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Die Schweizer TagesWoche tat das, was man von einem seriösen Medium erwarten würde, wenn seine Glaubwürdigkeit massiv angeschlagen ist: sie öffnete sich dem medienkritischen Diskurs und forderte die Leser auf, ihre Ansichten zu fünf vorformulierten Thesen darzulegen.

These 1: Wer nicht zweifelt, ist unglaubwürdig
These 2: Medien üben den Konsens
These 3: Verschwörungstheorien füllen Lücken in der Berichterstattung
These 4: Zweifler finden sich im Netz und bestärken sich gegenseitig
These 5: Transparenz verstärkt paradoxerweise das Misstrauen

Das Frappierende, das Entlarvende an diesem Vorgang ist, dass er so singulär und abseits vom Mainstream stattfindet, dass allein die hehre Intention die angeblich so renommierten Medien in Schamesröte versinken lassen müsste. Anstatt den Lesern ein vergleichbares Angebot viel früher unterbreitet zu haben, verfingen und verfangen sich die gleichgeschalteten Medien in Deutschland in Diffamierungen und Zensur, vertiefen damit den Graben zwischen sich und den Konsumenten und bestätigen damit indirekt die gegen sie erhobenen Vorwürfe.

TageswochePutinversteher, Putins Trolle, Linksextreme, Rechtsextreme, Verschwörungstheoretiker, etc.: die Diffamierungen gegen all jene, die der politischen Berichterstattung kritisch und mit wachem Verstand gegenüberstehen ziehen sich durch die gleichgeschalteten Staats- und Konzernmedien. Hinter dieser ersten Verteidigungslinie der Diffamierung lauert die zweite, flexible Response der Meinungsdiktatoren: die gnadenlose Zensur, die in der kompletten Abschaltung sämtlicher Kommentare in den einschlägigen Themenbereichen gipfelt. Den Lesern das Maul zu stopfen, ist die unmissverständliche Antwort argumentativ überforderter Agitatoren, denen es eben nicht um journalistische Aufklärung, sondern ganz gezielt um politische Manipulation und Meinungsmache geht.

Dass die TagesWoche allein dadurch, dass sie Leser zu Wort kommen lässt, eine journalistische Sternstunde liefert, die in einer offenen Gesellschaft der Normalzustand sein sollte, kontrastiert so erbarmungslos wie erhellend, mit dem journalistischen Offenbarungseid der Mainstreammedien, dass es an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden muss. Auch wenn die Quantität der Rückmeldungen auf den Aufruf durchaus überschaubar ist, die Qualität und Differenziertheit der Meinungen ist bemerkenswert. Dass hierüber nicht in den so bornierten wie qualitativ unterirdischen deutschen „Leitmedien“ berichtet wird, sondern mit TELEPOLIS in einem der wenigen weitestgehend unabhängigen journalistischen Portale, wundert wohl niemanden.