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zdfClaus-Detlev Walter Kleber ist seit 2003 Moderator des ZDF heute-journals. Damit die Kasse richtig klingelt, verdingt er sich dort seit Jahren als freier Mitarbeiter und kann so seine Gage, die schon vor vier Jahren rund eine halbe Million Euro abgepresster Zwangsgebühren gewesen sein soll, frei aushandeln. Dass er sich Interviews und Reportagen, die ausserhalb des heute-journals gesendet werden, extra bezahlen lässt, davon kann man ausgehen. Für ihn lebt es sich nicht schlecht im Biotop Staatsfernsehen.

Dabei ist Kleber nicht einmal Journalist, sondern gelernter Jurist. Nebenbei ist er Mitglied der Atlantik-Brücke und im Aspen-Institut. Es fällt also schwer, irgendetwas zu benennen, was für Claus Kleber als unabhängigen Journalisten sprechen würde oder seinen Job als Moderator in einem Sender rechtfertigt, der laut Rundfunkstaatsvertrag objektiv, ausgewogen und unparteilich berichten muss.

Nur wenn man sich klar macht, dass das ZDF die Vorgaben des Staatsvertrags vollkommen ignoriert und sich in der Rolle sieht, die ihm von Beginn an durch Konrad Adenauer zugedacht wurde, nämlich Staatsfunk zu sein, dann ergibt die Beschäftigung eines Claus Kleber tatsächlich Sinn. Kleber ist der Inbegriff des Staatsjournalisten und wäre er nicht über seine Promotion beim Rundfunk gelandet, die Rolle des Staatsanwaltes wäre die seines Lebens gewesen.

Erst im März war Kleber über Siemens-Chef Kaeser hergefallen wie ein Strafgericht, so beschrieb es Frank Schirrmacher treffend. Gestern wollte er sich offenbar AFD-Chef Bernd Lucke vorknöpfen und scheiterte dabei so grandios, wie 2012 an Mahmud Ahmadinedschad. Klebers Problem ist in all diesen Fällen sein Selbstverständnis als belehrender Staatsanwalt und sein totales Unvermögen, die Rolle eines unparteilichen, unvoreingenommenen und neugierigen Journalisten einzunehmen.

Bernd Lucke ist nach zahllosen Erfahrungen mit dem gleichgeschalteten Staats- und Konzernjournalismus gewarnt gewesen und vielleicht deshalb derart gelassen und souverän geblieben, dass Kleber über die ganze Länge des knapp 6-minütigen Interviews wie ein vorlauter Schulbub aussah, der eine Lektion nach der anderen erteilt bekam.

Kleber_Lucke

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Kleber will die AFD als „widersprüchliche Vereinigung“ diskreditieren, die vornehmlich unzufriedene Wähler vom rechten und linken Rand anziehen würde. Diese Masche, neue Parteien als schräg, abseitig und extrem rechts oder links zu diffamieren, um die Herrschaft der sogenannten Etablierten aufrechtzuerhalten, haben die Medien auch schon in den 80ern bei den Grünen und zuletzt sogar ziemlich erfolgreich bei den Piraten angewendet.

Lucke belehrt ihn, dass die meisten Wähler von CDU, SPD und FDP zur AFD abgewandert sind, also aus der Mitte kommen.

Lucke: „Ja dann sagen Sie es doch auch so! Die meisten Stimmen kommen aus dem ganz normalen demokratischen Spektrum und das sollten Sie auch so sagen!“

Danach will Kleber Lucke beim Thema „Innere Sicherheit“ mit DDR/STASI-Assoziationen in eine abseitige Ecke schieben, gemäß der westlichen Staatsdoktrin: In der DDR war alles schlecht und wer anderer Meinung ist, redet einer Diktatur das Wort. Lucke kann sich allerdings auf Gespräche mit Bürgern in Ostdeutschland berufen, die Kleber offensichtlich selbst nie geführt hat.

Auf die (polemische) Frage, ob die deutsche „Innere Sicherheit“ bei ihm in besseren Händen wäre, als bei Innenminister de Maizière, muss Lucke Kleber belehren, dass die Polizei in Deutschland Ländersache ist und er als Innenminister des Bundes dementsprechend gar nicht für Personal und Organisation zuständig wäre. Gleichzeitig kann er mit den Forderungen der AFD nach mehr Sicherheit durch mehr Personal punkten, die zweifellos auch von vielen CDU- und SPD-Wählern unterstützt werden.

Statt Lucke zu fragen, woher er denn das Geld dafür nehmen wolle und wie er denn im Falle von Regierungsbeteiligung die Haushalte (auch auf Länderebene) umschichten würde, kommt Kleber mit dem so banal richtigen, wie vollkommen überflüssigen Einwand, dass derzeit niemand mit der AFD regieren möchte und ob die AFD ihren Wählern jetzt sage wolle, sie sollen sich noch 4-5 Jahre gedulden, bis die Partei vielleicht an der Macht beteiligt ist.

Auch diesen Versuch, die Wählerstimmen für die AFD als verloren darzustellen, pariert Lucke mit dem adäquaten staatskundlichen Hinweis auf die ganz normale Aufgabe einer Opposition im Parlament: Anträge stellen und Regierungspolitik kritisch begleiten.

FAZIT:

Ein denkbar schlecht vorbereitetes Interview eines Staatsjournalisten, der eine neue Partei, die die Herrschaft der Etablierten durcheinander zu bringen droht, nicht mit dem neugierigen und kritischen Auge eines unvoreingenommenen Journalisten betrachtet, sondern mit dem Blick und Duktus eines Staatsanwalts, der – in Ermangelung an echten Beweisen – den Ruf eines Angeklagten beschmutzen möchte.

Statt dem Vorsitzenden dieser neuen Partei, die gerade ziemlich große Erfolge einfährt, inhaltlich exakt auf den Zahn zu fühlen, was sie denn genau besser machen und wie sie das finanzieren wolle, tischt der 500.000€-Journalist Kleber Ressentiments und Banalitäten auf und scheitert damit grandios. Lucke und die AFD dürfte es gefreut haben.