politik > Deutschland >“. Es ist also kein schlechter Witz und wenn es witzig gemeint wäre, wäre es nicht minder erschreckend. Gathmanns peinliche Hofschranzenentleibung soll tatsächlich Journalismus sein. Man würde sein kindliches Geschreibsel – eingerahmt von bunten Clipart-Herzchen, Katzen-Gifs und Teddys – auf der einsamen MySpace-Fan-Site eines pubertierenden Teenage-Girlies erwarten, das in der „Bravo“ ein Meet and Greet mit Justin Bieber gewonnen hat, aber es findet sich so unverständlicherweise wie entlarvend auf der Frontseite des ehemaligen Nachrichtenmagazins.

Schlimm genug, dass Journalisten sich derart embedden lassen, dass sie an solchen Ereignissen überhaupt teilnehmen, statt über sie zu berichten. Dass dann ein SPIEGEL-„Journalist“ sich für seine Korrumpierung auf dermaßen hündische Weise öffentlich bedankt, ohne dass Kollegen oder Vorgesetzte ihm schützend in den Arm fallen und sagen: „Junge! Schlaf dir erstmal den Rausch aus und lies dir das nochmal nüchtern durch, bevor wir das freischalten!“, das macht fassungslos.

Andererseits ist es eine Lektion über den aktuellen Zustand der deutschen Journaille, wie sie deutlicher kaum sein könnte und genau das ist der Grund, warum wir diesen Tiefpunkt journalistischer Erbärmlichkeit hier dokumentieren. Es ist keinesfalls eine Singularität über die man hinwegschauen könnte, sondern reiht sich ein, in Geburtstagsständchen für Merkel und grienende Hofschranzen mit Top-Akkreditierung und G7-Lebkuchenherzchen.

Wer etwas subversiv-kritisches über den Besuch der britischen Erbmonarchin lesen möchte, wird auf SPON dennoch fündig – im SPAM:

SPON_SPAM_Queen