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Es dürften Zahlen sein, die unter Meinungsmachern besonders aufmerksam studiert werden: Der Medienvielfaltsmonitor der Landesmedienanstalten (pdf) verzeichnet einen wachsenden Einfluss des Web auf die Meinungsbildung und Verluste der herkömmlichen Propagandawerkzeuge TV und Print. Lediglich der Hörfunk konnte leicht zulegen, wurde aber bereits vom Web überholt. Eine Gewichtungsstudie zur Relevanz der Medien (pdf) offenbart, dass besonders jüngere und höher gebildete Medienkonsumenten das Internet als Medium favorisieren.

Absolute Zahlen:

Die Entwicklung der letzten 5 Jahre:

Mit der Diversifizierung der Medien ist jedoch nicht zwangsläufig eine Diversifizierung der Quellen verbunden, denn die staatlichen und privaten, US-treuen Propagandakonzerne sind selbstverständlich auch im Web aktiv und besetzen auch dort die Meinungsführerschaft. Dass die Landesmedienanstalten von einer „Angebotsvielfalt“ (siehe folgende Grafik) sprechen ist ein schlechter Witz. Jede noch so oberflächliche oder tiefschürfende Studie zu den Inhalten würde die Meinungsgleichschaltung des Angebots offenbaren.

Wie die Gewichtungsstudie zur Relevanz der Medien offenbart, sinkt die Bedeutung der reinen Konsummedien (TV, Radio, Print) mit wachsendem Bildungsgrad und es steigt die Bedeutung des Web – eines „Mitmachmediums“.

Dieser Eindruck verstärkt sich beim Blick auf die Gruppe der 14-29-Jährigen, die die Zukunft der Mediennutzer repräsentieren. Sie informieren sich überdurchschnittlich in sozialen Netzwerken und auf Blogs:

Meinungsmonitor4

Fazit:
Wenig Überraschendes, aber dennoch ein Lichtblick für die Zukunft. Gleichgeschaltete Propaganda und Meinungsmache werden es zunehmend schwieriger haben, Bürger wie eine Viehherde zu lenken und zu manipulieren. Der Trend zum Mitmachmedium zeugt vom Anspruch auf informelle Teilhabe, diversifizierender Meinungsbildung und Mitbestimmung. Die Generation der TV- und Print-Absorbenten wird in 10 Jahren eine Minderheit sein und in 20-30 Jahren ausgestorben. Dass die heutige Herrschaft die Meinungshoheit kampflos aufgeben wird, ist natürlich nicht zu erwarten. Längst wird mit Formaten wie den „Krautreporter“ getestet, wie man das neue Medium vereinnahmen kann. Die Erfinder und Lenker des Web arbeiten bereits gezielt an Methoden zur Meinungssteuerung und werden uns in Zukunft nicht nur mit Armeen von Trollen, sondern mit komplett gesteuerten Plattformen beglücken. Ihre Methoden werden aber prinzipiell jenen der Printmedien ähnlich sein: sie werden sich mit interessanten und scheinbar kritischen Informationsangeboten einen guten Leumund erarbeiten, um dann die Herde im entscheidenden Moment in die richtige Richtung lenken zu können.

Inwieweit ihnen dieses gelinkt dürfte spannend werden.