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Sonntag, 17. Mai: Die BamS berichtet, SPD-Chef Gabriel würde den Druck auf Merkel erhöhen, die Spählisten der NSA notfalls auch gegen den Willen der USA zu veröffentlichen:

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Vizekanzler:
„Da muss man als Bundesregierung auch mal Rückgrat zeigen”

Webseite

 

Nun kommt es in der Politik oftmals auf jedes einzelne Wort an, weshalb sich deutsche Politiker in der Regel ihre Interviews vor der Veröffentlichung vorlegen lassen, um diese noch einmal zu checken und erst dann zu autorisieren.

Warum eigentlich? Wenn es schief geht – wie in diesem Fall – bessern ARD und ZDF gerne nach…

Was den Springer-Redakteuren und Gabriel selbst offensichtlich nicht aufgefallen ist: das Zitat bestätigt einmal mehr die Tatsache, dass die deutsche Regierung alles andere als souverän ist. Die Formulierung „mal Rückgrat zeigen“ heißt nichts anderes, als dass die Regierung ansonsten nämlich nie Rückgrat zeigt, was wir deshalb schon am Sonntag als Steilvorlage für einen tweet verwendet haben. Schon auf der Webseite hat die ARD Gabriels Zitat zu Recht gebogen, in dem das verräterische „mal“ in der Schlagzeile „Bundesregierung muss Rückgrat zeigen“ nicht auftaucht. Erst im Artikel wird korrekt zitiert.

Man kann davon ausgehen, dass Gabriels peinliches Selbsteingeständnis entweder ihm selbst irgendwann dämmerte oder dass es ihm erklärt wurde. Den Nachrichtenredaktionen der Regierungssender ARD und ZDF, deren Job es ist, mit politischem Wording und ausgefeilten Formulierungen, die Welt zurechtzubiegen, war der Subtext jedenfalls nicht entgangen und wie es sich für servile Staatssender gehört, haken sie nicht etwa nach, sondern lügen frech einen ganz anderen Satz in Gabriels Mund.

Am Abend heißt es in den 19.00 Uhr ZDF heute-Nachrichten:

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Ines Trams: „…Doch der Koalitionspartner macht Druck – gezielt auch auf die Regierungs- chefin. Rückgrat gegenüber den USA müsse man zeigen, fordert nun auch SPD-Chef Gabriel: ‚Wir sind weder unmündig noch Be- fehlsempfänger. Die deutsche Politik muss das deutsche Recht und die deutsche Verfassung ge- nauso selbstbewusst verteidigen, wie das die amerikanische Politik mit ihrer Verfassung auch tut.'“

Die Manipulation: Zuerst behauptet Trams in indirekter Rede, Gabriel hätte gesagt, „Rückgrat gegenüber den USA müsse man zeigen“. Tatsächlich hat er bekanntlich gesagt, dass man mal Rückgrat zeigen müsse. Um ihre vorsätzliche Täuschung komplett zu machen, zitiert sie erst danach wörtlich den Teil, der dem Staatsfunk besser in den Kram passt und das wird dann zusätzlich als Text eingeblendet. Offensichtlich hatte man hier Skrupel, das verräterische „mal“ auch noch aus einem eingeblendeten Text wegzuretuschieren, deshalb wurde es lediglich in der indirekten Rede unterschlagen.

Auch in der ARD-tagesschau wird am Sonntag Abend mit indirekter Rede gerade gebogen.

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Julia Krittian:„Die SPD erhöht den Druck weiter. Vizekanzler Gabriel fordert von der Bundesregierung Rückgrat gegenüber den USA.“

 

 

Von allen abendlichen Hauptnachrichtensendungen am Sonntag ist es lediglich der Nachrichtenblock in den tagesthemen, in dem Gabriel korrekt zitiert wird. Jan Hofer entledigt sich des „mal“ dabei so schnell und erleichtert, als handele es sich um einen außerehelich eingefangenen Herpes. Sprachlich verlottertes „auchma“ hört man aus Hofers Mund jedenfalls eher selten – oder sollte es nach „auch mehr“ klingen?

ARD_tt_17052017_Gabriel_Rueckgrat240Jan Hofer: „SPD-Chef Gabriel forderte in der Bild am Sonntag, die NSA-Spählisten notfalls auch gegen den Willen der USA freizu- geben. Die Bundesregierung müs- se da auchma Rückgrat zeigen, so der Wirtschaftsminister.“

Wer bisher noch keinen Vorsatz erkennt, darf sich noch heute und heute-journal vom gestrigen Montag anschauen. Lässt Lars Bohnsack das „mal“ in der heute-Sendung schlicht und einfach unter den Tisch fallen: „…Aufforderung an die Kanzlerin, Rückgrat zu zeigen…“, so hat die abgebrühte Berufslügnerin Marietta Slomka keine Skrupel, Gabriels Satz ins komplette Gegenteil zu drehen.

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Slomka: „…Sigmar Gabriel tritt da deutlich freier auf, mit seiner Forderung, gegenüber den USA mehr Rückgrat zu zeigen…“
(Link)

 

Das „mehr“ ist auch deshalb an dieser Stelle fett gedruckt, weil die Lügnerin Slomka es nachdrücklich betont. Dass Slomka die Bedeutung von Worten in der Politik kennt, stellt sie selbst kurz darauf klar: „sogar das schwerwiegende Wort ‚Staatsaffäre‘ nahm Sigmar Gabriel in dem Zusammenhang in den Mund…“ Slomka kennt also das Interview, kennt den exakten Wortlaut und lügt frech etwas anderes in die Kamera. Man könnte Slomka jetzt auffordern, doch mal die Wahrheit zu sagen, aber das würde ja bedeuten…