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ardzdfDie Gleichschaltung und politische Instrumentalisierung der Medien als Werkzeuge der Propaganda stellt die Verantwortlichen vor massive Probleme mit dem Publikum. Dieses geht in Teilen dermaßen auf die Barrikaden, dass die „freie Presse“ ihre Kommentarfunktionen massiv zensiert oder komplett schließt und von russischen Trollen fantasiert, die man scheinheilig und verlogen als Begründung vorschiebt.

Ein anderes Phänomen ist die komplette Verlagerung echter Kritik am System und den Herrschenden ins Kabarett. Wo Herrschaft Kritik nicht duldet und abweichende Stimmen aus der öffentlichen Wahrnehmung drängt, zeigt totalitäre Herrschaft ihre Fratze und Spott und Satire reifen – als staatstragende Hofnarren (Dieter Nuhr) oder emotionales Ventil (Die Anstalt) zur Kompensation berechtigter Wut geduldet – zu voller Blüte.

So großartig das Kabarett sein kann, so erschreckend ist seine Notwendigkeit. Von Wagner und Uthoff hätten in einer echten Demokratie ein echtes Problem: Sie müssten sich über das Volk lustig machen, denn das Volk wäre die Herrschaft. Sie müssten Dinge aufklären, die schon jedermann bekannt sind, weil sie in der Zeitung stehen und in Nachrichtensendungen und Politformaten öffentlich diskutiert würden. Man kann wohl annehmen, dass sich die Beiden nur allzu gerne auf andere Themen stürzen oder gar einen anderen Job suchen würden, in einem Staat, in dem es weniger Empörungspotenzial gäbe. Claus von Wagner: „Wenn Leute zu uns kommen, um sich Wissen anzueignen, dann scheint etwas gehörig falsch zu laufen.“

Wie also sollen die Staatsender ihren Zuschauern erklären, dass Kritik nur noch in Satire und Comedy zuhause ist? Das Gelächter in der letzten Anstalt über die gescheiterte Suche nach kritischen Journalisten spricht eine deutliche Sprache: Die Bürger haben in weiten Teilen erkannt, was die Stunde geschlagen hat. Die Gleichschaltung der Medien ist längst keine Verschwörungstheorie mehr, sie ist längst so „mainstreamig“, wie Totalüberwachung und „Souveränitätsdefizite“ des real existierenden Vasallenstaates BRD.

3sat_kulturzeit_satire240Der Staatsfunk hat diese Woche zwei halbgare Versuche gestartet, dieses post-demokratische Phänomen in eigene Narrative zu rücken. Der erste Versuch, mit Nebelkerzen das eigene Versagen zu bemänteln, fand am Freitag in der einschlägig bekannten 3sat „kulturzeit“ statt. „Vom Falschen im Echten“ hieß der Beitrag, dessen schwurbeligen Titel man wohl nur nachvollziehen kann, wenn man vor kurzem die Adolf Springer Journalisten- schule absolviert hat und im Cafe auf dicke Hose machen möchte.

Vom Falschen im Echten
Wenn der Satiriker den Journalisten ersetzt
Früher war alles einfach: Journalisten erklärten einem die Welt. Ein Blick in die Zeitung, abends die „Tagesschau“, ein wenig Radio hören und man wusste, was vorging. Nachrichten galten als seriös und objektiv. Doch heute ist das anders. Die „echten“ Nachrichten haben an Stellenwert verloren, die klassischen Medien einen enormen Vertrauensverlust erlitten. Und was tritt an ihre Stelle? Die Satire.

Nach einer Umfrage aus den USA nutzen College-Studenten Formate wie die „Daily Show“, ein Satire-Nachrichtenformat auf dem Kabelsender Comedy Central, als Hauptinformationsquelle. Und in Deutschland? Alleine die Masse an geteilten Inhalten im Netz lässt erahnen, welchen Einfluss Formate wie die „heute-show“ oder „Die Anstalt“ auf die politische Meinungsbildung haben. Was also, wenn der Satiriker den Journalisten ersetzt? Immerhin liefert der harte Fakten, keine Pointe, Gags recherchiert wie eine Titelgeschichte – nur eben mit Haltung. Die Satire stillt ein Bedürfnis, dem der klassische Journalismus in Zeiten von „Lügenpressen“-Vorwürfen nicht mehr gerecht zu werden scheint. Sie liefert zu den Fakten das Weltbild gleich mit. (LINK)

Das „scheint“ muss man beim Staatsfunk wohl in so einen Text einbauen, wenn man nicht zum Chefredakteur gerufen werden will. Denn das „scheint“ ist an dieser Stelle so überflüssig, wie nur was. Wenn es nur so „schiene„, dass der Journalismus den Ansprüchen einer Vierten Gewalt nicht gerecht wird, gäbe es den Diskurs nicht und statt Gelächter im Publikum über nicht vorhandenen kritischen Journalismus, gäbe es nach dieser Pointe nur ratlose Gesichter.

Noch frecher ist der angeklebte Schlusssatz, die Satire liefere das Weltbild gleich mit! Tatsächlich ist es ja gerade das Problem mit dem Staats- journalismus, dass er eben nicht unabhängig, objektiv und offen ist, sondern dass er den Bürgern Weltbilder und Sichtweisen aufzwingen will und zu diesem Zweck die Realität so dermaßen verbiegt, zurechtlügt und verunstaltet, dass „Narren“ kommen müssen, um sie wieder gerade zu biegen. Genau das bringt dann im Interview (Mediathek ab 5:04min) Serdar Somuncu auf den Punkt – und das, obwohl er das ganze Ausmaß der Desinformation noch gar nicht erkannt hat.

3sat_kulturzeit_Somuncu240

Mediathek ab 5:04min

Somuncu: „Ich glaube, dass es eine Nomenklatur der Main- streampresse gibt, die versucht, Meinungen so zu etablieren, dass Menschen denken können, es wär die Wahrheit…Und leider gibt es viel zu viele Fernsehredaktionen, die sich aus dieser Haltung und aus diesem Ressentiment nähren und Profit daraus schlagen wollen.“

Im gesamten Beitrag wird die Ventilfunktion des Kabaretts in repressiven und meinungseinfältigen Staaten komplett ignoriert. Die Illusion einer vielfältigen Presse in einer freiheitlichen Demokratie soll offensichtlich nicht angekratzt werden. Ambivalent und ohne echte Haltung auch der Schlusssatz des Beitrags:

„Störbilder, schöne Gedanken, Emotion – ist das die Zukunft des Journalismus? Nein! Aber die Satiriker zeigen, wie man sperrige Themen verständlich an den Zuschauer bringt und wo Meinungsmache wirklich hingehört: auf ihre Bühnen und nicht in die Nachrichten.“

Dass Meinungen nicht in die Nachrichten gehören ist keine neue Erkenntnis. Dass sich die Staatssender zunehmend einen feuchten Kehrricht darum scheren, haben wir heute erst wieder gezeigt. Aber wie absurd ist die Behauptung, man könne „sperrige Themen“ nur in der Satire verständlich darstellen? Das ist ja vollkommen hanebüchener Unsinn. Das Problem ist nicht, dass die Nachrichten- und Politformate Inhalte nicht darstellen könnten, sondern es aus politischen Gründen nicht machen. Hier tut sich dann die Kluft auf, in der sich Kabarettisten dankbar ansiedeln.

WDR_Funkhaus_Satire240Ähnlich peinlich am Thema vorbei präsentierte sich heute „Funkhaus Wallraffplatz“ im WDR. Auch dort das Thema: „Humor schlägt Vernunft Satire ersetzt Nachrichten“ und ausgerechnet den systemtragenden Hofnarren und amtlich bestätigten Hassprediger Dieter Nuhr hat man sich als visuelles Beispiel für gute politische Satire gewählt. Traurig genug, denn die ARD hat nur diesen bürgerlichen Clown im ERSTEN. Echtes Kabarett gibt es ansonsten allenfalls in den Dritten Programmen.

Scheinheilig ums Thema herum schifft natürlich auch der WDR:

„Oft ist die Satire der Erstkontakt zu einem Thema, das ohne Humor entweder zu sperrig oder zu komplex erscheint. Interessant ist, dass die Parodie die Nachrichten nicht nur ergänzt, sie beginnt sie zu ersetzen. Das sehen wir in den USA und bei uns. Kann man Politik besser verstehen, wenn man darüber lacht?“

Zu sperrig ist es, die Gleichschaltung der Presse, die Hetze gegen Griechenland oder die fehlende staatliche Souveränität Deutschlands in politischen Magazinen aufzubereiten? – um nur einige Themen der „Anstalt“ aus den letzten Monaten zu nennen. Was ist daran sperrig, außer den aufgerissenen Kiefern der Chefredakteure und Parteibonzen in den Aufsichtsgremien, wenn die tagesthemen oder das heute-journal es wagen würden, Merkel zu fragen, warum sie denn Millionen Euro für einen Krieg in der Ostukraine verpulvert oder warum die Bespitzelung deutscher Wirtschaft, Politik und Bürger nicht beendet wird, warum US-Drohnenterror von deutschem Boden rechtmäßig und zu dulden sein soll oder warum sie einen monatelangen Krieg gegen Spartengewerk- schaften betreibt, der das Land Hunderte Millionen Euro und die Bürger jede Menge Nerven kostet. All das ist keineswegs sperrig, sondern Tabu für einen Staatsfunk.

Die Sendung brachte zu all diesen Fragen keinerlei Erkenntnisse. Einen Podcast gibt es seit Monaten auch nicht mehr, weil der WDR sparen muss, um transatlantischen Verbrechern wie Buhrow und Konsorten Hundertausende Euro oder Versagern wie Gottschalk Millionen hinterher zu werfen. Lesenwert waren lediglich – wie man das so kennt – die Kommentare der Hörer. Einer soll deshalb hier als Schlusswort dienen:

guten morgen schrieb am 30.05.2015, 09.02 Uhr:
..wenn es nicht so ernst und traurig wäre, könnte man die ganze politshow als Satire sehen .. zb die tägliche Pressekonferenz aus dem Bundeskanzleramt. ..da gibt es ein spezial im zdf/ard zur fifa-affäre aber nicht eine Sondersendung zu Merkel/nsa/bnd und dieser Skandal ist mittlerweile auch aus den hauptnachrichtend bei ard/zdf verschwunden .. ob das zb daran liegt das c Kleber kuratoriumsmitglied der atlantikbrücke ist ( Theveßen auch ) und dort als Redaktionsleiter und ’newsfilter‘ fungiert ..man weiss es nicht. es ist eine Schande, das man aus Sendungen wie ‚der Anstalt‘ mehr lernen kann bzw dort mehr journalistische arbeit geleistet wird als in den nachrichten -redaktionen des ör und sagt doch einiges über das Menschenbild aus welches Politiker im Rundfunkrat und Journalisten ala Kleber haben : Brot und spiele fürs volk und ansonsten klappe halten und bitte bei unserer lobbyarbeit nicht stören..oder warum gibt es keine Sendungen mit bürgerbeteiligung zu Ttip, vds, maut, gez,usw