Glenn Greenwald schreibt in seinem Buch »Die globale Überwachung«, dass es eine seiner größten Befürchtungen war, dass die regierungstreuen US-Medien anstatt die Informationen Snowdens zu verbreiten, sich auf seine Person stürzen würden. Frei nach dem Motto:

Der Kaiser ist nackt, tötet den Überbringer der Botschaft!

Dennoch waren Greenwald und Snowden sich einig, dass er sich bekennen müsse, um den geleakten Informationen über das totalitäre Überwachungssystem der USA Seriösität zu verleihen und um seine Motive erklären zu können.

greenwald-die-globale-uberwachung„Snowdens einzige Befürchtung war, er könne mit seinem Outing vom Inhalt seiner Enthüllungen ablenken. »Ich weiß, dass die Medien alles personalisieren, und die Regierung wird versuchen, meine Person ins Visier zu nehmen und die Aufmerksamkeit auf den Überbringer der Botschaft zu richten« Glenn Greenwald, „Die globale Überwachung“, S.81

Dass Snowden und Greenwald diese Bedenken zu Recht hatten, weil die Mainstreammedien auch in Deutschland weitgehend als Handlanger, Hofberichterstatter und servile Fußsoldaten der Regierung dienen, zeigt die Rezeption des aktuellen Artikel Glenn Greenwalds, über die Machenschaften der US-Geheimdienste. Anstatt die skandalösen Inhalte für deutsche Leser sorgfältig aufzubereiten, zu erklären und Recherchen und Interviews zu vergleichbaren Machenschaften deutscher „Dienste“ zu führen, blasen die Medien orchestriert ins gleiche Jagdhorn:

BILD 6.8. „SCHOCK FÜR US-GEHEIMDIENSTE

nsa_leaks_spiegel_5.8

Spiegel Online 5.8.

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Spiegel Online 6.8.

FAZ 6.8.

FAZ 6.8.

Die Welt 5.8.

Die Zeit 5.8.

Die Zeit 5.8.

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Süddeutsche Zeitung 6.8.

stern 6.8.

stern 6.8.

focus 6.8.

focus 6.8.

Taz 6.8.

Taz 6.8.

Erwartungsgemäß nimmt auch der Staatsfunk von ARD und ZDF die vom eigentlichen Inhalt ablenkende Perspektive der US-Regierung und ihrer Spitzeldienste ein, wonach nicht die Botschaft das Problem ist, sondern der Überbringer:

Tagesschau 6.8.

ARD Tagesschau.de 6.8.

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ZDF heute.de 6.8.

Fazit:

Wir sehen eine gleichgeschaltete Presse, die in einer konzertierten Aktion, die Enthüllungen eines Whistleblowers über die Machenschaften eines Geheimdienstes dadurch aus dem Fokus der Öffentlichkeit drängt, dass sie den Überbringer der Botschaft in den Mittelpunkt stellt, die eigentliche Information in den Hintergrund drängt und obendrein die Perspektive der Täter übernimmt, die weite Teile der Bevölkerung kriminalisieren und überwachen.

Dass es anders geht, dass sich seriöser und unabhängiger Journalismus auch auf den Kern der Information konzentrieren kann, zeigt der Artikel von Thomas Pany auf Telepolis.