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Eine Frage des Vertrauens

Warum stehen die Medien unter Generalverdacht?

Nun gibt es in Deutschland Qualitätsmedien, die uns komplexe Sachverhalte richtig und unvoreingenommen erklären wollen. Doch das Vertrauen in die Leitmedien wie etwa den „Spiegel“, die „FAZ“, die „Süddeutsche Zeitung“ sowie ARD und ZDF scheint erschüttert. In Netz-Foren machen Leser und Zuschauer ihrem Unmut Luft über die aktuelle Berichterstattung. Echte und vermeintliche Fehler werden auch schon mal als Beleg für einen Masterplan der Medien interpretiert, die Bevölkerung bewusst hinters Licht zu führen. Es gibt Buchautoren, die verbreiten entsprechende Verschwörungstheorien und erklimmen die Bestsellerlisten. Die Kritiker bilden aber keineswegs eine homogene Gruppe. Sie eint jedoch der Vertrauensverlust in die Medien. Wir stellen die Vertrauensfrage. (LINK)

Dazu muss man erst einmal klarstellen, dass es nicht DIE Medien sind, die unter Generalverdacht stehen, sondern die gleichgeschalteten Mainstreammedien inklusive der Öffentlich-Rechtlichen. Die sogenannten Leitmedien also, die allesamt mit transatlantischen Netzwerkern in den Führungspositionen besetzt sind und erwiesenermaßen US-hörige NATO- und Hofberichterstattung betreiben, anstatt kritischen Journalismus, dessen Aufgabe die Kontrolle der Mächtigen (Regierung, EU, NATO, Wirtschaftseliten,…) wäre.

Diese Medien stehen auch nicht unter Generalverdacht, sondern sie betreiben erwiesenermaßen politische Propaganda – oder wie Tom Buhrow das nennt: „westliche Position verteidigen“. Kann sich ein Journalist – der Intendant des WDR – eigentlich deutlicher offenbaren?

Von „vermeintlichen Fehlern“ kann schon lange keine Rede mehr sein. Vielmehr haben wir es mit einer systematischen Desinformation zu tun, deren sogenannte „Fehler“ merkwürdigerweise immer genau auf der politischen Agenda der NATO-Aggressoren liegen. Wer angesichts dessen, was hier und andernorts dokumentiert ist, noch von vermeintlichen Fehlern spricht, lügt vorsätzlich, will sich dumm stellen oder ist tatsächlich dumm.

Dass hier auf die Sendung im WDR morgen hingewiesen wird, hat einen besonderen Grund und das ist die Tatsache, dass Stefan Niggemeier dort als Gast eingeladen wurde. Niggemeier kann man noch als Schnittstelle zwischen Mainstream und Blogosphäre ansehen. Und diese Schnittstellen sind – auch angesichts der Wagenburg, in der sich die ertappten Propagandisten einigeln – ziemlich selten und auch deshalb durchaus wichtig.

Es wäre sehr naiv, zu glauben, dass Sendungen wie „Funkhaus Wallraffplatz“ dazu angelegt sind, vorgetragene Kritik als Anlaß zur Besserung zu nehmen. Die transatlantischen Netzwerker werden das Machtinstrument, das sie in den Händen haben, nicht einfach altruistisch reformieren. Es geht ihnen ausschließlich darum, die Zuschauer, Hörer und Leser bei der Stange zu halten – ihnen zu suggerieren, sie hätten eine Stimme, die gehört würde. Tatsächlich wird die Kommunikation auch zukünftig weiter nur in eine Richtung laufen, denn es geht ihnen nicht um Information, sondern um Manipulation. Die Stimmen der Rezipienten sind dabei weitestgehend irrelevant, da die politischen Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen wurden und auch in Zukunft weiter getroffen werden sollen. Nur wenn sie anfangen, laut aufzuheulen, dann müssen sie irgendwie wieder eingefangen werden – dazu dient diese Sendung.

Niggemeier weiß natürlich genau, dass er auf einem Drahtseil laviert. Schon seine Rezension über Ulfkottes Buch hatte eindeutig Schlagseite. Die Kritik am Buch war berechtigt, stichhaltig und sehr gut, aber die Würdigung der authentischen Einblicke in ein korruptes System, die Ulfkotte ja tatsächlich liefert, war so gut wie nicht vorhanden. Auch wegen sehr verdächtiger Lobeshymnen aus Kreisen der Mainstreammedien müssen die Krautreportern erst noch beweisen, ob sie eher auf Seiten der Bürger oder doch auf der Seite der Macht stehen.

Es wird also spannend, wie Niggemeier sich morgen in der Sendung positioniert. Als kritischer Journalist, der sich auch nicht scheut, den Mist im Augias-Stall beim Namen zu nennen oder als Beschwichtiger, der im Sinne des Mainstreams den Aufruhr besänftigen will.

Dank an T. Schlessinger für den Hinweis an den Propaganda-Melder!

Kurzkritik zur Sendung:

Das Einschalten hat sich in jedem Fall gelohnt. Die Sendung war so kontrovers, wie der gesamte aktuelle Diskurs und man muss Stefan Niggemeier ausdrücklich dafür loben, wie er die Kritikpunkte an der Berichterstattung der ÖR präzise auf den Punkt gebracht hat.

Die ÖR sind Konfliktpartei – und mit ihnen die gleichgeschalteten Leitmedien von SPIEGEL bis ZEIT. DAS ist der politisch brisante Kern aller Kritik. Aus dieser schamlosen und gefährlichen Parteinahme speist sich sowohl der (zutreffende) Eindruck der Gleichschaltung, als auch die Empörung der medienkritischen Öffentlichkeit. Wir sind die Guten – die Anderen sind die Bösen. Mit dieser simplen Formel – mit der die Bush-Administration die USA in einen verbrecherischen Krieg gezogen hat – werden wir derzeit wieder in Deutschland manipuliert und es ist gut zu wissen, dass es hier eine beachtliche Zahl an Bürgern gibt, die sich nicht so plump in die ideologischen Schützengräben führen lassen.

Zu Recht beschreibt Niggemeier die Gefahr, die darin besteht, dass die ÖR nur noch als Partei wahrgenommen werden. Damit – das sagte er so nicht – sind sie nämlich zu dem Staatsfunk geworden, der sie laut Bundesverfassungsgericht nicht sein dürfen. Die ÖR müssen immer und in jedem Fall so gut es geht objektiv und unparteilich berichten. DAS sind die in der deutschen Geschichte begründeten Vorgaben des Staatsvertrags. Nur auf dieser Grundlage haben die ÖR eine Berechtigung zu existieren – und das Recht Gebühren von den Bürgern einzufordern.

Der Chefredakteurin blieb nichts anderes, als zu lavieren und die Vorwürfe „zurückzuweisen“ Das kennt man schon von Tom Buhrow. Dessen auf Telepolis kolportiertes Zitat, dass man in den ÖR die westlichen Positionen verteidige, stellte sie in Abrede. Eine weitere Verteidigungslinie war der Hinweis auf die vielen Korrespondenten in der Ukraine, Moskau, Brüssel, Paris und sonstwo, die sich im Programm der ARD/WDR zum Konflikt geäussert hätten. Dass jeder einzelne von ihnen die gleiche anti-russische NATO-Propaganda verbreitet, sagte sie natürlich nicht.

Spannend war der Einblick, den Niggemeier in einen internen Vorgang beim WDR gab. Offenbar war er zunächst als Gast für die WDR-Kultursendung Scala eingeplant. Das führte zu senderinternen Bedenken, weil er dort verhältnismäßig unwidersprochen seine Kritik hätte vortragen können. Aus diesem Grund wurde er auf diese Funkhaus Wallraffplatz-Ausgabe umdisponiert, wo ihm die Chefredakteurin persönlich „Contra“ geben konnte. Wie schwach sie dabei aussah – weil ihre Position schwach ist – kann sich jeder im Podcast anhören, den wir hier verlinken, sobald er veröffentlicht ist. Wenn aber nicht eimal ein Stefan Niggemeier im Programm des WDR ohne einen Kettenhund zu Wort kommen kann, ist es mit diesem Sender wahrlich weit gekommen.

FAZIT: Es besteht trotz allem noch Hoffnung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Alles andere wäre auch fatal und gefährlich. So lange Sendungen wie diese noch möglich sind, ist nicht alles verloren. Dass die ÖR reformiert werden müssen, sollte allerdings mittlerweile auch dem arglosesten Hörer klar geworden sein. Auch eine Chefredakteurin wie Angelica Netz würde zweifellos lieber Lob für Ausgewogenheit, Objektivität und Unparteilichkeit des Programms bekommen, als sich gegen gegenteilige Vorwürfe verteidigen zu müssen. Aber sie ist nur ein Rädchen in einem System und müsste ihren Hut nehmen, wenn sie auch nur ansatzweise eingestehen würde, wie im Sender gezielt von oben Druck auf das Programm gemacht wird. Seriöse Journalisten im WDR sollten kapieren, dass wir hier im Blog für ihr Recht kämpfen, guten und ausgewogenen Journalismus zu machen – statt Propaganda.

Der Podcast der Sendung zum Nachhören!