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wdr2Die russischen Sicherheitsbehörden stehen fraglos unter massivem Druck Täter zu präsentieren. Der Mord an Nemzow – so sehen es nicht nur die russischen Behörden, sondern jeder halbwegs informierte und klar denkende Beobachter – ist auch ein Angriff auf den russischen Staat und könnte diesen nicht nur destabilisieren, er könnte sogar zu diesem Zweck durchgeführt worden sein. Dass dieser Druck den Ermittlungen nicht unbedingt zuträglich ist, liegt auf der Hand.

Heute präsentiert der FSB zwei Verdächtige aus dem Kaukasus. Es ist zwar plausibel, dass man angesichts heutiger Überwachungsmethoden (öffentliche und private Kameras – insbesondere Dash-Cams) zu schnellen Erkenntnissen kommt, aber es ist auch zu befürchten, dass der Druck, Verdächtige zu liefern, saubere und akribische Polizeiarbeit überlagert.

Aus propagandistischer Sicht ist interessant, wie die deutschen Staatsmedien – die den Mord seit einer Woche gegen Putin instrumentalisieren – auf diese Meldung reagieren würden. Erwartungsgemäß liegt der Fokus der Meldung nicht auf der Nachricht selbst und den Erkenntnissen der Ermittler, sondern einmal mehr wird oppositionelle Propaganda verbreitet.

Der Wortlaut in den WDR2-Nachrichten um 11.00 Uhr:

Sprecher: „Im Mordfall des Kremlkritikers Boris Nemzow hat die russische Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes sagte im Fernsehen, die beiden Männer seien gefasst, sie hätten ihren Wohnsitz im Kaukasus. Präsident Putin sei informiert worden. Aus Moskau: Markus Sambale“

Sambale: „Die Hintergründe des Mordes am Oppositionspolitiker Nemzow sind eine Woche nach der Tat unklar. Nemzow war in der Nähe des Kremls durch Schüsse in den Rücken getötet worden. Seine Freunde vermuten, dass er wegen seiner Kritik an Präsident Putin umgebracht wurde und auch weil er Veröffentlichungen zur Rolle Russlands im Ukraine-Konflikt geplant habe. Es gehe um Dokumente, die den Einsatz russischer Truppen in der Ostukraine beweisen sollen. Die russische Führung hat jegliche Verwicklung in das Attentat zurück gewiesen. Präsident Putin hatte Nemzows Tod eine schändliche Tragödie genannt. Der Mord an Nemzow hatte weltweit Erschütterung ausgelöst. Unter anderem der Deutsche Bundestag fordert eine rasche und unabhängige Aufklärung.“

Bemerkt? Sambale sitzt angeblich in Moskau, hat aber keinerlei Informationen zur Verhaftung und nutzt die Gelegenheit einmal mehr, um Verschwörungstheorien der russischen Opposition in die Köpfe der Hörer zu hämmern und zu suggerieren, es würde nicht ordentlich ermittelt, anstatt über die aktuelle Entwicklung zu informieren.