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ndr_logoDas NDR-Magazin ZAPP ist hier nicht zum ersten Mal Thema. Vermeintlich kritisch gegenüber den deutschen Medien, dient es im Medienzirkus vornehmlich dazu, medienkritische Zuschauer einzufangen und wieder auf Linie zu bringen. Wer die allzu primitive staatstragende Propaganda durchschaut, der kann ZAPP einschalten und findet dort dem Anschein nach kritischen Journalismus. Der ist allerdings nicht weniger staatstragend und ideologisch gefestigt, als der „Journalismus“ eines Uli Deppendorf oder Claus Kleber, er kommt nur etwas selbstkritisch daher, um die Abtrünnigen bei der Stange zu halten.

Es ist wie bei einem geschickten Autoverkäufer, der zwar 90% seines Umsatzes mit Käufern macht, für die Farbe und Finanzierung kaufentscheidend sind, der sich aber auch die 10% kritischen Käufer nicht entgehen lässt, die unter die Motorhaube zu schauen pflegen. Da heißt es dann: „Oh, ich sehe, sie kennen sich aus! Sie haben recht, der Verbrauch ist etwas üppig, aber – unter uns – der Wagen von der Konkurrenz verbraucht noch mehr und bei uns bekommen sie Alufelgen zum halben Preis!“

Die Ausputzer von ZAPP haben wieder einmal mit dem Finger auf die russischen Medien gezeigt. Aktueller Anlass ist der Mord an Boris Nemzow und ZAPP meint, in russischen Medien einen Kampf um die Deutungshoheit ausgemacht zu haben. Na sowas! Dass der sich von der gleichgeschalteten deutschen Propaganda immerhin dadurch unterscheidet, dass man in Russland mehrere unterschiedliche Thesen diskutiert, fällt den Agitatoren nicht positiv auf – im Gegenteil. Sie mühen sie sich einmal mehr bis zum Fremdschämen, die russischen Medien als staatlich gelenkt darzustellen.

Wer die deutschen Medien verfolgt hat, weiß, wie schon in den ersten Meldungen Dummschwätzer wie Jörg Eigendorf wussten, dass es der „Kremlherr“ war, der Nemzow hat umbringen lassen – mindestens aber für das Motiv und den Hass hinter der Tat verantwortlich ist. Man muss schon eine besonders ignorante Maulhure des staatsnahen NDR sein, um in Abrede zu stellen, dass es sich bei dieser „These“ um Propaganda handelt. Dieses eine Narrativ, „Putin war’s“, das bei näherer Betrachtung unsinnig ist, durchzieht seitdem die gleichgeschaltete Propaganda deutscher Medien, wie ein Hausschwamm befallenes Mauerwerk.

Ganz anders russische Medien. Dort dominiert vielleicht die plausible und staatstragende Theorie eines Mordes mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren, es werden aber – auch von den Ermittlern – mehrere Spuren (Islamisten, Ukraine, Nationalisten) in Betracht gezogen – so, wie man es von einer vielfältigen Meinungslandschaft und unvoreingenommenen Ermittlungsbehörden auch erwarten würde. Dass die Theorie „Putin war’s“ dort so wenig in Betracht gezogen wird, wie bei deutschen Ermittlern und Medien die Theorie, dass der sogenannte Verfassungsschutz eine Truppe von Nazis benutzt hat, um reihenweise Ausländer zu ermorden, sollte niemanden verwundern.

Immerhin hat man in Moskau einen leitenden Ermittler beauftragt, dessen Spezialgebiet nationalistische Kreise sind – ein klares Zeichen, dass man die Möglichkeit, dass es sich um einen Mord „im Sinne des Staates“ handelt, durchaus ernst nimmt. In Deutschland kam man auch nach einer jahrelangen Serie von 10 Morden an Migranten mit der selben Waffe nicht auf die Idee, einen Experten für rechtsextremistische Gruppen mit den Ermittlungen zu beauftragen. So viel zum „Rechtsstaat“ Deutschland und den aktuellen Vorgängen in  Russland.

Das Magazin ZAPP macht sich also komplett zum Affen, wenn man mit eigenen schmutzig-braunen Fingern auf Russland zeigt, um dort vermeintlichen Unrat zu monieren. Mehr noch: man entlarvt damit die eigene, oben geschilderte Rolle im gleichgeschalteten System deutscher Staatsmedien. Wenn die Autoren Mareike Aden und Caroline Ebner, die von mit Staatsgewalt abgepressten Zwangsgebühren leben, sich nicht entblöden, mit Blick auf Russland von staatsnahen Medien zu faseln, dann möchte man sich mit Grausen abwenden, angesichts dieser peinlichen Ignoranz und Doppelmoral:

„Während in Moskau die Opposition und viele Bürger nach dem Mord an Boris Nemzow noch im Schock verharren, sind die politische Klasse und die staatsnahen Medien dabei, die Deutungshoheit über die Tat zu erobern. Den Wortlaut hat bereits wenige Stunden nach dem Attentat der Sprecher von Präsident Putin ausgegeben: Es sei eine Provokation, um das Land zu destabilisieren.“

Zapp_Nemzow3„Schnell springen die Medien auf, Dmitrij Kiseljow, Chef der mächtigen, staatlichen Medienholding „Rossija Segodnja“ ätzt in seiner Sendung „Vesti nedeli“ schon einen Tag später, dass der Westen den lebenden Oppositionspolitiker Nemzow schon nicht mehr brauchte. Tot sei er nun sehr viel interessanter. Und in Russland habe er sowieso niemanden gestört.“ (LINK)

Hat man keine demagogische Intentionen und betrachtet Kiseljovs These nüchtern und objektiv, dann ist klar, dass sie allemal glaubwürdiger und realitätsnäher ist, als der in deutschen Medien verbreitete Quatsch vom „Mord im Auftrag Putins“. Ein Mord am Vorabend einer geplanten Demonstration gegen die Regierung, an einem der Organisatoren der Demo, dient natürlich primär all jenen, die die Regierung destabilisieren wollen. Man stelle sich vor, die AfD würde Zehntausende in Berlin versammeln können und Organisator Lucke läge einen Tag vor der Demo tot in der Nähe des Kanzleramts – professionell hingerichtet. Selbstverständlich würden hierzulande von der Opposition Geheimdienstkreise verantwortlich gemacht und es gäbe ohne jeden Zweifel eine massive Staatskrise.

Besonders hanebüchen und geradezu idiotisch ist die aus den Äusserungen Kisslejovs abgeleitete, nun folgende Behauptung:

„Damit wird fortgeführt, was Beobachter und Journalisten schon seit einigen Jahren in Russlands Medien beobachten, eine zunehmende Hatz auf oppositionelle und andersdenkende Kräfte und Personen.“

Die objektiv völlig richtige Feststellung Kiseljovs, dass Nemzow politisch weitestgehend unbedeutend war, ist also „Hatz auf oppositionelle und andersdenkende Kräfte und Personen.“? Man muss schon ideologisch ziemlich verbohrt sein, um diesem kruden Gedanken Stringenz zuzugestehen. Was Hatz tatsächlich ist, davon kann ein Claus Weselsky ein Lied singen, dessen Wohnhaus oder Telefonnummern in deutschen Hetzmedien publiziert wurden. Dass es derlei ungeschminkte Aufrufe zu Straftaten in russischen Medien gegeben hätte, ist hingegen nicht bekannt – ZAPP hätte uns garantiert darüber informiert. Stattdessen verblöden die einfältigen Autorinnen die Zuschauer mit demagogischem Unsinn.

„Vaterlandsverräter“, „5. Kolonne des Westens“, „Bandit“ – die russischen Staatsmedien sind nicht zimperlich in der Wortwahl, geht es um die Charakterisierung von Regimekritikern. Im Staatsfernsehen haben kritische Stimmen schon lange keine gewichtige Sendezeit mehr erhalten. Für viele Russen aber ist das die erste und – je ländlicher sie leben – oft auch die einzige relevante Informationsquelle. Berichtet wird über Oppositionelle oft unflätig, immer einseitig. So sendete der staatsnahe Sender NTV den zweiteiligen „Dokumentarfilm“ „Anatomie des Protestes“, in dem die Autoren nachweisen wollten, dass die Regimekritiker allesamt aus dem Ausland gesteuert seien.

„Verschwörungstheoretiker“, „Neurechte“, „Anti-Demokraten“, etc. Die Parolen in deutschen Staats- und Konzernmedien unterscheiden sich in ihrer Schärfe um keinen Deut, von dem, was laut ZAPP in Russland verbreitet wird. Kritische Stimmen kommen auch hierzulande nicht in den Staatsmedien vor, werden aus ihnen entfernt oder nehmen von sich aus den Hut, wie die Beispiele Eva Hermann, Ken Jebsen oder Ulrich Tilgner zeigen – um nur kritische Journalisten zu nennen. Wie systemkritische Politiker von AfD bis LINKE in den Medien regelmäßig abgehandelt werden, muss man hier nicht ausführlich darlegen – man kann es täglich beobachten.

Dass die Regimekritiker „allesamt“ aus dem Ausland gesteuert seien, hat wohl selbst diese Dokumentation nicht behauptet. Es ist aber eine mehr als geläufige Propagandastrategie, Behauptungen der Gegenseite bis ins Groteske zu überspitzen, um sie dann als unglaubwürdig zu brandmarken, um den wahren Kern dieser Behauptung damit ebenfalls unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Selbstverständlich ist nicht die gesamte Opposition aus dem Ausland gesteuert, aber ein Teil ist es und es sind auch staatlich finanzierte deutsche Stiftungen, die die Opposition in Russland genauso anstacheln, wie sie das in der Ukraine getan haben – mit bekanntem Ergebnis.

Falsch und widersprüchlich ist der dann folgende Absatz:

„Nur in den Zeitungen, im Hörfunk und online finden kritische Stimmen noch Gehör. So zum Beispiel im Radio „Echo Moskvy“, der allerdings auch nur ein Moskauer Feigenblatt der Meinungsvielfalt ist, denn auch dieser Sender gehört „Gazprom-Media.“ Dort gab Boris Nemzow noch am Freitagabend – wenige Stunden vor seiner Ermordung – ein Interview und ging darin mit Putins Politik vor allem in Bezug auf die Ukraine scharf ins Gericht.“

Er beginnt mit einer Lüge, denn es gibt zumindest nach wie vor den alles andere als staatlichen oder staatsnahen Sender „Doschd“, dessen Redakteurin auch bei Putins über 3-stündiger Mammut-Pressekonferenz kürzlich mit ihren Fragen zu Wort kam. Welche „reichstagskritischen“ TV-Sender gibt es denn in Deutschland?

Die ZAPP-Agitatorinnen Mareike Aden und Caroline Ebner schrecken also auch vor frecher Lüge nicht zurück. Aber betrachten wir den darauf folgenden Unsinn. Da darf also der angeblich unterdrückte Oppositionelle Nemzow in einem von Gazprom finanzierten Sender mit Putin „hart ins Gericht“ gehen, sicherlich für seine geplante Demo gegen Putin werben und die ZAPP-Maulhuren wollen damit  ihren Blödsinn von der staatlichen Propaganda belegen.

Viel kruder noch, als der dümmliche Artikel auf der Webseite, ist das Machwerk, das ZAPP im Fernsehen ausstrahlte. Dort kommt DLF-Hetzerin Dornblüth zu Wort und vertritt dort allen ernstes die These, dass die vielen unterschiedlichen, von Medien und Ermittlern verfolgten Mordthesen, dazu dienen, die russischen Bürger zu verwirren!

 

Zapp_Nemzow1Sprecherin:Und auch der Sprecher der Staatsanwaltschaft nennt am nächsten Tag die Provokation zur Destabilisierung der politischen Lage als Hauptthese, neben einigen anderen. Vom Islamischen Staat, über eine Privatfehde, bis hin zur Ukraine reichen die Theorien. In Talkshows wird vor allem die ukrainische Spur ausgebreitet, schließlich sei Nemzows Freundin Ukrainerin und er habe mit der Maidan-Bewegung sympathisiert. Im Staatsfernsehen laufen all diese Thesen rauf und runter.“

Angesichts einer ukrainischen Begleiterin mit Amnesie, die in einer entscheidenden Frage als Lügnerin in Verdacht geraten ist, ist es kein Wunder, dass deren Hintergründe und die ukrainische Spur im Fokus der Medien ist – aber all das wird in deutschen Staatsmedien verschwiegen. Nun kommt die DLF-Schwätzerin Dornblüth zu Wort:

Zapp_Nemzow2Dornblüth: „Wenn diese völlig unterschiedlichen Theorien verbreitet werden – auch teilweise völlig abstruse – führt das im Endeffekt bei den Zuschauern dazu, dass sie an überhaupt gar keine Wahrheit mehr glauben und alles für möglich halten – auch die abstrusesten Theorien.“

Nochmal zur Erinnerung: Es gibt noch gar keine „Wahrheit“! Bisher gibt es tatsächlich nur Theorien und in den russischen Medien werden – wie sich das für vielfältige Medien gehört – alle möglichen Theorien erörtert, diskutiert und beleuchtet. Die erbärmliche Dummschwätzerin Dornblüth will daraus agitatorische Hetze gegen Russland stricken. Wie bescheuert kann man eigentlich sein?

Was wir hier vorgesetzt bekommen ist das, was wir in Anlehnung an Catch22, Catch23 genannt haben: Es ist völlig egal, was in Russland passiert, es ist egal, was Putin macht, es wird von der deutschen Propaganda gegen Russland bzw. gegen Putin gedreht. Würden sich die Ermittler auf eine einzige Spur beschränken, gäbe es einen Aufschrei: „Einseitige Ermittlungen!“. Ermitteln sie aber in alle Richtungen, dann krakeelen die bezahlten Maulhuren in deutschen Medien: „Vorsätzliche Verwirrung der Zuschauer!“

Und was sagt das über deutsche Pseudo-Journalisten? Warum wurden in Deutschland nicht alle möglichen Theorien nach spätestens 3 Morden an Ausländern mit der immer gleichen Waffe diskutiert? Für Dornblüth und die Autorinnen des ZAPP-Teams wäre das sicherlich „verwirrend“. Wer aber nicht nur agitatorische Intentionen im Sinn hat, dem dürfte klar sein, dass eine öffentliche Diskussion der Ceska-Morde sehr schnell in die richtige Richtung gewiesen hätte – zumal, wenn man in diesem ach so demokratischen und liberalen Deutschland auch Ausländern, Opfern der Attentate, erlaubt hätte, öffentlich in den Staatsmedien ihre Meinung zu sagen.

Zapp_Nemzow4Es geht auf diesem so primitiven, wie agitatorischen Stil weiter. Wer ein bisschen informiert ist, weiss, dass Putin schon vor Jahren vor einem False-Flag-Mord als Fanal vor einer vom Westen inszenierten „Farbenrevolution“ gewarnt hatte. Das ist nicht nur stichhaltig, sondern bekannte westliche Geopolitik und Terrorstrategie. Von den ZAPP-Agitatorinnen wird diese Warnung natürlich wieder zur Hetze Putins gegen die Opposition verdreht.

Gewürzt wird das jetzt schon ungenießbare Machwerk durch nicht-staatliche, aber Putin-treue Propaganda. Gerade so, als würden Merkel- oder CDU-Groupies hierzulande – oder generell Regierungsanhänger auch in westlichen Gesellschaften – nicht gegen die Opposition hetzen. Natürlich könnte man sofort massenhaft Polemik und auch Hasstiraden gegen Linke und Rechte im Netz zusammenklauben, um es dann Merkel anzuhängen, aber man müsste schon ein beschränkter ZAPP-Demagoge sein, um in rein propagandistischer Absicht solch schmierige Methoden anzuwenden.

FAZIT:

Es wird einmal mehr alles gegen Russland gedreht, was sich irgendwie mit genug bösartiger Absicht und mangelnder journalistischer Ethik gegen Russland drehen lässt. ZAPP zeigt sich einmal mehr als primitives Propagandainstrument eines Staatsfunks, der ganz auf westlicher Linie genau die Art Propaganda betreibt, die man krampfhaft Russland unterstellen will. Das geht aber schon auf dem ersten flüchtigen Blick massiv nach hinten los. Das wiederum ist ein Zeichen, dass die Verzweiflung – angesichts des Vertrauensverlustes der Bürger in die deutschen Medien – ziemlich groß sein muss.