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„Das Boot“ (1981)

U-Boote versinnbildlichen und transportieren die unsichtbare Bedrohung des Kalten und rücksichtslosen Krieges. Sie stehen gleichermaßen für hoch technisierte, wie hinterhältig feige Angriffe aus dem Dunkel des Meeres, sowohl auf Kriegsschiffe, wie auch auf die Handelsmarine oder Schiffsladungen voller Flüchtlinge. Ihr Mythos wurde cineastisch durch verfilmte Meisterwerke wie „Das Boot“ oder auch Propagandafilme wie „Jagd auf Roter Oktober“ in unseren Köpfen verfestigt.

Auf einer anderen semantischen Ebene stehen U-Boote für den Feind in den eigenen Reihen. Unerkannt und hinterhältig täuscht das menschliche U-Boot sein Umfeld über die eigenen Absichten, um hinter den Linien die Agenda einer fremden Macht voranzutreiben. Die Motive können dabei sowohl idealistisch als auch ganz profan materiell sein.

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FAZ – mediales U-Boot

Wenn wir heute in den gleichgeschalteten westlichen Mainstreammedien erneut mit substanzlosen „Meldungen“ (FAZ, Stern, ZEIT, N-TV, MSN, WELT)  über vermeintliche U-Boote konfrontiert werden, die in „unseren“ Gewässern ihr Unwesen treiben – bis sie angeblich mit Bomben vertrieben werden – dann handelt es sich um nichts anderes, als ganz gezielte Kriegspropaganda, die der Verunsicherung der Bevölkerung, der Verfestigung eines Feindbildes und der politischen, materiellen und finanziellen Aufrüstung der eigenen militärischen Streitkräfte dient.

Vermeintlich gesichtete gegnerische U-Boote eignen sich ganz besonders für diesen Zweck. Zum einen wegen ihres oben dargelegten bedrohlichen Mythos und zum anderen, weil kein Normalbürger in der Lage ist, diese Propaganda inhaltlich zu überprüfen. (Realistischerweise muss man allerdings davon ausgehen, dass die Gewässer Europas technisch nicht weniger überwacht sind als der Luftraum und dass der NATO sämtliche Unterwasserbewegungen bekannt sind und deshalb öffentlich gemacht werden könnten – wenn man wollte.)

U-Boote können also je nach Bedarf aus dem Hut in die Medien gezaubert werden, um dort ihre gewünschte, angsteinflößende Wirkung in der Bevölkerung zu entfalten. Zumindest in diejenigen Medien, die unhinterfragt Propaganda verbreiten, statt verifizierte Informationen.

AFP-Meldung mittlerweile gelöscht (Update)

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Screenshot der AFP-Meldung im google-cache

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die AFP-Meldung – auf der der aktuelle U-Boot- Alarm mutmaßlich beruht – mittlerweile komplett gelöscht wurde und nur noch im Google-Cache zu finden ist. Auch auf der Webseite der tagesschau wird diese „Meldung“ aktuell nicht verbreitet. Die ganze Angelegenheit ist also mehr als dubios – wird aber nach wie vor über die oben genannten Medien in die Welt posaunt. Update: Aktuell (20.00 Uhr) ist der AFP-Artikel wieder erreichbar – tagesschau. de hat die Meldung nach wie vor nicht veröffentlicht, spiegel.de berichtet unter Berufung auf reuters/dpa.

Dass diese Art Propaganda – die wir sattsam aus „Berichten“ über vermeintlich bösartiges oder gar gefährliches Eindringen russischer Kampfjets und Bomber in den europäischen Luftraum kennen – aus genau jenen militärischen Kreisen lanciert wird, die letztendlich durch Aufwertung ihrer eigenen Bedeutung und zusätzliche finanzielle Mittel profitieren, ist natürlich kein Zufall, sondern verweist auf die Methode. Diese wiederum ist alles andere als neu, wie wir im Folgenden erfahren.

Was wirklich dahinter steckt

Ein besonders hörenswertes – und in diesem Zusammenhang höchst aktuelles – Interview von Ken Jebsen mit dem Autor und Dokumentarfilmer Dirk Pohlmann gibt historisch fundierte und vollkommen plausible Einblicke in diese Methode der geheimdienstlichen und kriegstreiberischen Propaganda. Pohlmanns Dokumentation „Täuschung – die Methode Reagan“ läuft am 5. Mai auf ARTE.

KenFM-Pohlmann

Dirk Pohlmann (ab 6:51min): „Ich habe in dem Film ein Interview drin, mit dem Vize-Chef der SÄPO – das ist die Sicherheitspolizei, also der Geheimdienst [in Schweden] – …. der sagt im Interview, dass ihm bereits in den 70er Jahren von der CIA … gesagt wurde, Palme sei ein Einflussagent der Sowjets und damit wurde der schwedische Geheimdienst in Opposition zu seinem Ministerpräsident gebracht…Das heißt, das Militär, also Teile des Militärs, nicht das ganze Militär, wesentliche Teile des Militärs – insbesondere zwei oder drei Admiräle oder vier – haben direkt mit den Amerikanern und den Briten kollaboriert, weil sie der Auffassung waren, dass das, was Palme an politischen Vorstellungen hatte, Verrat ist gegen Schweden und dann hat diese Gruppe sozusagen entschieden, wie die Außenpolitik gemacht werden muss,…Das heißt, es entsteht ein eigener Staat im Staat auf den die Amerikaner in dem Fall zugreifen konnten…der gegen die Interessen des sozialdemokratischen Schweden regiert hat….

(ab 18:35.min)…Ich will noch einmal eingehen, auf diesen Begriff „dualer Staat“ [Staat im Staate]sie müssen sich das ganz simpel vorstellen, es fahren ständig U-Boote in Gewässern herum und das Militär sagt Olof Palme: ‚das sind Sowjets – alles Sowjets! Die kommen hierher…‘ Palme: ‚Absurd! Ich rede mit denen hier über Friedensverhandlungen und die sitzen mit mir am Tisch. Was für ein Interesse haben die, meine Sachen zu torpedieren?‘ Und das ist egal, das macht natürlich keinen Sinn, was da passiert, aber es wird in den Medien konstant berichtet wie UFO-Sichtungen über 10 Jahre, also Hunderte von Sichtungen von U-Booten. Immer wieder und immer wieder wird berichtet, die Sowjet fahren rum. Und das führt dazu, dass … Palmes Politik des Wandel durch Annährung …. wird machtlos, weil gleichzeitig offenbar die Sowjets in seinem Vorgarten machen, was sie wollen…“

Man kann nur empfehlen, sich das komplette Interview und die Doku am 5.Mai auf ARTE anzuschauen. Was Pohlmann darstellt, ist ein zentraler Puzzlestein für das Verständnis globaler Politik, der schmutzigen Arbeit der Geheimdienste und dem Anteil propagandistischer Medien.

FAZIT:
Selbstverständlich benutzen russische Marine und Luftwaffe internationale Gewässer und Luftraum – und zwar in gleicher Weise, wie es das westliches Militär auch macht. Allerdings – angesichts der quantitativen Verhältnisse – sicherlich weniger exzessiv. Nur werden Flüge der russischen Luftwaffe und Fahrten russischer U-Boote in der westlichen Propaganda gezielt skandalisiert oder schlichtweg erfunden, um einerseits Druck auf Russland auszuüben und andererseits die eigene Bevölkerung einzuschüchtern. Es wird ein Feindbild an die Wand gemalt, das weder der Realität entspricht noch den Interessen der westlichen Bevölkerung auf friedliche Koexistenz und Kooperation mit Russland. Diese vorsätzliche Kriegstreiberei dient letztendlich der von Brzezinski und Friedman formulierten Politik der Spaltung Europas mit dem Ziel, die Vormachtstellung der USA zu erhalten.
Es gibt also tatsächlich gefährliche U-Boote in den Geheimdiensten, in der Politik und in den Medien. Ihre Waffen sind allerdings keine Atomsprengköpfe, sondern Desinformation, Lügen und Propaganda.