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zdfAm 7.8.2014 hatte ZDF-Korrespondent Uli Gack die Gelegenheit ein Interview mit dem israelischen Ministerpräsident, Kriegsverbrecher und Massenmörder Netanjahu zu führen. Wie Gack selbst im Gespräch mit Claus Kleber einräumte, kam das „Interview“ nicht etwa auf Anfrage des ZDF zustande, sondern auf Initiative Netanjahus. Offensichtlich ist also nicht journalistische Neugier Grundlage des Gesprächs, sondern das Bedürfnis der kriegführenden israelischen Regierung, ihre Sicht der Dinge unwidersprochen im deutschen Staatsfernsehen darzustellen.

zdf_netanjahuGenau dazu ließ sich „Journalist“ Gack auch nur allzu gerne benutzen. Neben dem Zustandekommen des „Interviews“ ist auch der Ablauf bemerkenswert. Zunächst einmal ist Gack offensichtlich nicht in der Lage, sein journalistisches Interesse durch frei formulierte Fragen zum Ausdruck zu bringen. Das ist erstaunlich bei einem 5-Minuten-Interview. Ganze 4 Fragen durfte Gack stellen, die er von einem Zettel abliest. Was wiederum die Frage aufwirft, ob er den Zettel selbst geschrieben hat oder ob die Fragen von Netanjahus Spindoktoren formuliert wurden.

Es kann eigentlich kaum Zweifel bestehen, das Letzteres der Fall ist. Jeder halbwegs im Thema involvierte Journalist könnte aus dem Stegreif Dutzende brennende Fragen an Netanjahu formulieren. Wäre die einzige Vorgabe an Gack gewesen, nur 4 Fragen zu stellen, hätte er wohl kein Problem gehabt, sich diese zu merken und frei zu formulieren.

Auch inhaltlich zeigen die Fragen den Charakter von Steilvorlagen, die nur dazu dienen, Netanjahus Botschaft an die deutsche Bevölkerung in einen pseudojournalistischen Rahmen zu stellen:

Uli Gack: Ministerpräsident Netanjahu, rechtfertigt der Ausgang des militärischen Vorgehens die hohe Anzahl an zivilen Opfern?

Uli Gack: Amerika scheint sich im Moment eher im Hintergrund zu halten. Würden Sie sich eine wichtigere Rolle der Europäer wünschen, vor allem der Deutschen?

Uli Gack: Was erwarten Sie von Deutschland insbesondere? Wünschen Sie sich eine bestimme Rolle?

Uli Gack: Die Waffenstillstands-Verhandlungen laufen ja gerade. Wissen Sie, welche Fortschritte gerade gemacht werden, und wenn die Verhandlungen nicht erfolgreich sind, würden sie wieder militärische Maßnahmen aufnehmen?

Der Charakter der Fragen entlarvt die Rolle Gacks als Stichwortgeber. Von ihm kommen keine Rückfragen, kein Nachhaken. Die erste Frage hat einzig den Zweck, Netanjahu unwidersprochen Raum zu geben, seine Verbrechen zu rechtfertigen. Die zweite und dritte Frage: Was erwarten Sie von der EU/Deutschland? sind die Fragen eines servilen Parlamentärs oder Unterhändlers einer Konfliktpartei und nicht die eines Journalisten.

Der vorletzte Satz Netanjahus offenbart den Grund, den Ablauf und den Inhalt des sogenannten Interviews:

„Das ist die Wahrheit, von der ich glaube, dass man sie in Europa auch kennen sollte.“

Bezeichnend auch das Nachgespräch zwischen Kleber und Gack. Während über Putin, Ahmadinedschad, Assad oder andere Feindbilder der transatlantischen Weltherrschaft nach derartigen Interviews heftig hergezogen, psychologisiert, das Negative herausgekehrt und alles Positive als Propaganda gebrandmarkt wird, gerieren sich Gack und Kleber gemeinschaftlich als mitfühlende Zeitgenossen:

Claus Kleber: Uli, wie haben Sie Netanjahu bei dieser Gelegenheit erlebt, als Mensch?

Uli Gack: Naja, das ist ein ganz anderer Mensch wie vor einem halben Jahr. Vor nem halben Jahr hab ich ihn hier erlebt, da war er dynamisch. Netanjahu tritt in einen Raum wo viele Menschen sind und plötzlich ist dieser Raum voll. Netanjahu hat eine große Ausstrahlung, ne große Aura. Heute ist er mir fast schon irgendwie ferngesteuert vorgekommen. Er leidet offensichtlich unter dieser schwierigen Last unter diesem Konflikt…

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