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wdr5Hin und wieder zeigt sich die Janusköpfigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unmittelbar in zwei direkt aufeinander folgenden Sendungen. Etwa dann, wenn von Wagner, Uthoff und ihre Mitstreiter in einer Ausgabe der „Anstalt“ die einseitige Propaganda hinterfragen, die gerade zuvor erst im heute-journal eines Claus Kleber unters Volk gebracht wurde. Der böse Witz ist, dass aufklärerische Formate wie die „Anstalt“ unter Politsatire firmieren, während transatlantische Agitation und Desinformation im „heute-journal“ als seriöse Nachrichten verkauft werden.

Diese Janusköpfigkeit zeigt sich aber auch regelmäßig im WDR, wenn dort am Sonntag Morgen exzellent recherchierte Reportagen und Features gesendet und direkt im Anschluss in „Frühschoppen“ oder „Presseclub“ staatliche Propaganda der primitivsten Sorte verbreitet wird. Genau das war auch heute wieder zu beobachten. Nach einem journalistisch und handwerklich exzellentem Feature von Peter Kreysler über das derzeit hinter verschlossenen Türen geplante TTIP-Abkommen zwischen US- und EU-Wirtschaftseliten, folgte eine knappe Stunde einseitige Meinungsmache im sogenannten „Internationalen Frühschoppen“.

Dieser „Frühschoppen“ ist so international, wie die ISAF-Truppen in Afghanistan und so informativ und ausgewogen wie ein CSU-Stammtisch. Schon die heutige Besetzung, des Berlin, Brüssel und letztlich Washington ergebenen staatlichen Stammtisches, ließ Schlimmes erahnen. Der WDR veröffentlichte übrigens auf seiner Webseite eine falsche – vermutlich später geänderte – Gästeliste. Michael Lüders war nicht in der Sendung. Die richtige Gästeliste findet sich hier bei Phoenix.

  • Zum x-ten Mal war Sylke Tempel zu Gast, Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“, eines lupenreinen Propagandablatts der transatlantischen DGAP. Die angloamerikanischen Hintergründe von Tempels Blatt werden in den deutschen Staatsmedien – selbstverständlich auch vor dieser Sendung – regelmäßig totgeschwiegen, damit der Zuschauer/Zuhörer bloß nicht ahnt, auf wessen Lohnliste Tempel agitiert.
  • Alison Smale, ist Korrespondentin der staatsnahen „New York Times“ und vertritt die obligatorische, offen sichtbare US-Position – wogegen der Rest der Gäste in der Regel zwar transatlantisch eingebunden/bezahlt ist, diese US-Hörigkeit dem Publikum aber – wie im Falle Tempels – nicht offen dargelegt wird
  • Andrey Gurkov wird als russischer Journalist der „Deutschen Welle“ vorgestellt. Der unbedarfte Zuschauer soll hier Ausgewogenheit mutmaßen. Davon ist die Sendung allerdings weit entfernt. Gurkov ist zwar russisch-stämmiger Journalist, aber auf deutscher Lohnliste, stramm auf westlicher Welle und gern gesehener – und sicherlich gut bezahlter – Redner bei der „Konrad-Adenauer-Stiftung“
  • Elisabeth Cadot ist französische Journalistin und der Leser ahnt es: ebenfalls auf der Lohnliste der Deutschen Propaganda-Welle – seit 30 Jahren. Das allerdings wird in der Vorstellung von Moderator Hirz kurzerhand verschwiegen.
  • Auch der fünfte Gast der heutigen Sendung, Georgios Pappas, stand schon auf der Lohnliste von „Deutscher Welle“ und Konrad-Adenauer-Stiftung und  rundet damit das Bild des einseitigen Propaganda-Stammtischs ab

So informativ, kritisch und ausgewogen das Feature über TTIP eine Stunde zuvor, so einseitig, staatsnah und manipulativ war der sogenannte Frühschoppen. Angesichts der Gästeliste und eines Moderators, der nahtlos als Merkels Pressesprecher agieren könnte, wird das niemanden wundern.

frühschoppen_04.01.2015

Nachhören kann man sich den transatlantischen Stammtisch durch einen Klick auf das obige Bild oder im Audio-Podcast. Wer Informationen, Fakten und kritischen Diskurs erwartet, sollte sich das allerdings ersparen. Dass die Sendung hier thematisiert wird, liegt einzig und allein im grellen Kontrast zwischen exzellenter journalistischer Arbeit eine Stunde zuvor und billiger, einseitiger Propaganda, wie sie in diesen beiden aufeinanderfolgenden Sendungen deutlich wird.

Was wir hier so deutlich kontrastierend sehen, sind die zwei möglichen Gesichter eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks:

Information vs Manipulation

Rund um dieses Spannungsfeld tobt der mediale Kampf. Die Väter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben den Gestaltern dieses Mediums Information und Bildungsauftrag ins Stammbuch geschrieben – nicht Manipulation. Gerade weil die Deutschen von gleichgeschalteten Staatsmedien in Rassenwahn und Krieg getrieben wurden, kam der Neuordnung der Medien nach dem Krieg eine herausragende Bedeutung zu.

Heute erleben wir einen neuen Kampf um Köpfe und Deutungshoheit. Informative Features wie das des weitestgehend unabhängigen Journalisten Peter Kreysler zeigen, was im positiven Sinne möglich ist. Agitatorische Sendungen wie der „Frühschoppen“ zeigen die hässliche Fratze eines Staatsfunks, der Bürger nicht informieren, sondern manipulieren will und sich dabei gekaufter Journalisten bedient.

Das Eigeninteresse aufgeklärter, mündiger Bürger und Demokraten muss es sein, sich für einen Rundfunk zu engagieren, der sie so objektiv, unvoreingenommen und umfassend informiert, wie es in den Rundfunkstaatsverträgen gefordert ist. Wer die ÖR in Bausch und Bogen ablehnt, arbeitet an seiner eigenen Entmündigung, denn er wird mit reinen Staats- und Konzernmedien aufwachen, die auch ausschließlich Staats- und Konzerninteressen vertreten und ihre Aufgabe darin sehen, Bürger nicht zu informieren, sondern im Interesse dieser wirtschaftlichen Eliten zu manipulieren.