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Branding_USA_kraineEinen Staat wie die USA, der die Ideologie des Kapitalismus so verinnerlicht und in allen Poren aufgesogen hat, versteht man am Besten, wenn man ihn in Gänze als Konzern auffasst, der selbst nach radikalmarkt- wirtschaftlichen Prinzipien funktioniert. Für einen solchen Konzernstaat sind Menschenrechte allenfalls ein Branding im globalen Wettstreit der Systeme –  Marketing und PR sind für diesen Staat so wichtig wie für Coca-Cola, McDonalds oder Ford. PR-Fachleute der Großkonzerne wechseln genauso selbstverständlich in Staatsfunktionen, wie Lobbyisten, Juristen oder Manager.

Die totalitäre Ideologie des „Marktes“ zu exportieren, um den eigenen Absatzmarkt und Gewinne zu maximieren, ist das Ziel US-amerikanischer Außenpolitik. Diese wertfreie Einschätzung hat nichts mit „Antiamerikanismus“ zu tun – vielmehr ist „Antiamerikanismus“ selbst ein Negativ-Branding des Konzerns „USA“, der Kritik mundtot machen soll – sondern eine Beschreibung, wie sie die Mehrheit der Vertreter dieses größten aller Konzerne zweifellos unterschreiben würde.

Public Diplomacy

Der Begriff Public Diplomacy (PD) wurde zu Beginn der 1960er Jahre in den USA geprägt und beschreibt die Ausrichtung moderner Diplomatie, die als Adressaten insbesondere ausländische Öffentlichkeiten zum Ziel hat. Public Diplomacy stellt damit eine Mischung aus Auslands-Propaganda, politischem Marketing, Völkerverständigung und Kulturdiplomatie dar….

Eine Publikation des US-Außenministeriums beschreibt PD wie folgt:

Public diplomacy umfasst Aktionen der US-Regierung, die darauf abzielen, ausländische Öffentlichkeiten zu verstehen, zu informieren und zu beeinflussen durch internationale Austauschprogramme, internationale Informationsprogramme, Medienforschung und Umfragen sowie Unterstützung für Nichtregierungsorganisationen. Public diplomacy festigt die Beziehungen zu Amerikas Verbündeten, sucht andere mit amerikanischen Werten zu impfen und fördert gegenseitiges Verständnis zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Gesellschaften. Richtig betrieben, verringert PD das Potenzial für militärische, politische und wirtschaftliche Konflikte und zerstreut negative Vorstellungen über die Vereinigten Staaten. Public diplomacy ist ein kostengünstiges, aber sehr wirksames Mittel um amerikanische Grundsätze und Interessen im Ausland zu fördern.[2] (wikipedia)

So wie Handelsvertreter – getrieben vom Zwang zum Wachstum – in noch nicht komplett gesättigte Märkte einfallen, stürzen sich die USA auf neu eroberte Regionen, um ihnen ihre Ideologie, Regeln und Produkte angedeihen zu lassen – so fest davon überzeugt, etwas Gutes zu tun, wie der Versicherungsagent, der dem Hinterwäldler uneigennützig eine Lebensversicherung andreht. Das Kleingedruckte folgt dann später…

Die Mittel der Wahl, bei der Eroberung neuer Ressourcen, Märkte und Konsumenten, sind – neben roher Gewalt – cleveres Marketing, PR und Propaganda. Die Übergänge sind auch deshalb fließend, die Begriffe austauschbar, weil zwischen Staat und Konzern nicht mehr unterschieden werden kann.

Ein schönes Beispiel, wie der Konzern USA sich anschickt, neuen Absatzmärkten die eigene, marktradikale Denk- und Arbeitsweise angedeihen zu lassen, zeigt ein Video der US-Botschaft in Kiew. Nachdem man es mit allen Mitteln geschafft hat, eine gefügige Herrschaft zu installieren, kommen die PR-Strategen und erklären den durchaus erstaunten Ukrainern, wie sie ihr Land zu einer „Marke“ machen können.

Branding Ukraine: An Exercise in Public Diplomacy – Lecture with Dr. Vivian S. Walker

Branding_Ukraine3240Im Rahmen dieses Vortrags stellt die Dozentin Vivian Walker das neue Branding des Außen- ministerium der Ukraine vor – entwickelt von ihr bzw unter ihrer Leitung. Unter dem Slogan „The Will of the people is our wind“ (воля народу нашого вітер) wurden Grafiken und Schrifttype „Bandera Pro“ (sic) erstellt, die von nun an vom ukrainischen Außen- ministerium Branding_Ukraine4240benutzt werden. Die Ukraine als Franchise der USA – offensichtlich nicht einmal in der Lage, ihrem Land selbst ein Außenbild zu geben. Die Zuhörer feixen „Titanic„, als ihnen das Bild eines Schiffes präsentiert wird, das symbolisch für ihr Land stehen soll und zusammen mit dem Grundriss des Gebäudes des Außenministeriums, Branding_Ukraine2240Inspiration für die Grafiken war, unter denen das Außenministerium heute firmiert. „In the Image-Business you have to watch what you say“ – „Im Marketing-Business muss man aufpassen, was man sagt“, so Walkers Antwort auf den Titanic-Vergleich ihrer Zuhörer…

Dank an Jens E für den Hinweis an den Propaganda-Melder!