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ard_logoDie Ständige Publikumskonferenz weiß ein Liedchen zu singen, von den Reaktionen der öffentlich-rechtlichen Propagandaanstalten auf die durchweg begründeten Programmbeschwerden. Allein die Tatsache, dass es über 4 Monate gedauert hat, von den ersten Beschwerden über Udo Lielischkies‘ Lügen über die Toten von Krasnoarmeysk, bis zu einer Entschuldigung und Richtigstellung in den tagesthemen, zeigt die ganze Ignoranz, mit der die ARD sowohl der Wahrheit, als auch ihren Zuschauer gegenübersteht.

NorbertHäringSeine eigenen Erfahrungen, mit Borniertheit und Ignoranz im ARD-Apparat musste der Ökonom und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring machen. Seine Programmbeschwerde über die tagesschau-Berichterstattung zu einem EU-Gipfeltreffen mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras, sowie einen Bericht aus Berlin, wurde mit einer denkwürdigen Antwort geradezu verhöhnt. Offenbar ist Häring – so wie wohl vielen von uns –  nach längerer Beobachtung der ARD-Berichterstattung der Kragen geplatzt, denn er schreibt:

Betreff: Programm-Beschwerde: Tagesschau vom 20.3.2015, 20 Uhr und vom 27.2.2015, sowie Bericht aus Berlin vom 1.3.2015 

Sehr geehrter Herr Herres,

was in der 20-Uhr-Tagesschau am Freitag 20.3.2015 über das EU-Gipfeltreffen mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras vom Vorabend „berichtet“ wurde entsprach nicht den journalistischen Mindeststandards an Objektivität und Korrektheit. Fast alles an dem Bericht war entweder falsch oder sehr einseitig dargestellt. Der erste Satz war noch korrekt und neutral. Tsipras wolle in den nächsten Tagen seine Reformpläne vorlegen. Dann fing es direkt an abzugleiten….

Ich möchte darauf hinweisen, dass derart tendenziöse bis falsche Berichterstattung keine einmalige Entgleisung ist, sondern in der Berichterstattung zu Griechenland immer wieder vorkommt, etwa bei der Berichterstattung in der Tagesschau nach der Abstimmung im Bundestag am 27.2. zur Eurogruppenvereinbarung…

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Die Beschwerde ist – wie alle von uns verlinkten oder dokumentierten Beschwerden – fundiert und konkret. Da gibt es keine Ausreden, Ausflüchte oder Widerrede – da ist eine Entschuldigung, Klarstellung und eine Erklärung fällig, wie man von Seiten der ARD so etwas in Zukunft verhindern will.

Doch was antwortet die ARD? Schau doch einfach eine andere Sendung! Wenn dir die Berichterstattung in tagesschau, tagesthemen oder Bericht aus Berlin nicht passt, wir hätten da auch noch nette Dokus im Programm!

Der ARD-Programmdirektor ließ mir eine äußerst bemerkenswerte Antwort auf meine Programmbeschwerde gegen zwei zuschauertäuschende Ausgaben der Tagesschau und einen Bericht aus Berlin zukommen. Ich hatte moniert, dass es entgegen den Vorgaben von §10 des Rundfunkstaatsvertrags in einer Reihe von Aussagen an Faktentreue und Neutralität, sowie an der Trennung von Nachricht und (beleidigendem) Kommentar gefehlt hatte und dass die Darstellungen eine übertriebene Nähe zur Sichtweise der deutschen Bundesregierung und der Brüsseler Bürokratie aufweisen. Die Leiterin der Zuschauerredaktion versicherte mir daraufhin im Auftrag von ARD-Programmdirektor Volker Herres, die Journalisten des Ersten Deutschen Fernsehens hätten „selbstverständlich nicht die Absicht, Griechenland und dessen Politiker in schlechtes Licht zu rücken.“

Sie versucht allerdings nicht darzulegen, ja sie behauptet nicht einmal, dass die Darstellungen in den beiden monierten Tagesschauen und im Bericht aus Berlin den journalistischen Sorgfaltspflichten öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen genügt hätten, sondern verweist auf die bereits gesendete Dokumentation „Die Spur der Troika – Macht ohne Kontrolle“ und eine noch zu sendende Talkshow von Sandra Maischberger, die offenbar alles was es an Einseitigkeit und Falschdarstellung in den Hauptnachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Sachen Griechenland gegeben hat, ausgleichen können. Diese Antwort finde ich äußerst bemerkenswert.

Implizit geht daraus hervor, dass die ARD es in Ordnung findet, in der Tagesschau falsch und einseitig zu berichten und im Bericht aus Berlin ohne Kennzeichnung als Kommentar Mitglieder anderer EU-Regierungen zu beleidigen, solange es auch andere Sendungen gibt, wo die Fakten korrekt dargestellt und Meinungen als solche gekennzeichnet sind.  Kundigen Lesern bin ich für Hinweise auf die  wirkungsvollste Reaktion hierauf – abseits der Veröffentlichung –dankbar. Zwar ist die Antwort der ARD ausgesprochen erhellend, doch war der Programmdirektor möglicherweise nicht der richtige Adressat einer förmlichen Programmbeschwerde. Ob ich mich an einen Rundfunkrat oder eine Landesmedienanstalt wenden kann und muss, und an welche(n), ist mir bisher nicht klar geworden.

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Falls die Ständige Publikumskonferenz sich des Falles noch nicht angenommen hat – und widererwarten noch über Luft und Nerven für groteske Korrespondenzen dieser Art verfügt – könnte die geschätze Maren, dem Herrn Häring vielleicht ein bisschen unter die Arme greifen. Wir werden hier in den nächsten Tagen dann eine kurze Anleitung veröffentlichen, wie man den bornierten Herren und Damen von ARD und ZDF mal ein bisschen Feuer unterm Hintern macht. Je mehr Leser sich dann an den Programmbeschwerden beteiligen, desto besser. Schließlich ist das immer noch unser Land, das hier für dumm verkauft werden soll.