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„Der längste Mega-Bahnstreik in der Geschichte des Universums!“

Der Bundesverkehrsminister „ist in Fahrt…angesichts des längsten Streiks in der Bahngeschichte.“, behauptete Annekarin Lammers gestern in der tagesschau. Der angesprochene Dobrindt präsentiert sich dann aber anschließend so sehr „in Fahrt“ wie eh und je, heißt, wie ein Lanz Bulldog auf Salböl. Der herbeifantasierte Gemütszustand des bayrischen Verkehrsministers war aber nur die kleinere Lüge, mit der die tagesschau ihre Berichterstattung über den neuen Streik der GdL aufpeppte. Die Behauptung, es handele sich um den „längsten Streik in der Bahngeschichte“ ist so reisserisch wie unwahr.

Wer gestern und heute die wiedermal 1,2 gleichgeschaltete und agitatorische Kampagne gegen die GdL betrachtete, kann diese Lüge erneut in quasi allen Staats- und Konzernmedien finden. Eine kleine Auswahl:

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Diese Kampagne, die wieder einmal mit persönlichen Angriffen auf den Chef der Gewerkschaft Weselsky einhergeht, hat mit Berichterstattung nichts zu tun. Tatsächlich geht es ausschließlich darum – ganz im Sinne von Staats und Wirtschaftsbossen – öffentlichen Druck gegen die organisierten Arbeitnehmer zu erzeugen. In Wahrheit entscheidet natürlich nicht Weselsky über Streik oder nicht Streik, sondern Gewerkschaftsmitglieder und Tarifkommission.

In gleichem Maße, wie die Angriffe der Lügenmedien gegen Weselsky gefahren werden, wird die Bahnführung erneut komplett aus der Schusslinie genommen und Personalchef Weber als armes Opfer präsentiert, das ja gerne einen Abschluss machen würde.

ARD_tagesthemen_4.5.15_GdLWar die Berichterstattung in der tagesschau – trotz der Lügen – noch halbwegs erträglich, so redete Caren Miosga sich später in den tagesthemen tatsächlich in die „Fahrt“, die ihre Kollegin dem Verkehrsminister zwei Stunden zuvor angedichtet hatte.

Miosga: „Wollen Sie jetzt mit dem Kopf durch die Wand und demnächst sogar unbefristet streiken?“

ARD_Teletext_GdL

ARD-Teletext 4.5.2015 20.00Uhr

Mit sachlichem Journalismus hat das natürlich nichts zu tun. Hier wird ganz unverfroren im Sinne der Regierung und der Wirtschaft Stimmung gegen Arbeitnehmer gemacht, die nichts anderes tun, als von ihrem Recht auf Streik Gebrauch zu machen. Dazu passt die Fehlinformation im ARD- Teletext, die GdL habe ein Schlich- tungsangebot abgelehnt. Richtig ist: die GdL hat Forderungen der Bahn nach einem  Schlichtungsverfahren zurückgewiesen.

Im ZDF heute-journal sah das keineswegs besser aus. Auch der Desinformations-Kleber beginnt die Berichterstattung über den Streik mit der Skandalisierung des „längsten Streik in der Geschichte der Bahn AG“. Die 34.000 Mitglieder zählende GdL wird – wie schon gewohnt – „klein“ gemacht. Die Propaganda-Botschaft: So ein paar größenwahnsinnige Bahner dürfen doch nicht die Wirtschaft lahmlegen. Dieses Narrativ von „der kleinen Gewerkschaft“ – tatsächlich reden wir hier über 34.000 Mitglieder – soll darüberhinaus den Bestrebungen der Regierung, ein Tarifeinheitsgesetz durchzusetzen, den Boden bereiten. Dieses Gesetz soll „die große Macht kleiner Gewerkschaften brechen“, weiß das ZDF.

Angefüttert wird die Stimmungsmache dann mit der sattsam bekannten Masche der ausgewählten Bürger auf der Straße, die genau das ins Mikro sagen, was die Agitatoren hören wollen. Stimmen, die das Recht der Gewerkschafter auf Streik unterstützen, werden erwartungsgemäß nicht gesendet.

ZDF_4.5.2015_GdL_GGAls nächstes wird mit Reiner Hofmann ein GdL-Gegner aus dem eigenen Gewerkschaftslager präsentiert, von dem schon seit langem bekannt ist, dass er gegen die Ziele der GdL agitiert. Nachdem Kleber den Zuschauern erklärt hat, dass die Väter des Grundgesetzes, das Recht auf Streik in der Verfassung festgeschrieben haben und wie die Gesetzespläne der Regierung aussehen, wird Hoffmann – der in den Tarifkonflikt gar nicht involviert ist – erneut und ausführlich von Kleber interviewt, um die Position der GdL zu untergraben.

Am Ende der Meinungsmache stellt Kleber immerhin klar, dass es eben nicht der längste Streik in der Geschichte der Bahn ist, sondern lediglich der längste Streik in der Geschichte der gerade etwas mehr als 20 Jahre alten „Deutsche Bahn AG“. 1992 gab es einen Streik, der 11 Tage dauerte und damals zu einem Verkaufsboom für Fahrräder führte. Man kann davon ausgehen, dass das ZDF zu dieser Klarstellung durch Proteste von Zuschauern gezwungen werden musste, denn schon im November behauptete das heute-journal – wie viele andere Lügenmedien auch -, dass es sich bei dem damals gerade einmal 4-tägigen Streik, um den „längsten Bahnstreik aller Zeiten“ handelte.

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