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Von einem „Versagen“ der Sicherheitsbehörden ist in den staatsnahen Mainstreammedien zu lesen, wenn es um die NSU-Mordserie geht. Versagen unterstellt aber guten Willen und unbeabsichtigtes Scheitern. Dass Vieles auf staatliche Mittäterschaft schließen lässt, mindestens aber rassistische Ressentiments und Ausländerfeindlichkeit innerhalb der Behörden entlarvt, wird von den meisten Mainstreammedien entweder nicht thematisiert oder in Abrede gestellt. Dieser vorauseilende Gehorsam und verengte Blickwinkel zeugt nicht von einer freien Presse, sondern verweist auf Staatsnähe und politischer Agenda.

Die Rolle der Medien im NSU-Komplex hat die Otto-Brenner-Stiftung jetzt untersucht und in einer Studie veröffentlicht. Ihr Fazit: Versagen auf ganzer Linie:

OBS_NSU_MedienversagenDer bittere Befund des Autorenteams Fabian Virchow, Tanja Thomas und Elke Grittmann lautet: Bis auf wenige Ausnahmen folgten sehr große Teile der medialen Berichterstattung der Logik und den Deutungsmustern der Ermittlungsbehörden. Medien haben mit zur Ausgrenzung der Opfer beigetragen, Angehörige stigmatisiert und sich teilweise selbst mit „umfangreichen Spekulationen“ an der Tätersuche beteiligt. Die Studie kommt laut OBS-Geschäftsführer Legrand zu dem Ergebnis, „dass nicht nur die staatlichen Behörden 10 Jahre lang in die falsche Richtung ermittelt haben, sondern auch Medien ein Jahrzehnt lang diese Deutungsmuster und Mutmaßungen nicht konsequent hinterfragt und unkritisch übernommen haben“. (LINK)

Auch die Staatsmedien haben sich aktiv an der Unterdrückung der Äusserungen der Opfer beteiligt, wenn diese ausländerfeindliche Täter hinter den Morden vermuteten:

Mit Blick auf die von Gamze Kubaşık, der Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubaşık, stets vertretene These eines neonazistischen Tathintergrundes beklagt Christian Fuchs: „Aber wo waren unsere Mikrofone und offenen Ohren, die Gamze Kubaşıks Meinung an die Öffentlichkeit transportiert haben? Wir haben sie und all die anderen Angehörigen der Opfer der Mordserie meist gar nicht gefragt. Und als doch einmal ein WDR-Reporter Gamze Kubaşık stundenlang interviewte, wurde ihre Vermutung einer ausländerfeindlichen Tat – die sie in jedem Interview wiederholte – später rausgeschnitten und nicht gesendet. (PDF. S.58)

Die Studie bestätigt den Eindruck einer systemimmanenten Gleichschaltung (auch wenn das so natürlich nicht gesagt wird) und eines mangelnden journalistischen Ethos. Die Journalisten der MSM marschieren bequem im Gleichschritt und propagieren die Sicht der Staatsorgane, statt diese zu kontrollieren, wie es Aufgabe unabhängiger Medien wäre. Unterm Strich ist sie ein weiterer großer Puzzlestein, der sich nahtlos in das Gesamtbild einer staatsnahen, gleichgeschalteten Medienlandschaft einfügt.

Dank an Schluckauf für den Hinweis an den Propaganda-Melder!