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ardARD tagesthemen 03.12.2014

Der gestrige tagesthemen-Bericht über die – zumindest – Mitverantwortung der Ukraine für den Abschuss von MH17 war gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Er gibt Aufschluss über das Selbstverständnis sogenannter Journalisten in den öffentlich-rechtlichen Anstalten, über ihre unkritischen Nähe zu deutschen Geheimdiensten und ihre verzweifelten Versuche, die politisch vorgegebenen Propagandanarrative so lange es geht am Leben zu halten.

Da Angehörige eines deutschen Opfers mittlerweile Klage wegen des nicht gesperrten Luftraums gegen die Ukraine vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht haben, sind die ÖR gezwungen, über diesen für sie unangenehmen Aspekt der Katastrophe zu berichten. Wie sie versuchen, das im Hinblick auf ihre politische Desinformation hinzubiegen, wollen wir hier beleuchten. Zunächst die Einleitung zum Bericht von Miosga:

tagesthemen_03.12.2014MIOSGA: „Fast 5 Monate ist es jetzt her, dass das Passagierflugzeug MH17 über der Ostukraine abstürzte. Die Wrackteile der Maschine liegen heute nicht mehr an der Absturzstelle, sondern sie sind endlich geborgen worden und werden in diesen Tagen in die Niederlande gebracht.“

Dass das Wrack mehr oder weniger komplett geborgen wurde, wie hier behauptet wird, ist schlicht und einfach falsch. Tatsächlich wurden nicht einmal alle größeren Teile des Wracks geborgen. Wie das russische Fernsehen berichtete, liegen noch einige im Absturzgebiet. Darunter Teile, die MH17_Wrackteileeindeutige Spuren des Beschusses aufweisen und somit für die forensische Analyse wichtig wären. Wer sich den Bericht des Pervy-Kanal auf youtube in höchster Auflösung anschaut und zu Sekunde 51 springt, erkennt rechts oben eine auf den ersten Blick kreisrunde Durchstanzung des Wrackteils, die – wie viele ähnliche Löcher – auf einen Beschuss durch eine Bordkanone hindeutet und nicht auf das Eindringen unregelmäßig zerfetzter Schrapnell-Splitter.

Miosga: „Dort sollen sie untersucht werden, denn noch immer ist nicht geklärt, wer für den Tod der 298 Menschen an Bord verantwortlich ist. Nach deutschen Geheimdienstinformationen sollen pro-russische Separatisten die Maschine abgeschossen haben. Aber trägt auch die Ukraine zumindest einen Teil der Verantwortung? Nach Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung gibt es jetzt schwere Vorwürfe gegen die ukrainische Flugsicherung.“

Wie gewohnt agiert Miosga mehr als Pressesprecherin deutscher Geheimdienste, denn als Journalistin. Mit der ausschließlichen Erwähnung der – durch nichts belegten, aber politisch motivierten – Behauptung des BND und dem Verschweigen anderslautender Informationen und Meinungen, die durchaus mit Fakten begründet sind, erweist sich Miosga als schamlose Propagandisten. Die scheinbar arglose Frage: „Aber trägt auch die Ukraine zumindest einen Teil der Verantwortung?“ soll die durch nichts belegten Behauptungen des BND als erwiesene Fakten erscheinen lassen. Motto: Dass die Separatisten es waren ist also klar, aber vielleicht hat ja Kiew doch ein bisschen Mitschuld.

Propaganda und Unwahrheiten dann auch im folgenden Bericht, der so tut, als wäre der Vorwurf gegen Kiew, den Luftraum nicht gesperrt zu haben, vollkommen neu:

Hötte/von Osten: „Aber es gibt erstmals auch schwere Vorwürfe gegen die ukrainische Luftfahrtbehörde. Sie trage eine Mitverantwortung am Tod der 298 Passagiere.“

Tatsächlich ist dieser Vorwurf alles andere als neu. Er wurde nur in der vorsätzlich verzerrten Berichterstattung von ARD und ZDF aus politischen Gründen weitestgehend ignoriert. Auch, dass kurz zuvor eine ukrainische Militärmaschine vom Typ Antonov mit SAM-Raketen abgeschossen wurde, ist alles andere als neu, wie der Bericht der tagesthemen suggerieren möchte. Hier sei nur auf die Nachdenkseiten verwiesen, wo Jens Berger schon am Tag nach dem Absturz von MH17 auf diesen skandalösen Umstand hinwies:

Jens Berger: Gestern wurde nahe der ostukrainischen Stadt Donezk eine Boeing 777 der Malaysia Airlines abgeschossen. 295 Menschen fanden den Tod. Noch ist es zu früh, um über Hintergründe zu spekulieren – dafür ist die Nachrichtenlage viel zu unübersichtlich. Es mehren sich jedoch Anhaltspunkte, nach denen die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre. Offenbar hat MH 17 das Kriegsgebiet direkt überflogen, um Kosten zu sparen. Und Malaysia Airlines ist dabei weiß Gott kein Einzelfall. Wenige Minuten vor dem Abschuss von MH 17, überflog auch eine Lufthansamaschine auf der Route München-Dehli die Region….“

Die Pseudo-Journalisten von der ARD gestern in den tagesthemen:

Hötte/von Osten: „Zusammen hängt das mit diesem fast vergessenen Vorfall: Am 14. Juli – drei Tage vor dem Abschuss der MH17 – wurde diese Antonov-Transportmaschine der ukrainischen Armee über der Ostukraine abgeschossen. Sie flog auf einer Höhe von 6500m und genau das hätte für die Ukraine der Grund sein müssen, den Luftraum in dieser Region sofort komplett zu sperren, sagt ein Militärexperte.“

Unfreiwillig entlarvend ist die folgende Darstellung der sogenannten Journalisten:

Hötte/von Osten: „Gemeinsam mit holländischen Investigativ-Journalisten von Argos finden wir heraus, dass es in dem Bericht einen Satz zur Sperrung des Luftraumes nach dem Antonov-Abschuss gab. Doch in der Endfassung war der Satz plötzlich gestrichen.“

Ja hält man es denn für möglich? Da haben „Investigativ-Journalisten“ zwei Dokumente verglichen und herausgefunden, dass ein Satz gestrichen wurde. Respekt! Die unfreiwillige und selbstentlarvende Komik beginnt schon am Satzanfang, wenn von „Investigativ-Journalisten“ die Rede ist. Da fragt man sich doch gleich: was ist denn der Unterschied zwischen einem Investigativ-Journalisten und einem Nicht-Investigativ-Journalisten? Ersterer ist vermutlich ein Journalist, der seinen Job macht, sprich Informationen zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Nur was ist Letzterer? Offenbar sowas wie Miosga, Hötte und von Osten: Jemand der keine Informationen recherchiert und den Bürgern zur Verfügung stellt, sondern jemand der Informationen filtert, verzerrt, verfälscht und mit politischer Intention Informationen zu Propaganda deformiert. Schön, dass diese Leute zumindest den Unterschied zwischen sich und echten Journalisten erahnen. Dass sie so tun, als wäre es eine Sensation, wenn richtige Journalisten ihren Job machen, ist nichts anders, als ein selbsterteiltes Armutszeugnis.