Schlagwörter

, , , ,

FDP? Die gibts noch? Das dürfte die Einschätzung der Mehrheit der Bürger über die neoliberale Mövenpick-Partei sein. Dass der Neoliberalismus in den Medienkonzernen zuhause ist, dass diese für die Zeit nach der GroKo einen alternativen Koalitionspartner für ihre CDU brauchen, dürfte jedem klar sein. Zwar dienen sich mittlerweile auch olivgrüne Konservative als Koalitionspartner an, aber so richtig schöne Klientelpolitik wie unter Schwarz-Gelb dürfte mit denen schwierig werden.

Dabei sind in 2 Wochen Wahlen in Hamburg. Die FDP kämpft mit der 5%-Hürde und wird von ihren Freunden kräftig nach oben geschrieben.

LindnerMit welchen Methoden dabei gearbeitet wird, zeigt ein angeblicher „viraler Hit“ des FDP-Konkursverwalters Christian Lindner. Der hatte sich am Donnerstag im NRW-Landtag über einen SPD-Zwischenruf künstlich empört, was aber niemand wirklich zur Kenntnis nehmen wollte. Noch zwei Tage später hatte das von der FDP bei youtube eingestellte Video mit 1312 nicht mehr Klicks, als andere Lindner-Videos:

FDP_Lindner

Das muss sich ändern!, dachten sich die PR-Strategen und Springers WELT war so freundlich, aus dem Mauerblümchen zumindest ansatzweise einen viralen Hit zu machen. Wie? Ganz einfach! Indem man im eigenen Medium zu gegebener Zeit an prominenter Stelle behauptet, dass es sich um einen viralen Hit handelt und eine Nachricht konstruiert, die dann dank der Klickzahlen der WELT dem bisher von der Öffentlichkeit verschmähten Video genau die Aufmerksamkeit beschert, die den PR-Strategen vorschwebte.

Zwei Tage später, am Samstag, erscheint der PR-Artikel in der WELT:

FDP_Lindner_Welt

Natürlich kann zu diesem Zeitpunkt von einem „viralen Hit“ keine Rede sein, wie die PR-Agentin Ehrenstein behauptet, aber dieser und ein weiterer PR-Artikel im nicht minder FDP-nahen STERN, sorgen dafür, dass das FDP-Video auf youtube bis heute immerhin auf fast 70.000 Klicks kommt. Die von der WELT selbst an diesem Tag bei youtube hochgeladene Version des Videos, schafft es sogar auf fast 200.000 Klicks. Kunststück! Ein viraler Hit ist zwar immer noch etwas anderes, aber die Werbekampagne hat der FDP zumindest ein bisschen Aufmerksamkeit gebracht.

Begleitet wird die Kampagne von einer Lobhudelei des Stellvertretenden Chefredakteurs der WELT Ulf Poschardt und einer nicht minder PR-mäßigen „Analyse“ eines ganz offensichtlich FDP-nahen „Experten für non-verbale Kommunikation“ Dirk W. Eilert. Schaut man sich Eilerts Twitter-Profil an – genau genommen, wem er denn so folgt – findet sich an erster Stelle wer? Genau: Christian Lindner. Überraschung!

FDP_Lindner_Eilert

Um die Kampagne abzurunden weiß die WELT weiter: „FDP-Prominenz „gibt alles“ im Wahlkampf-Endspurt“. Auch dieser Teil der PR-Kampagne stammt vom gestrigen Montag.

Dass das als Journalismus unter den Pöbel gestreute Marketing für die Hamburgwahl ausreicht, darf bezweifelt werden. Aber es wird vermutlich nicht die letzte PR-Kampagne der FDP-Unterstützer vor der Wahl gewesen sein.