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wdr2Die ÖR dürfen nicht zum Staatsfunk werden, so das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgericht. Wäre es nach Richter Andreas Paulus gegangen, wären alle Politiker aus den Aufsichtsgremien entfernt worden. Diese vernünftige Meinung konnte sich leider nicht durchsetzen, sodass ihm nur eine schriftliche Fixierung seiner abweichenden Meinung blieb, die in den deutschen Medien geflissentlich totgeschwiegen wurde. Nach wie vor sitzen deshalb Politiker in Rundfunkräten, was die vermeintliche Kontrollfunktion der Medien auf den Kopf stellt. Nicht sie kontrollieren die Herrschaft, sondern die Herrschaft kontrolliert die Medien.

Das ganze Ausmaß dieser staatsnahen Propaganda kann hier nur ansatzweise dokumentiert werden. Ein neues Beispiel der Berufsauffassung des WDR, als Verkündungs- und Presseorgan des Staates, liefert der Sender WDR2 in seinen stündlichen Nachrichten. Dort wird über das brutale Zusammenknüppeln von Studentenprotesten in Myanmar berichtet. Dabei ist nicht das Zusammenknüppeln der Proteste selbst der Aufmacher, sondern die heuchlerische Verurteilung dieser Vorgänge durch die EU und USA. Hüben wie drüben werden bekanntlich regelmäßig Demonstrationen zusammengeknüppelt, von den Straßen gekärchert, vorzeitig aufgelöst oder gleich von vorneherein verboten.

WDR2-Nachrichten 11.3.2015 10.00 Uhr:

Sprecher: „Die EU und die USA haben die staatlichen Kräfte in Myanmar scharf kritisiert. Hunderte Polizisten hatten gestern Studentenproteste in dem süd-ost-asiatischen Land gewaltsam aufgelöst. Sie prügelten mit Schlagstöcken auf die Demonstranten ein und hinderten Sanitäter daran, Verletzte ins Krankenhaus zu bringen. Mehr als einhundert Menschen sollen festgenommen und viele weitere verletzt worden sein. Lena Bodewein

Lena Bodewein: „Ein Marsch der demonstrierenden Studenten durch das Land für eine freie akademische Bildung war in der Stadt Letpadan seit fast zwei Wochen blockiert worden. Gestern hatte sich die angespannte Atmosphäre zwischen Demonstranten und Polizisten gewaltsam entladen. Die Regierung gibt den Studenten die Schuld an einer Provokation, doch Bilder und Berichte aus Letpadan zeigen, wie eine große Übermacht der Sicherheitskräfte auf die Protestierenden einschlägt. Auch Mönche, die sich dem Protest angeschlossen hatten und Journalisten sollen verletzt worden sein.“

Dass Bundespräsident Gauck dieses Regime, das u.a. homosexuelle Handlungen mit 10 Jahren Knast bedroht, als Gallionsfigur einer deutschen Wirtschaftsdelegation unter der Führung von Bertelsmann im letzten Jahr just zu dem Zeitpunkt mit seiner Aufwartung beehrte, als deutsche Sportler in Sotschi um Medaillen kämpften, hat der WDR vorsichtshalber vergessen. Der Staatsfunk hat ja selbst seinerzeit mit einer konzertierten Lügenkampagne die Olympischen Spiele in Russland mit Dreck überschüttet und dabei Lügen über eine angebliche staatliche Verfolgung Homosexueller in die Welt gesetzt.

Gaucks Missbrauch des Amtes des Bundespräsidenten als Escortboy für Bertelsmann und deutsche Wirtschaftsoligarchen war in deutschen Staatsmedien damals nur dahingehend Thema, dass man hübsche Fotos und rührselige Geschichten über die Begegnung mit der Oppositionellen Aung San Suu Kyi verbreitete und Gauck als salbadernden Menschenrechtler verkaufte. Die gleiche verlogene staatliche Propaganda erleben wir aktuell angesichts der Kumpanei Gabriels mit saudischen Menschenschindern: der arme Mann ist in einer Zwickmühle und schlägt sich doch ganz tapfer zwischen Protz und Blut.

So geriert sich der WDR auch heute weiter als Pressesprecher des Präsidialamtes und verliest lieber das aktuelle Besuchsprogramm des Bundespräsidenten, als seine Kumpanei mit Wirtschaftsoligarchen und Militärdiktaturen zu hinterfragen. Aus der gleichen Nachrichtensendung des WDR:

WDR2-Nachrichten 11.3.2015 10.00 Uhr:

Sprecher: „Bundespräsident Gauck kommt heute ins Sauerland. Er besucht in Arnsberg mehrere generationenübergreifende Projekte. Gauck will sich stärker mit den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft befassen. Deshalb informiert er sich in einem Wohnprojekt, wie Senioren möglichst lange selbstbestimmt leben können. Er spricht mit jungen Menschen, die regelmäßig Ältere in Heimen und Krankenhäusern besuchen und er lässt sich von einer Bäckereibesitzerin erklären, wie sie ihre Mitarbeiter im Umgang mit dementen Kunden schulen lässt.“

So viel für heute vom „Radio Schloss Bellevue“ aus Köln. Warum der Staatsfunk WDR glaubt, er könne für diese „Information“, die man sich kostenfrei als Newsletter direkt vom Präsidialamt zuschicken lassen kann, Geld verlangen, bleibt ein Rätsel. Wer, wie ARD und ZDF, für Gauck PR macht, soll sich auch vom Präsidialamt dafür bezahlen lassen.