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Zapp_LogoDas NDR-Medienmagazin ZAPP hatten wir hier bereits mehr als einmal im Visier, aber was den Zuschauern in dieser Woche über das neue Tolstoi-Institut vorgesetzt wurde, war so unterirdisch, dass wir es hier dokumentieren müssen.

Das Tolstoi-Institut ist eine russische Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, die deutsch-russische Freundschaft und Beziehungen zu verbessern. Auf der Webseite sind die Ziele und Projekte aufgeführt:


Das Tolstoi Institut wurde vor kurzem zur Förderung der deutsch-russischen Freundschaft ins Leben gerufen.
In der heutigen schwierigen politischen Situation ist es besonders wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und überlegt und vernünftig zu reagieren.
Zu jedem Konflikt gibt es immer eine friedliche Lösung. Die Eskalation der politischen Situation verschafft keiner Seite einen Vorteil.
Europa kann stolz darauf sein, dass es gelungen ist, über längere Zeit den Frieden auf dem Kontinent zu bewahren.
Dieses friedliche Zusammenleben aller europäischen Länder ist eine wertvolle Gabe, die wir als einen großen Schatz behüten und beschützen müssen.
Wir laden herzlich alle, die sich für die Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland und für den Frieden auf dem europäischen Kontinent entscheiden, zur konstruktiven Zusammenarbeit ein.
Wir sind offen für ihre kreativen Angebote und Anregungen. (LINK)
    • regelmäßige Treffen
    • Durchführung verschiedener Veranstaltungen
    • Konzerte
    • Hilfe bei Behördenproblemen
    • Übersetzungen
    • Hilfe bei sozialen Problemen
    • Ausstellungen
    • Lesungen
    • Musikunterricht (LINK)

 


Nach dem Krieg wurden zahllose vergleichbare, westlich ausgerichtete Institute und Initiativen mit ebensolchen Zielen gegründet. Ihre Aufgabe waren sowohl Resozialisierung der Nazis, als auch die Einbindung Deutschlands als US-kontrollierter Frontstaat gegen den Kommunismus. Das Spektrum reicht vom Schüleraustausch bis zur politischen Lenkung auf höchster Ebene, wie sie von Atlantikbrücke oder SWP betrieben werden.

Wenn sich nun Russland anschickt, die deutsch-russischen Beziehungen zu verbessern, gehen bei den transatlantischen Propagandisten buchstäblich die alten roten Lampen an. Da man heute schwerlich mit dem Gespenst des Kommunismus agitieren kann, wird das bedrohliche Gespenst „Eurasien“ konstruiert.

Zapp_1.4.2015Zum Beitrag (6:17min) auf Webseite oder Herunterladen: Mittlere Qualität Hohe Qualität

Nach dem wirtschaftlichen Kollaps des Warschauer Pakts und der deutschen Gorbimania kam es zu einer erfreulichen Annäherung der ehemaligen Kriegsgegner auf allen Ebenen – vom Hegemon USA argwöhnisch beobachtet und als Bedrohung eingestuft.

Die zumeist substanzlosen – und mit Lügen und Desinformation gespickten – Hetzkampagnen deutscher Medien, mit dem Ziel, kulturelle, gesellschaftliche oder politische Unterschiede zwischen Russland und anderen europäischen Ländern herbeizufantasieren, sind Teil der US-Bemühungen, einen Keil durch Europa zu treiben. Wer nur 5 Minuten darüber nachdenkt, wird einsehen, dass ein gemeinsamer eurasischer Markt nicht nur ein gigantisches wirtschaftliches Potential bietet, sondern auch der vielversprechenste Weg zu dauerhaftem Frieden in Europa darstellt. Wegen dieses Potentials wird es von den USA als Bedrohung ihrer globalen Vorherrschaft betrachtet und politisch und medial hintertrieben.

Vor diesem Hintergrund ist der ZAPP-Beitrag vom 1. April zu verstehen. Er beginnt und endet mit einer Chorprobe deutscher und russischer Volkslieder.

O-Ton: „Musik begreifen sie hier als Mittel der Völkerverständigung.“

Schon diese Einstimmung verrät die diffamierende Absicht der Autoren, denn ohne jeden Zweifel ist Musik ein Mittel der Völkerverständigung. Niemand stellt das infrage, weil daran nichts Fragwürdiges zu finden ist – es sei denn, die deutsch-russische Verständigung ist jemandem ein Dorn im Auge und genau das ist hier offensichtlich der Fall. Nach kurzem Verweis auf die kulturelle Arbeit kommt der Beitrag zur Sache.

O-Ton: „Russische Kultur – alles ganz harmlos. Aber dahinter steht eine politische Agenda: Die deutsche Bevölkerung im Sinne Russlands zu beeinflussen – wie die Präsidentin in ihrer Gründungsrede andeutet.“

Das Ziel der deutsch-russischen Verständigung ist also eine „politische Agenda!“ Nun, selbstverständlich ist sie das. Genauso, wie die Durchsetzung der Menschenrechte, die EU oder die „deutsch-amerikanische-Freundschaft“ eine politische Agenda darstellen. Nur geht es hier um Russen, die die arglose deutsche Bevölkerung beeinflussen wollen – da ist für die ZAPP-Agitatoren des NDR eine politische Agenda offensichtlich etwas Bedrohliches. Gab es jemals ähnliche Berichte im deutschen Staatsfunk über die SWP, Atlantikbrücke oder ein anderes Institut deutsch-amerikanischer Freundschaft Besatzung? Natürlich nicht, denn sie sind es, die die deutschen Medien kontrollieren, beeinflussen und dort quasi täglich als „Experten“ auftreten.

„Die Recherche führt nach Moskau“, behauptet der Sprecher so hochtrabend wie falsch. Tatsächlich war keiner der Autoren in Moskau und hat dort auch nur ein einziges Interview geführt. Der gesamte Beitrag besteht aus Internet-Videos unterschiedlicher Quellen und einem Interview im Tolstoi-Institut in Berlin. Über ein Treffen der russischen Organisation „Neues Eurasien“, an dem ein Mitarbeiter des Tolstoi-Instituts teilgenommen hat, wird ein Bogen zu Yuri Kofner geschlagen, der dann in einem compact-Interview mit Jürgen Elsässer präsentiert wird.

Zapp_Kofner_YTKofner wird von den ZAPP-Hetzern ganz gezielt in ein schiefes Licht gestellt, indem man den Redeausschnitt, in dem er die Geschichte und Bedeutung des Georgs-Bandes erläutert, so zerstückelt, dass man ihm eine „krude Gesinnung“ unterstellen kann. Dass sich Kofner mit dem Begriff „Nato-Faschismus“ ausdrücklich auf die Blackwater-Söldner in der Ukraine bezog, wird vorsätzlich verschwiegen. Hier ist das komplette Original.

Nochmal zur Rekapitulation: Kofner wird durch ein verzerrtes Zitat, was einen klaren Verstoß gegen jede journalistische Ethik darstellt, eine „krude Gesinnung“ angehängt. Ein Mitglied des Tolstoi-Instituts war bei einer Veranstaltung Kofners In Moskau. Das sind die propagandistischen Tricks und Umwege, mit denen nun das Tolstoi-Institut denunziert werden soll. Dessen Leiterin, Tatjana Garsiya, wird (vermutlich) im Interview das verzerrte Zitat Kofners – das sie natürlich nicht in Gänze kennt – vor die Nase gehalten, damit sie sich rechtfertigen soll. Genaues erfährt der Zuschauer allerdings nicht, denn Kofners aus dem Zusammenhang gerissene Aussage wird mit einem Interviewausschnitt Garsiyas zusammengeschnitten, sodass der Eindruck erweckt wird, sie beziehe sich auf ihn. Schmierenjournalismus übelster Sorte.

ZAPP: „Der Russe hat deutsche Medien nicht zu kritisieren!“

Zapp_GarsiyaIn diesem Stil geht es weiter. Auf einer Demonstration im vergangenen Jahr kritisierte Garsiya die einseitige Berichterstattung, Lügen und mangelnde Pressefreiheit in Deutschland. Diese Kritik an den deutschen Medien wirft man ihr jetzt im Interview (3:06min) vor, weil das angeblich spalterisch sei. Das heißt nichts anderes, als dass „der Russe“ Zustände in Deutschland aus Sicht des NDR nicht kritisieren darf. Angesichts der Hetze der ARD gegen die russischen Medien und die angeblich mangelnde Meinungs- und Pressefreiheit in Russland eine besonders freche Doppelmoral. Garsiya kann – oder will – sich an diese Kritik an den deutschen Medien nicht erinnern, was von ZAPP genüsslich ausgeschlachtet wird. Skandal! Dabei sind die Lügen und die einseitige Berichterstattung deutscher Medien massenhaft dokumentiert und selbst vom ARD-Programmbeirat kritisiert worden.

Was die ZAPP-Agitatoren von Meinungs– und Pressefreiheit halten, offenbaren sie dann selbst im weiteren Verlauf, als sie sich darüber echauffieren, dass sich das Institut auf facebook mit „anti-westlichen Scharfmachern“ umgibt. Als Beispiel wird Ken Jebsen in einem Statement präsentiert, in dem er den USA zutraut, ein ukrainisches Atomkraftwerk zu attackieren, um es Putin unterzuschieben. Dass ein ukrainisches Atomkraftwerk tatsächlich schon von faschistischen Elementen attackiert wurde, erfährt man in den deutschen Staatsmedien genauso wenig, wie über die Kolaboration der USA mit diesen ukrainischen Faschisten. Neben Jebsen werden Ulfkotte und Elsässer als Beispiele präsentiert, mit denen sich das Institut „umgibt“ und mit denen man sich in Deutschland nicht umgeben darf, wenn man für Meinungs- und Pressefreiheit nach US-amerikanischem Muster eintritt.

Das Tolstoi-Institut selbst hat auf den Beitrag reagiert und verweist auf den manipulatorischen Zusammenschnitt:


Der Beitrag ist mit Vorsicht zu geniessen!

In einem einstündigem Interview wurden viele Fragen gestellt. Wir haben nun die Erfahrung gemacht, wie man durch einen gezielten Schnitt, Antworten so darstellt, wie es ins jeweilige Aussageschema des Redakteurs hineinpasst. Es wurden Zitate aus Filmen in YouTube aus dem Zusammenhang herausgeschnitten und durch eine Antwort auf eine andere Frage, ergänzt. Auf solche Weise entsteht natürlich ein völlig anderes Bild.

Dennoch sind wir froh über diesen Beitrag. Denn er hat uns die Erfahrung gegeben, wie wir in Zukunft mit den Medien, insbesondere mit den öffentlich rechtlichen Medien, umzugehen haben. Und er hat uns eine bundesweite Unterstützungswelle gebracht. Es kamen viele Anfragen per E-Mail über die Möglichkeit, im Tolstoi-Institut Mitglied zu werden oder aber einfach nur mitzuarbeiten bei unserem Ansinnen, die deutsch-russische Freundschaft zu fördern.


silvio_duweNeben der transatlantischen Stoß- richtung ist auch die journalistische Handschrift hinter diesem Machwerk bekannt. Es ist der unsägliche Silvio Duwe, der schon beim Start von RT-Deutsch die peinliche Figur eines Stasi-Spitzels gab und sogar Xavier Naidoo als Antisemiten oder gar Neonazi diffamiert.