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ard_logoARD tagesschau 1.3.2015 20.00 Uhr

Golineh Atai berichtet am Sonntag aus Moskau über die Demonstration anlässlich des Mordes an Boris Nemzow. Sie nutzt dabei wieder einmal nahezu alle sattsam bekannten Propagandamethoden: Doppelmoral, Verzerrung, Verschweigen, Vereinnahmung der Opposition, Verengung der Berichterstattung auf den politisch gewünschten Fokus, etc.

Propaganda_tötet

»PROPAGANDA TÖTET«

Wird in deutschen Medien über eine Pro-Putin-Demo berichtet, wird stets der hohe Organisationsgrad in den Vordergrund gerückt. Neue Flaggen oder Banner werden skandalisiert, extremistische Meinungen in den Vordergrund gerückt oder unbewiesene und absurde Behauptungen von Zwang oder Bezahlung der Demonstranten in die Kamera geraunt. Russische Nationalisten sind gefährliches Übel – US-Nationalisten sind sympathische Folklore.

In Atais Propaganda über die Nemzow-Demo weisen massenhaft identische neue Fahnen selbstverständlich nicht auf einen hohen Organisationsgrad und damit auf finanzkräftige Förderer der Demo hin, sondern darauf, „dass die Demonstranten zeigen wollen, wer die wahren Patrioten sind.“ Auch massenhaft identische Plakate, wie sie wiedermal von vielen Demonstranten gezeigt werden, weil sie offensichtlich nicht selbst erstellt, sondern von Organisatoren verteilt wurden, erwecken keinen Argwohn, sondern ihr Inhalt wird sich von Atai – die wie eine Pressesprecherin der russischen Opposition agiert – mehr oder weniger offen zu eigen gemacht.

Die von deutschen Bürgern mit Zwangsgebühren finanzierte Golineh Atai, die laut Rundfunkstaatsvertrag den Auftrag hat, objektiv und unvoreingenommen zu berichten, dient hier einmal mehr als politische Agitatorin und Brandstifterin, wie wir das noch gut vom Kiewer Maidan in Erinnerung haben.

Besonders bemerkenswert ist ein Slogan, den die Organisatoren der Demo verteilt haben, um den Nemzow-Mord in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Er lautet: „Propaganda tötet“ und wird ausgerechnet von der ARD-Propagandistin Golineh Atai nur allzu gerne vereinnahmt.

Die politische Botschaft hinter dem Slogan lautet: russische Medien haben gegen Nemzow oder allgemein gegen Putin-Kritiker gehetzt und die Täter hätten ihn wegen dieser Hetze ermordet. Das ist natürlich eine vollkommen unbewiesene These und wird sich auch erst dann verifizieren lassen, wenn die Täter gefasst sind. Bereits jetzt kann man aber vermuten, dass der Mord ganz andere Gründe hat, denn er wurde allem Anschein nach nicht auf aufgehetzte oder emotionalisierte Art durchgeführt – wie wir das etwa vom Anschlag auf Rudi Dutschke infolge der Springer-Hetze kennen – sondern er wurde wie es aussieht sehr genau geplant und eiskalt ausgeführt.

Ob also Propaganda Nemzow tötete, ist mehr als ungewiss. In einem Medienkrieg, um die Deutung der Vorgänge in der Ukraine, passt die Diffamierung der russischen Medien der deutschen Agitatorin Atai aber nur allzu gut ins Konzept:

Atai (ab 2:00min): „Propaganda tötet. Während die Teilnehmer, die – so wörtlich – „enthemmte Staatspropaganda“ für den Mord am Kremlkritiker mitverantwortlich machen, konzentrieren sich die Ermittler auf islamistische oder ukrainische Drahtzieher.“

Natürlich sind es nicht „die Teilnehmer“, also alle Demonstranten, die die russischen Medien für den Mord verantwortlich machen, sondern nur einzelne, aber diese Form der Verallgemeinerung ist Standardrepertoire in Atais Propaganda. Schon auf dem Maidan kannte sie nur „die Ukrainer“, die alle gegen Janukowitsch waren, alle in die EU wollten, etc. Diese Desinformation über die vorhandene innere politische Spaltung der Ukraine, kann als mitverantwortlich für den späteren Krieg angesehen werden.

Tatsache ist: so lange die Tat ungeklärt ist, so lange wird dieses Plakat im Zusammenhang mit dem Nemzow-Mord nur eine von vielen Thesen in einem Einzelfall bleiben. Ob russischen Medien damit eine Mitschuld an einem einzelnen Mordfall zukommt, ist also bislang völlig unklar. Nichtsdestotrotz greifen wir hier in diesem Blog, der die Propaganda im Namen trägt, die These von der medialen Verantwortung – die sich Atai hier gerade zu eigen gemacht hat – gerne auf und prüfen sie auf ihre generelle Bedeutung und ihre Bedeutung für Hetzer wie Atai.

Kann Propaganda töten?

Diese Frage muss man grundsätzlich und uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten. Es ist sogar geradezu Aufgabe einer speziellen Form der Propaganda, der Kriegspropaganda, das Töten möglich zu machen und zu erleichtern. Kriegspropaganda dient der Mobilisierung von Menschen und Ressourcen gegen einen Feind, der entweder tatsächlich eine Bedrohung darstellt oder aus politischen Gründen zum Feind erklärt wurde, um Herrschaftsinteressen durchzusetzen.

In einem seltenen Moment der Wahrheit, in dem die Bedeutung der Propaganda spürbar wurde, sagte ZDF-Nahost-Korrespondent Stephan Hallmann am 19.7.2014 in den „heute“-Nachrichten auf die Frage Matthias Fornoffs, wie lange Israels „Militäraktion“ im Gaza-Streifen noch dauern könne:

Hallmann: … viel hängt natürlich auch ab vom Druck der Weltöffentlichkeit auf Israel. Der wird zunehmen, bei zunehmender Zahl von Opfern unter der Zivilbevölkerung in Gaza.“

 

Diese „Weltöffentlichkeit“ sind wir, die Bürger der westlichen Staaten, die mit gleichgeschalteter transatlantischer Propaganda manipuliert werden, damit wir Kriege und Terror des Westens überhaupt erst zulassen. Aufgabe der Medien ist es, die Bürger so zu manipulieren, dass westliche Kriege gegen Staaten wie den Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, der Krieg Israels gegen die Palästinenser oder auch der Krieg der Kiewer Junta gegen die Bürger der Ostukraine geführt werden können, ohne dass Tausende hierzulande auf die Straßen gehen und dagegen protestieren oder die Regierung anderweitig unter Druck setzen.

Ohne die Propaganda, Hetze und Desinformation der transatlantisch gleichgeschalteten Medien wären diese Kriege nicht führbar, denn die Bürger würden bei wahrheitsgemäßer Berichterstattung zu Tausenden gegen das Morden protestieren, so wie sie das zu Zeiten des Vietnamkriegs – der aus Sicht der US-Kriegstreiber an der heimatlichen Propagandafront verloren wurde – getan haben.

Propaganda tötet also tatsächlich und zwar täglich

Wir, die westliche Öffentlichkeit, wurden ganz gezielt vor dem Irakkrieg belogen, aufgehetzt und manipuliert, um einen völkerrechtswidrigen Krieg mitzutragen, dem Millionen zum Opfer fielen, weil sie ihr Obdach verloren, ihre Gesundheit, Freunde oder Verwandte oder gar ihr eigenes Leben. Ein Land wurde verheert, die Überlebenden traumatisiert und radikalisiert.

Die ganzen Auswirkungen dieses Verbrechens am irakischen Volk waren noch nicht annähernd abzuschätzen, da haben die USA schon die nächsten Kriege in Libyen und in Syrien angezettelt – sekundiert von einer Propaganda und Hetze in deutschen Medien, die Gaddafi und Assad als Schlächter und Despoten darstellten. Heute jammern die gleichen Hetzer, die diese Kriege propagandistisch vorbereitet und begleitet haben, in den gleichen Medien darüber, dass diese Länder jetzt verwüstet sind und Tausende Flüchtlinge oder auch fanatisierte Kämpfer hierher kommen, um diesen Krieg auf unsere Straßen zu tragen.

Es gibt keinen ernsthaften Zweifel: Propaganda tötet! Aber es waren nicht russische Medien, die die Kriege im Irak, Syrien, Libyen oder der Ukraine befeuert haben. Es sind westliche Medien. Es sind ARD und ZDF, SPIEGEL und Springer, Bertelsmann, Burda, Holtzbrinck, etc. die in Deutschland die Kriegshetze und Propaganda betreiben, die das Morden erst möglich machen.

Ob russische Medien für den Tod des Boris Nemzow mitverantwortlich sind, ist also mehr als fraglich. Dass aber Golineh Atai – die sich im Fall Nemzow die These von der medialen Verantwortung nur allzu gerne zu eigen macht – und ihre Kollegen von ARD und ZDF, von Spiegel bis ZEIT, für hundertausendfachen Massenmord, für millionenfache Vertreibungen und Flüchtlingselend, für Verheerungen ganzer Länder und die Traumatisierungen und Radikalisierungen von Millionen Menschen mitverantwortlich sind, das ist längst keine These mehr, das ist eine objektive Tatsache!

Golineh Atai hat mit ihrer Propaganda und Desinformation nicht nur den militanten Putsch in Kiew freundlich unterstützt, sie hat den Krieg der Kiewer Junta gegen die Bürger der Ostukraine von Beginn an gerechtfertigt und gefordert.

Atai_Militär_OstukraineAtai am 4.5.2014 im Presseclub: Diese Militäroffensive kommt leider viel zu spät und geht relativ ziellos vor. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, wo man nicht mehr so recht unterscheiden kann, zwischen pro-russischen Milizen und Zivilbevölkerung.“

Würde man die von den Kriegstreibern und Mördern der NATO immer wieder angeführte These der „Schutzverantwortung“ (R2P) tatsächlich ernst nehmen, würde man – wie sie es tun – Mord rechtfertigen, um angeblich anderen Mord zu verhindern, würde man diese falsche und menschenverachtende These auf diejenigen anwenden, die diese Kriege und Verheerungen publizistisch vorbereiten und politisch durchsetzbar machen, man müsste diese Kriegshetzer ihrer eigenen Logik folgend totschlagen, um noch größeres Unheil zu verhindern.

Wer dumm, skrupellos und menschenverachtend ist, wie Golineh Atai und ihre kriegshetzenden Kollegen in den Staats- und Konzernmedien, wird diese Tatsache entweder verdrängen oder negieren. Sie werden russische Medien weiter unbewiesen für einen einzelnen Mord anklagen, während sie selbst für Massenmord, Vertreibungen und millionenfaches Elend verantwortlich sind. Sie trösten sich mit Preisen und vergewissern sich gegenseitig der eigenen Unschuld und Gutmenschlichkeit, denn sie wollen ja nur Frieden und Demokratie verbreiten – diese Täter.

Kommentare, die sich die NATO-Doktrin zu eigen machen, die Gewalt rechtfertigen oder fordern, werden hier gelöscht. Wer Militanz und Gewalt rechtfertigen oder sähen möchte, sollte sich bei ARD und ZDF, Bertelsmann, Spiegel, Springer, Burda oder Holtzbrinck bewerben!