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wdrIn der staatlichen Meinungsmache über die Schuld am Bahnstreik gibt es zwei wesentliche Strategien. Die eine besteht darin, den Streik und seine Folgen allein der Gewerkschaft anzulasten – gerade so, als gäbe es nicht die zweite Konfliktpartei „Deutsche Bahn AG“.  In der noch einmal übersteigerten Form des Propagandakrieges, wird GdL-Chef Weselsky allein und persönlich für den Streik verantwortlich gemacht – gerade so, als gäbe es keine Urabstimmung und keine Tarifkommission, in deren Auftrag Weselsky handelt.

Die Aggression, mit der sich die Staatsjournalisten der ARD auf den GdL-Bundesvorsitzenden Claus Weselsky stürzen, konnte nicht nur in den tagesthemen beobachtet werden, auch im WDR-Interview ist der Ton auf Krawall und Personalisierung gebürstet, statt auf Information. Besonders vielsagend, was die eigene Einstellung des „Journalisten“ Tom Hegermann zum Staat angeht, war dessen letzte Frage im Interview mit Weselsky am Montag:

Tom Hegermann: „Ich muss morgen nach Wiesbaden und mich in den Stau stellen. Meine Frau muss am Mittwoch aus Berlin zurück, die hat noch nicht einmal einen Wagen dabei, mit dem sie sich in den Stau stellen kann. Wir beide haben noch nie den Lokführern irgendwas getan, warum müssen wir schon wieder büßen?

Aber das mit dem Schlichter verstehe ich nicht. In den vergangenen 60 Jahren sind verhakte Arbeitskämpfe hier in Deutschland ausschließlich und immer durch das Einschalten von Schlichtern gelöst worden. Warum denn bitteschön nicht bei Ihnen?

Nun stehe ich hier knietief in Hörermails, die aber kein Verständnis mehr dafür haben, dass wir, die Kunden der Bahn, darunter leiden müssen, und das jetzt sechs Tage lang. Was an diesem Streik ist aus Ihrer Sicht denn bitteschön noch verhältnismäßig?

Dann frage ich mal anders: Sie haben eine Verantwortung gegenüber Ihren Beschäftigten, gar keine Frage, für die setzen Sie sich ein. Welche Verantwortung hat die GDL für dieses Land und nimmt sie wahr?(Link)

Auch in den stündlichen Nachrichtensendungen auf WDR2 – die eigentlich besonders zurückhaltend sein sollen, was Meinungsgmache angeht –  konnten wir diese Masche gestern Abend mitschneiden:

Ivo Marusczyk: „Der Schaden für die Bahn ist enorm. Laut Homburg [Bahnvorstand] schlägt jeder Streiktag allein für die Bahn mit 10 Millionen Euro zu Buche. Trotzdem bleibt die Gewerkschaft GdL dabei: der Streik bei der Bahn soll noch bis Sonntag früh 9 Uhr dauern.“

 

Völlig selbstverständlich wird auch hier der wirtschaftliche Schaden allein der Gewerkschaft angelastet. Die ARD – unparteilich, wie es der Staatsvertrag fordert? Lachhaft!