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Nein, die Grafik ist nicht verstümmelt, die muss so

Der deutsch-französische Gemeinschaftssender arte gibt sich schick und stylish. Tatsächlich ist das Niveau auch durchgängig höher als in ARD und ZDF – was nun wirklich kein Kunststück ist – und manchmal finden sich sogar echte Perlen im Programm.

Was dort aber am Dienstag unter dem Themenschwerpunkt „Russland“ gesendet wurde war dermaßen armselige und politisch motivierte Desinformation, dass es einem die Sprache verschlug. Höhepunkt des Abends war die Abmoderation von Emilie Aubry, die unfreiwillig komisch die krude Ausgangsthese des Senders auf den Punkt brachte:
„…jetzt geht es in ein anderes kommunistisches Land…“

Vor diesem grandios peinlichen Ende gab es weitere Highlights intellektueller Totalausfälle und vorsätzlicher Verdummung. Aubrys Gast an diesem Abend, Christine Ockrent, stellte dabei einen passenden Sidekick zur naiv einfältigen Moderatorin dar. „Dumm und dümmer“ ist das Schlagwort. Eine klassische Slapstick-Konstellation, in der ein offensichtlich naiver Kindskopf von einem aufschneiderischen – aber mindestens genauso dummen – Schlaukopf belehrt wird. Laurel und Hardy haben dieses Grundschema perfektioniert und in allen Facetten der Absurdität wunderbar durchdekliniert.

Das unfreiwillige Slapstick-Duo Aubry-Ockrent war zwar nicht als Comedy geplant, könnte aber mit ein bisschen Feintuning durchaus auf Tour gehen. Leider gibt es die Einleitung des Abends nicht in der Mediathek, denn schon die gab einen guten Vorgeschmack auf das, was da kommen sollte. Ein nachträglicher Mitschnitt im Timeshift des Livestreaming scheiterte an auf arte.tv implementierten Tracking-Scripten (xiti.com) und Versuchen des Senders, das LAN der Zuschauer auszuschnüffeln, was einen (nicht näher untersuchten) „better privacy“-Alarm auslöste. Die Webseite des Senders muss man leider als stylischen, aber dysfunktionalen Müll bezeichnen. Den Machern ging es offensichtlich mehr um Selbstdarstellung als um Usability – epic fail!

Wie bereits angedeutet war die Herangehensweise an Russland, die Prämisse, dass es sich um ein finsteres kommunistisches Land handele, nahe an der Diktatur, deren mafiöse Oligarchen Europa mit ihrem verdammten Gas süchtig gemacht haben, um uns auszubeuten und zu russifizieren, denn – das wusste Christine Ockrent dem staunenden Zuschauer zu berichten: Vladimir Putin träumt von einer russischen Herrenrasse, die den Europäern biologisch überlegen ist! Klingt irre? Ist es auch! Ein so geschmackloser wie lügenhafter Versuch, Putin als neuen Hitler zu diffamieren. Ockrent könnte aus einer Klappsmühle entsprungen sein, war aber tatsächlich führende Moderatorin im französischen Staatsfernsehen und ist Lebensgefährtin von Bernhard Kouchner. Der wiederum ist – zusammen mit Steinbrück – Mitglied in der „Agentur zur Modernisierung der Ukraine“ (AMU). Honi soit qui mal y pense.

arte_ockrent240Christine Ockrent: „Vladimir Putin spricht von dem neuen russischen Menschen. Ein Mensch, der den anderen biologisch überlegen wäre. Sehr bizarr – nach unserer humanistischen Konzeption, aber durchaus in der Tradition der großen russischen Kultur, die wir alle bewundern.“

Danach erzählt sie den offensichtlich als Vollidioten eingeschätzten Zuschauern, dass Putin seit 15 Jahren Alleinherrscher dieses Landes sei – eine Sichtweise, die so dumm und holzschnittartig ist, dass man annehmen muss, dass sich Ockrent ausschließlich in staatlichen französischen Medien informiert. Dieser Eindruck verfestigt sich im Laufe des Gesprächs nachhaltig. Keinerlei echte oder gar neue Informationen, stattdessen dummes Geschwätz, Ressentiments und Verzerrungen noch unter BILD-Niveau.

Ein Beispiel für einen Dumm&Dümmer-Dialog:

arte_aubry240Aubry (gibt das verängstigte Dummchen): „Die Frage wird im Film ganz klar gestellt: Muss man Putins Hand überall sehen? Hinter all den Investitionen der letzten Monate und Jahre oder ist das eine Wahnvorstellung?“

Ockrent: (gibt die Schlaue): „Es besteht kein Anlass für Paranoia – nur weil wir es mit einem paranoiden System zu tun haben.“

Alles klar? Soll das Dialektik sein oder kann das weg? Hier ein Beispiel für faktenfreie Übertreibung, Dämonisierung und Skandalisierung eines völlig normalen Vorgangs:

arte_aubry1240Ockrent: „Gazprom, dessen Fahnen übrigens über all unseren Fußballstadien flattern – mitten in der Ukraine-Krise, was auch niemanden zu stören scheint – es ist völlig klar, dass wir mit Gazprom ein riesiges Netzwerk haben…“

Gazprom-Fahnen über allen Stadien? Gazprom sponsort einen einzigen deutschen Fußball-Club „Schalke 04“ und nicht einen einzigen Club in Frankreich. Riesiges Netzwerk? Gazprom sponsort ein Projekt für Kinder namens „Football for Friendship“ – ist es das, was Ockrent sauer aufstößt? Der französische Hauptstadtclub PSG wird von Fly Emirates gesponsert und Präsident des Vereins ist Nasser Al-Khelaifi. Offenbar sind es „Werte“ aus dieser Region der Welt, die Ockrent vorschweben, wenn sie von „unseren Werten“ – als Gegensatz zu den vermeintlich anderen russischen Werten – schwafelt. Ockrent lügt und skandalisiert hier vorsätzlich oder ist ein Fall für die Psychiatrie. Da kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Das war beileibe noch nicht alles an Dummheit, Lüge und Ressentiment:

Ockrent: „…und dabei fällt mir ein, dass gerade eine Büste Putins als römischer Kaiser in der Nähe von Sankt Petersburg enthüllt worden ist. Also er sagt: ich bin da, um die Größe unseres Landes wiederherzustellen…“

Putin lässt eine Büste von sich als Kaiser aufstellen? Auch das ist freche Lüge. Tatsächlich haben russische Kosaken die Büste in Auftrag gegeben. Das wusste sogar die BILD korrekt zu berichten. Aber was stört sich eine Dummschwätzerin wie Ockrent an Fakten?

Moderatorin Aubry präsentierte sich wie gesagt nicht minder dämlich, sondern minderbemittelt. Die Krim wurde einfach so annektiert, meint das Dummchen unter kompletter Ausblendung der jüngsten Geschichte und setzt noch einen drauf:

arte_aubry2240Aubry: „Wir wollten wissen, wie die Menschen in den ehemaligen Sowjetrepubliken darüber denken. Lettland, Weißrussland, der Ukraine, Moldawien und der Krim. Menschen und Länder, die zwischen zwei Fronten stehen: dem expansionistischen Russland auf der einen und Europa auf der anderen Seite.“

 

EC-EU-enlargement

Hier sehen wir wieder die bekannte Strategie der Frontenbildung, die obendrein Russland als nicht-europäisches Land abqualifiziert. Dass Aubry von russischer Expansion schwadroniert ist dümmlichste Dema- gogie und mit der Heimführung der russichen Krim nicht zu rechtfertigen. Wer tatsächlich expansionistisch agiert, zeigt die Grafik rechts: EU-Erweiterung 1957-2013

Der Beitrag hier artet buchstäblich aus, dabei sind wir noch nicht einmal auf die beiden Dokumentationen selbst eingegangen, die an diesem Abend gesendet wurden. Die erste von diesen beiden „Milliarden aus Moskau“ entsprach im unterirdischen Niveau dem, was das hier dokumentierte Vorgespräch befürchten ließ: Skandalisierung, Verzerrung und Doppelmoral. Kurz und knapp brachte es ein Kommentar von Faunaflügel im Propagandamelder zum Ausdruck: „Der Aufbau der Reportage wäre auf jeden Regierungschef dieses Planeten übertragbar – allen voran Merkel… Selbst den Dalai Lama hätte man auf diese Art und Weise noch abschmieren lassen können…“

Etwas differenzierter war da schon die zweite Doku „Russlands Nachbarn“, in der sich die Autoren auf eine Reise durch die russischen Nachbarländer bis hin zur Krim machten. Auch hier war die Voreingenommenheit und politische Intention der Autoren spürbar, aber sie trafen eben auch auf Menschen, die es ihnen nicht leicht machten, ihre geplante Holzschnitt-Propaganda von den eingeschüchterten Nachbarn aufrechtzuhalten. Dass wir in diesem Film Protagonisten wiedersahen, wie den russlandkritischen Saftbuden-Betreiber von der Krim, die man schon aus anderen öffentlich-rechtlichen Machwerken kannte, war sicherlich kein Zufall, sondern belegt, dass die öffentlich-rechtlichen Agitatoren im Vorfeld untereinander Adressen austauschen, um ihre geplanten politischen Narrative umsetzen zu können. Russland-Kritiker sind auf der Krim rar, da muss man offensichtlich die wenigen immer wieder neu vor die Kamera zerren.

Ein Best of der beiden Interviews Aubry-Ockrent mit den obigen Zitaten gibt es unter diesem Link:

arte_aubry_ockrent

Wer sich die Sendungen noch komplett anschauen möchte, kann dies wohl nur bis Anfang nächster Woche. Danach heißt es auf youtube suchen. Aber nur, wenn man wirklich zu viel Langeweile hat oder etwas über Propaganda lernen möchte.

Hier die direkten Links, zu den noch verfügbaren Filmen in der Mediathek:

1. „Milliarden aus Moskau“ und Nachgespräch Aubry-Ockrent_1

2. „Russlands Nachbarn“ und Nachgespräch Aubry-Ockrent_2

Und zum Schluss noch einige Live-Kommentare von USA-Durchschauer, der sich die Machwerke ebenfalls angeschaut hat.