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ard_logoDa wir uns hier bekanntlich nachdrücklich für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk einsetzen, der den Vorgaben des Staatsvertrags gerecht wird, verweisen wir hier unregelmäßig auf Produktionen die diesen Ansprüchen entsprechen und damit den Journalismus repräsentieren, den die gebührenzahlenden Bürger verdient haben und erwarten können.

Zu diesen herausragenden Produktionen gehört eine Dokumentation des renommierten SWR-Journalisten Tilman Achtnich über die Chancen und Risiken von Freihandelsabkommen. Am aktuell in Geheimverhandlungen ausbaldowerten TTIP und den bereits bestehenden Erfahrungen mit dem NAFTA-Abkommen zwischen den USA und Mexiko, zeigt die exzellente Recherche, wer tatsächlich profitiert1% und wer nicht99%.

Wohlstand für alle – Was bringen Freihandelsabkommen?

ARD_TTIP_18052015525Was machen die Programmverantwortlichen mit dieser Dokumentation, deren Thema aktueller nicht sein könnte und das jeden Bürger in erheblichem Ausmaß betreffen wird? Sie stecken sie ins Nachtprogramm um 22.45 Uhr, in der sicheren Gewissheit einer niedrigen Einschaltquote und Reichweite.

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Geld-Check: Einkaufen für Dummies

Zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr wird stattdessen ein sogenannter „Geld-Check“ gesendet, der den offenbar als grenzdebil eingeschätzten Bürgern den Unterschied zwischen Mars und Snickers, Bückware und Markenprodukten erklärte und weitere tiefschürfende Informationen aus dem fremden Kosmos Supermarkt zu bieten hatte.

Die Einschaltquoten dieser Sesamstraße für Konsumenten lag dann mit 3,08 Millionen Zuschauern noch weit unter dem Unterhaltungstinnef des ZDF, das einen Krimi angesetzt hatte und 5,59 Millionen vor der Glotze lobotomierte.

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Wieviele hätten wohl die ARD eingeschaltet, wenn die TTIP-Doku bereits um 20.15 Uhr gesendet worden wäre? Wieviele hätten am nächsten Tag darüber diskutiert? Um 22.45 Uhr war die Einschaltquote jedenfalls so gering, dass sie überhaupt nicht unter den TOP20 auftaucht. Die ARD hat es damit geschafft, allein durch diese späte Platzie- rung mindestens 2 Millionen Zuschauer von diesem höchst wichtigen Thema fern- zuhalten. Die Zahl derer, die sich die Sendung später als Download anschauen, dürfte verschwindend gering sein und sich auf jene beschränken, die dem Thema sowieso kritisch gegenüberstehen.

Wer das für Zufall hält, der glaubt auch, die ARD sei eine unpolitische Anstalt. Tatsächlich hat dieses Verstecken kritischer und wichtiger Dokumentationen Methode und dient der Verblödung der Schafe, denen man gerade noch gesellschaftlichen Diskurs über Bückware oder Tatorte zugesteht, während andere über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen treffen, die letztlich zulasten der Dummverkauften gehen werden. Wir habens euch doch gesagt, wird man dann sagen – und vergessen, dass es zu einer Uhrzeit war, zu der der Großteil der Bürger längst im Bett lag.