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zdfZDF heute-journal 03.12.2014

Der Kern von Propaganda ist Lüge. Lüge in unterschiedlichsten Formen: Verschweigen von Wahrheit, Verzerren der Wahrheit oder das Erfinden von unwahren „Wahrheiten“. Wie jeder Lügner, verstrickt sich auch die Propaganda in ihren eigenen Lügengespinsten, wenn man ihr auf den Zahn fühlt. Eine unabdingbare und immanente Eigenschaft von Propaganda ist dabei die Doppelmoral. Feindbilder werden kreiert, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die oftmals exakt dem entsprechen, was an den Antagonisten heuchlerisch kritisiert wird.

Am Mittwoch präsentierte das ZDF im heute-journal (ab 4:35m) wieder einmal ein frappierendes Beispiel für Doppelmoral und Heuchelei.

zdf_3.12.14_IS_US1Marietta Slomka: „Es wird ein langer Kampf, aber es gibt erste Erfolge. So lässt sich das Treffen der Anti-IS-Allianz heute in Brüssel zusammenfassen. Es trafen sich die Vertreter der rund 60 Staaten, die sich dem Bündnis gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ angeschlossen haben. Die Amerikaner hatten dafür ins NATO-Hauptquartier eingeladen. Da nahmen dann also auch Minister aus Irak, Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien Platz, die dort normalerweise keinen Zutritt hätten…“

Der arglose Zuschauer wird sagen: gut so, gegen diese Kopfabschneider muss etwas unternommen werden! Und er hat damit nicht Unrecht. Nur ist das Bombardieren von Kopfabschneidern alles andere als zielführend, sondern vielmehr die Ursache UND Rechtfertigung für diejenigen, die da gerade mit aller Gewalt ihren eigenen Staat aufbauen. Tatsächlich berufen sich die islamistischen Krieger u.a. auf die Verbrechen des Westens und können zu Recht darauf verweisen, dass der Terror der USA in der gesamten Region um keinen Deut besser ist, als das eigene Morden.

Was den meisten arglosen Konsumenten dagegen kaum aufgefallen sein dürfte, ist die Tatsache, dass dort allen ernstes Saudi-Arabien als Teil einer Koalition aufgezählt wurde, die sich gegen den IS wendet. Saudi-Arabien! Die Inkarnation eines existierenden Islamischen Staates reaktionärster und menschenverachtenster Sorte. Hort der öffentlichen Enthauptungen, der Sklaverei, Frauenunterdrückung und Förderer von al-Kaida, al-nusra und des IS in Syrien und dem Irak. Dieses Saudi-Arabien sitzt am Tisch der NATO in Brüssel und wird als Vertreter des westlichen „Humanismus“ präsentiert, den die NATO bekanntlich weltweit zu verteidigen vorgibt.

zdf_3.12.14_IS_USStefan Leifert (übersetzt US-Außenminister Kerry): „Unsere Koalition sammelt nicht den Hass, sondern den Mut eine Zukunft aufzubauen, die in gemeinsamen Interessen, geteilten Werten und dem Vertrauen zueinander gründet. Dieser Unterschied markiert die Trennungslinie zwischen Barbarei und Zivilisation.“

Geht es eigentlich noch verlogener? Ist mehr Doppelmoral überhaupt denkbar? Nicht nur, dass die USA mit ihrer verbrecherischen Kolonialpolitik diese Barbarei überhaupt erst möglich gemacht haben und weiterhin am Kochen halten, sie holen sich auch noch ganz schamlos ihre Freunde aus Saudi-Arabien an den Tisch, um gemeinsam mit ihnen den „Kampf gegen Barbarei“ auszurufen. Und der Staatssender ZDF berichtet darüber, als sei dieser groteske Vorgang auch nur ansatzweise vernünftig oder in sich schlüssig. Kein einziger Journalist der gleichgeschalteten deutschen Propagandamedien kommt auf die Idee, diesen irrwitzigen Vorgang nachdrücklich zu hinterfragen. Immerhin erkennt Frau Slomka am Ende des Berichts:

zdf_3.12.14_IS_US2„Angesichts Alliierter wie (achselzuck) Saudi-Arabien, darf man allerdings schon die Frage stellen, ob es hier tatsächlich um gemeinsame Werte geht, die verteidigt werden. Bei Menschenrechten und Demokratie dürften sich die Gemeinsamkeiten da jawohl in Grenzen halten.“

„… darf man die Frage stellen?“ Nein, man darf diese Frage nicht stellen, man muss sie stellen und man muss als Journalist auch nach Antworten suchen, die diese Frage zufriedenstellend beantworten! Das ist die Aufgabe von Journalismus. Aber wer – wie Marietta Slomka – schon entschuldigend anführen muss, dass er diese Frage überhaupt stellen darf, der zeigt, dass er in seinem Denken und journalistischen Handeln alles andere als frei und unabhängig ist. Wer so redet, der hat Angst, die Wahrheit auch nur zu erfahren, geschweige denn, sie öffentlich zu verbreiten.