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WDR2 Nachrichten 1.9.2014 18wdr2_russland.00Uhr

Wer glaubt, es handele sich um Zufall, der glaubt auch an den Weihnachtsmann: In den stündlichen Nachrichten des Staatssenders WDR2 behauptet der Sprecher allen Ernstes, das Land Polen hätte im 2.Weltkrieg die meisten Opfer zu beklagen.

Wer nur halbwegs gebildet ist, weiß, dass Russland mindestens dreimal so viele Tote zu verschmerzen hatte. Aber Russland ist mittlerweile wieder Feindbild und da darf man die russischen Opfer des deutschen Faschismus gerne kleinreden oder verschweigen.

Der Mitschnitt beginnt mit einem Bericht über Gaucks Besuch auf der Westerplatte. Dass Nazi-Sohn Gauck sich anmaßt, dem russischen Präsidenten am Jahrestag des deutschen Kriegsbeginns Vorhaltungen über die Menschenrechte machen zu müssen, anstatt Mord und Vertreibung durch die Kiewer Junta zu kritisieren, ist eine weitere Unverschämtheit:

„Bundespräsident Gauck hat Russlands Präsident Putin zur Einhaltung des Internationalen Völkerrechts aufgerufen. Bei einer Feier zum Gedenken an den Beginn des 2. Weltkriegs auf der Westerplatte bei Danzig kündigte Gauck eine geschlossene Reaktion der europäischen Union gegenüber Russland an. Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft würden an die neuen Umstände angepasst. Gauck erinnerte auf der Westerplatte an die polnischen Opfer deutscher Kriegsverbrechen. In Polen kamen im 2. Weltkrieg rund 6 Miillionen Menschen ums Leben. So viele wie in keinem anderen Land.“

Dieser widerliche Versuch der Geschichtsklitterung passt zu einer ähnlichen Meldung, die wir hier anlässlich des Jahrestags der Invasion in der Normandie veröffentlichen mussten. Im Juni wollten die Staatsmedien den Bürgern weißmachen, nicht Russland hätte die Wende im 2. Weltkrieg eingeleitet, sondern die Landung in der Normandie.

Dass es sich nicht um einen Zufall oder Versehen handelt beweist auch ZDF-Korrespondentendarsteller Armin Coerper in der 19.00 Uhr heute-Sendung. Dort behauptet er nach ca. 15min mit Blick auf den deutschen Kriegsbeginn:

„Kein Land wird unter deutschem Terror leiden wie Polen.“


Nachtrag:

heribert-prantlUm mal eine seltene Stimme der Vernunft zu Wort kommen zu lassen, die die Dummheit, Geschichtsvergessenheit und Ignoranz in weiten Teilen der deutschen Politik und Medien kontrastiert und damit noch deutlicher hervortreten lässt, hier ein aktueller Artikel von Heribert Prantl zu Gaucks unsäglicher Rede auf der Westerplatte:

Versöhner sein, nicht Spalter

Polen war Aufmarschgebiet für den Überfall des Nazi-Reichs auf die UdSSR. Um „Lebensraum im Osten“ zu erobern und „jüdischen Bolschewismus“ zu vernichten hausten die Nazis grauenvoll: Es gab dreißig Millionen sowjetische Kriegsopfer. Gauck sagte aber kein einziges Wort darüber, welche Traumata der Krieg in Russland hinterlassen hat.

Ein Bundespräsident hat eine andere Rolle als der Nato-Generalsekretär. Es ist nicht seines Amtes, verbal aufzurüsten. Er soll, um ein Wort eines Vorgängers zu zitieren, Versöhner sein, nicht Spalter. Das gilt nicht nur für die nationale, sondern auch für die internationale Ebene….“ (LINK)