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Gestern am späten Abend – genauer gesagt um 23:50 Uhr – habe ich einen Lichtblick beim ZDF erlebt. Bisher waren ja nur wenige mutig genug, die Schieflage der Berichterstattung in den Deutschen Mainstream-Medien öffentlich in ARD oder ZDF anzuprangern. Abgesehen von der Kabarettisten-Truppe rund um Urban Priol kam bisher erschreckend wenig. Und ausgerechnet in einer philosophischen Sendung so viel Medienschelte und das von einem Journalisten. Dass ich das noch erleben durfte …

ZDF Precht

Anlaß der Sendung waren die Äußerungen unseres Bundespräsidenten auf der Münchener Sicherheitskonferenz, die danach sehr kontrovers diskutiert wurden.

Gastgeber war der in meinen Augen ein wenig zu narzisstische und manchmal nur schwer zu ertragende Richard David Precht. Sein Gast: Jakob Augstein. Journalist und Chefredakteur der Zeitung „der Freitag“. Augstein kritisierte die Berichterstattung in den Mainstream-Medien deutlich, war aber aus meiner Sicht selber nicht ganz doktrin- und propagandafrei. Interessant war z. B. wie er den Einwand Prechts bezüglich Israel einfach „wegbügelte“ und (nahezu) gar nicht auf das Thema einging. Precht: „Unsere Politik gegenüber Israel ist immer noch gekennzeichnet aufgrund unserer historischen Schuld.“ Worauf Augstein mit einer Plattitüde konterte: „Das soll so ja auch bleiben.“ Mehr war von Augstein zu diesem Thema nicht zu erfahren. Erstaunlicher umso mehr, als man Augstein noch vor kurzem Antisemitismus vorgeworfen hatte. Warum Precht da nicht nachgehakt hat bleibt für mich ein Rätsel. Ausgewogener Journalismus hätte sich auch mit diesem Thema kritisch auseinanderzusetzen müssen! Auch war der vehemente Einsatz Augsteins für ein gemeinsames Vorgehen im Europäischen Staatenbund aus meiner Sicht recht suspekt. Der Verdacht drängt sich mir auf, dass auch Augstein nicht ganz unvoreingenommen ist.

Auch diese Sendung hat einmal mehr gezeigt, dass medienkritische Blogs sehr wohl eine Daseinsberechtigung haben und diese fernab von politischer Agitation einen guten Job machen. Blogbetreiber, die bestrebt sind, den Menschen in diesem Land die Augen bezüglich der unverfrorenen Propaganda-Berichterstattung (egal ob TV oder Printmedien) zu öffnen, leisten für die Demokratie in unserem Land mehr, als die, die es eigentlich sollten: Politiker und Medien …

Es lohnt sich aus meiner Sicht, sich diese Sendung in voller Länge anzuschauen – auch wenn es an manchen Stellen etwas langatmig und schwer erträglich wird, vor allem, wenn Precht sich als Philosoph profilieren möchte.

Precht

Anzuschauen ist die Sendung hier.