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Gestern haben wir in Teil 1ard unseres „Propaganda-Check“ eine Dokumentation der ARD unter die Lupe genommen, deren Einseitigkeit und Verzerrung der Ereignisse in der Ukraine so offensichtlich war, dass der Essener Friedensaktivist Bernhard Trautvetter eine Beschwerdemail verfasste und die Gelegenheit des „WDR-Check“ nutzte, um dort einige kritische Bemerkungen zur ARD/WDR-Berichterstattung loszuwerden.

Nach der Analyse der Dokumentation im ersten Teil, wollen wir uns heute im zweiten Teil die Mail Trautvetters und seinen Auftritt im WDR-Check genauer anschauen, um dann zu beurteilen, wie der Golem ARD mit Kritik an seiner politischen Berichterstattung umgeht. Denn wie Stefan Niggemeier in der FAZ vollkommen richtig schreibt, sind der WDR und die gesamte ARD, als von den Bürgern finanzierte Anstalten des öffentlichen Rechts, diesen Bürgern Rechenschaft schuldig.

Hier also die Mail von Bernhard Trautvetter, als Reaktion auf die von ARD/WDR gesendete Dokumentation über den Konflikt in der Ukraine:


DIE ORIGINALMAIL VOM 20.05.2014 [an den Rundfunkrat + von dort weiter an T.Buhrow geleitet]:

Sehr geehrte Damen und Herren,

zumal in einem Konflikt, in dem der Ukrainische de-fakto-Präsident Russland nachsagt, mit dem 3. Weltkrieg zu spielen, ist Sachlichkeit im Interesse des Friedens erst Pflicht aus dem Staatsvertrag.

Ihre Sendung verletzt das.

Sie bringen die Information nicht, derzufolge das Massaker auf dem Maidan nach einem Telefonat der estnischen Regierung mit der EU-Außenbeauftragten in der Verantwortung der Rechten liegt.
Sie bringen nicht den Skandal, dass der Angriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa und das Massaker dort nicht aufgeklärt wird.
Sie tun so, als sie die de-fakto-Regierung verfassungsgemäß im Amt, was der Tatsache widerspricht, dass sie das dafür notwendige Quorum verfehlt hat..
Sie lassen Angela Merkel darstellen, dass Russland die Grenzen in Nachkriegseuropa besorgniserregend verschiebt und blenden aus, dass es dafür eine Parallelität in der Nachkriegsgeschichte Europas gibt, an der Deutschland federführenden Anteil hat: Auch die Abspaltung Sloweniens und Kroatiens von Jugoslawien sowie später die Selbst-Souveränitätserklärung des Kosovo stellten einen Rechtsbruch dar. Uno-Generalsekretär Perez de Cuellar warnte, dass die Anerkennung Kroatiens und Sloweniens die UNO-Friedensbemühungen untergräbt. Das hielt Deutschland nicht davon ab, diese rechtswidrige Selbstabspaltung diplomatisch anzuerkennen und diesen Schritt in der EU durchzusetzen. So mutiert auch diese Einbeziehung der Regierungs-Chefin unseres Landes zur Vereinseitigung der Informationslage.
Sie berichten nicht, dass die pro-faschistischen Kräfte als Kämpfer auf Seiten ‚ukrainischer bewaffneter Sicherheitskräfte‘ mit in der Ost-Ukraine eingereiht worden sind.
Sie berichten zwar die übertriebene Berichterstattung Russlands über die faschistoiden Kräfte in und um die ukrainische de-fakto-Regierung, zu der deutsche Diplomat und Ex-Staatssekretär Chrobog am 15.5.14 im WDR5-Morgenmagazin-Interview sagte, der ‚rechte Block, der faschistische rechte Block ist außerordentlich stark…Viele Vorwürfe, die von  der russischen Seite erhoben werden, stimmen hier‘, Sie bringen aber manipulativ einseitig keine Differenzierung in Ihre Berichterstattung, die so als Propaganda für eine Eskalation gegen Russland wirkt und nicht als Aufklärung. Herr Chrobog forderte weiter, man müsse an einem runden Tisch ‚auch andere zulassen, wenn sie einem nicht genehm sind‘. Sonst ist er kein echter runder Tisch.
So ist ihr als kritische Sendung angekündigter Film leider ähnlich einseitig ausgefallen, wie Sie es der russischen Seite vorwerfen.
Man kann und darf sich nicht einzelne Verstöße gegen das Völker-Recht herauspicken, gegen die man Politik entfaltet; sonst zerstört man die Architektur des Völkerrechts, auf dem die Friedensordnung der Welt nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut ist.

Ich bin Lehrer und habe den Beutelsbacher Konsens zu beachten, demzufolge was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, entsprechend kontrovers dargestellt werden muss, auch wegen des Überwältigungsverbots, das die SchülerInnen davor schützt, durch Einseitigkeiten manipuliert zu werden. Und zusätzlich habe ich dem Verfassungs-Auftrag meines Bundeslandes NRW zu folgen, das die Erziehung zur Friedensgesinnung einfordert, die gibt es nicht mit einseitigen Feindbildern.

All das, was hier zu Ihrer Sendung angemerkt ist, widerspricht Punkt für Punkt wie dargelegt auch den eingangs erwähnten Anforderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Ich zahle GEZ-Gebühren und erwarte eine objektive Darstellung und keine Propaganda für mehr Sanktionen gegen die eine Seite, so als gäbe es nur auf der Seite Russlands intolerable Fehler.

Ich protestiere nicht nur gegen ihre Meinungsmache, die an das Klima antirussischer Vorurteile selbst sogar im letzten Jahrhundert zweier großer Kriege erinnert und die die Anforderungen an Information und neutrale Darstellung beweisbar verletzt.  Gerade wenn es um eine so existenzielle Menschheitsfrage geht, hat ein Medium wie die ARD die hohe Verantwortung, genau auf Sprache und Exaktheit zu achten.

Ich erwarte eine Antwort und frage Sie in diesem Kontext, wie Sie diesen Einseitigkeit entsprechend dem Auftrag, für den Sie in Funktion sind, aus den dargelgten Gründen korrigieren werden.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Trautvetter


Die Propagandaschau schließt sich dem Brief inhaltlich vollumfänglich an und der breite Protest in der Bevölkerung gegen die Desinformation der ARD ist ein sicheres Indiz dafür, dass ein erheblicher Teil der Mitbürger diese Propaganda und Manipulation ebenfalls erkennt und ablehnt.

Den Auftritt Bernhard Trautvetters im WDR-Check am Mittwoch, den 4.6.2014, haben wir in 2 Teile geschnitten und gesondert auf MyVideo hochgeladen. Teil1 zeigt einen Vorbericht, der im WDR zur Einstimmung auf das Thema gesendet wurde. Teil2 zeigt die Frage Bernhard Trautvetters, sowie die Antworten von Tom Buhrow, Golineh Atai und Hermann Krause.

h.krauseBezeichnend ist im Teil2, dass sich Hermann Krause schon zu Beginn (ab 3.min) im Gespräch mit Bettina Böttinger darüber beklagt, dass es schwieriger und gefährlicher für deutsche Journalisten geworden sei, aus der Ostukraine zu berichten, weil die Bewohner westlichen Journalisten dort vielfach feindselig gegenüber stehen. Eine Tatsache die Krause – der von jeglicher Selbstreflexion und Selbstkritik weit entfernt ist – zweifellos der russischen „Propaganda“ zuschreibt.

Ab 4:28min kommt Bernhard Trautvetter zu Wort, dessen Äusserungen im Folgenden als Transkript wieder gegeben werden:

b.trautvetterGuten Abend zusammen, an die Hörer auch. Ich bin WDR-Fan, vor allem, weil ich beim Kartoffel schälen gerne Radio höre, WDR5. Ich bin Lehrer, Bernhard Trautvetter aus Essen, 60 Jahre vor einer Woche geworden und in der Friedensbewegung und ich bin hier, um Tom Buhrow Zeit zu ersparen, weil vor etwas über 2 Wochen kam eine für mich ärgerliche Sendung und zwar ‚Die Wahrheit über die Ukraine‘, irgendwie abends um 11 – ARD. Und ich hab dann an den Rundfunkrat geschrieben, eine eMail, empfehle ich allen!

Die haben mir dann geantwortet, das ginge an Tom Buhrow weiter. Ein paar Sachen haben mich dabei besonders verwundert, weil ich hatte erwartet, jetzt haben wir einen Sender, der mit „Monitor“ und ähnlichen kritischen Aufklärungsmedien in der Öffentlichkeit mal ein Gegengewicht setzen kann, gegen eine gewisse Stimmungsmache, die teilweise an die Zeit vor dem 1.Weltkrieg erinnert, als man so langsam über einseitige Propaganda in eine Katastrophe hineinrutschte, von der die Menschheit sich bis heute nicht erholt hat.

Und in dieser Sendung passierte dummerweise genau das Gegenteil. Es wurde – anders als hier teilweise in den Bildern vorhin – nicht darauf eingegangen, dass die Sache auf dem Maidan, dieses Massaker und in Odessa, dieses Massaker, möglicherweise dem Rechten Sektor – wie „Panorama“ [gemeint ist „Monitor„] ja berichtet hat, zugeschrieben werden muss. Das hat mich geärgert.

 Dann wird so getan, als wäre Russland – was ein Völkerrechtsbruch ist, mit der Verschiebung der Grenzen an der Krim – nach dem 2.Weltkrieg „Jungfernfahrts-Völkerrechtsbrecher“, dabei ist die Blaupause dafür Nordjugoslawien gewesen, als Perez de Cuellar und Eagleburger, vom USA-Aussenministerium, Deutschland dafür kritisiert hat, dass es die Friedensbemühungen untergraben hat. Und dann wird jetzt Völkerrecht unterschiedlich gehandhabt. Die Regierung der Ukraine ist nicht verfassungsmäßig im Amt. Aber Bundeswehrsoldaten arbeiteten – wurden dann dummerweise, schlimmerweise Geiseln in der Ostukraine – als Militärbeobachter…“

[Bettina Böttinger, die schon nervös mit den Hufen scharrt, will Bernhard Trautvetter abwürgen:] „Ich unterbreche mal ganz kurz. Kommt noch ne Frage oder soll Herr Buhrow jetzt schon antworten?“

„Ich hab die Frage: Wann wird mal wieder Gegenöffentlichkeit dargestellt zu dieser viel zu einseitigen Stimmungsmache, die mich in der Zeit, wo der 3.Weltkrieg von dem de-facto-Regierungschef – ich nenne ihn mal so – der Ukraine, in den Raum gestellt wird? Da sind Atombomben in der Nähe und die Ukraine hat Tschernobyl. Ich hab große Angst und hoffe, dass eine ausgewogenere, wirklich nicht einseitige Berichterstattung, in alle Richtung geht und keine NATO-Propaganda.“

Die Antwort Tom Buhrows:

t.buhrow.check„Ich nehme an, dass Sie meinen, war das ne längere Reportage? …. Wenn wir dieselbe meinen, dann müssten Sie da eigentlich auch gesehen haben, dass da sehr kritisch und selbstkritisch auch, die Rolle des Westens aufgearbeitet wurde, dass man in der Vergangenheit auch, in den letzten Jahrzehnten einiges getan hat, um – sagen wir mal – Russlands Wahrnehmung zu verletzen und um diese Einkreisungsphobie, die Russland ja empfindet und die Putin angesprochen hat, die wurde da auch thematisiert – wenn wir dasselbe meinen. Dann finde ich gerade dieses längere Feature, das mehrere Studios, an dem mehrere Studios, ich glaub Moskau, Washington, etc. also da waren 3 oder 4 Auslandsstudios beteiligt, finde ich ein vorbildliches Bemühen, um ein ausgewogenes, großes Bild, auch ein selbstkritisches Bild gegenüber unserer eigenen westlichen Politik.

Wir haben, würde ich sagen, Reaktionen bekommen, während des ganzen Konflikts, als der sich hochschaukelte, von beiden Seiten. Also manche haben ähnlich wie Sie argumentiert, haben gesagt: ‚ich habe den Eindruck, da werden die Russen zu Buhmännern gemacht‘ – ich vereinfache es jetzt mal – und andere haben gesagt: ‚ja Moment mal, auf einmal seit ihr aber so verständnisvoll‘.

Wenn ich die gesamte Palette der Berichterstattung sehe, alles, was aktuell kommt, da können Hermann Krause, Golineh Atai und die vielen Kolleginnen und Kollegen, die noch da sind, ja immer natürlich nur das berichten, was an dem Tag ist und manchmal ist das so, dass ein Völkerrechtsbruch von russischer Seite oder von pro-russichen Kräften, Separatisten, oder es ist so, dass von der anderen Seite was, dann hat man dann den Ausschnitt.

Aber wenn Sie jetzt gucken, die Feature die wir gemacht haben, die Weltspiegel, die wir gemacht haben, die Magazinberichte, die wir gemacht haben, die Dokumentationen und dann noch die Talk-Shows dazu nehmen, wo sie häufig Pro und Contra hatten. Ich erinnere mich an etliche Sendungen, die die umgekehrte Empörung ausgelöst haben. Wo dann gesagt wurde: ‚da die Putinversteher….und da wird dann Putin in Schutz genommen‘ und so, da kam dann genau das andere, deshalb würde ich sagen: en gros, aus ganzem vollen Herzen, bin ich superstolz, auf das, was gerade der WDR im ARD-Verbund und auch die Kolleginnen und Kollegen hinter der Kamera, die unter Einsatz ihrer Gesundheit da gearbeitet haben, zustande gebracht haben.“

Buhrows Verteidigungslinie ist offensichtlich und war zu erwarten. Die Kritik wird nicht angenommen und in einem wechselseitigen Gespräch mit dem Kritiker inhaltlich evaluiert, sondern sie wird negiert und als unbegründet zurückgewiesen. Als Kronzeugen sollen offenbar einzelne Stimmen gelten, denen die Einseitigkeit der Berichterstattung noch nicht ausreicht.

Es ist anzunehmen, dass Buhrow mit seinem Hinweis auf den Vorwurf „Putinversteher“ auf einen Vorfall in der WDR2-Arena anspielt, den wir hier auch dokumentiert haben, als der ehemalige US-Botschafter John Kornblum WDR-Korrespondent Krause einen Putinversteher schimpfte und aus dem Studio stürmte. Ein Vorfall, der nicht nur symptomatisch für die US-Politik steht, die sich immer wieder Gesprächen verweigert (Rauswurf Putins aus G8, aktuell Obamas Weigerung Putin in Frankreich ausführlich zu sprechen, etc), sondern der auch auf den Druck der transatlantischen Politiker und Meinungsmacher auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland schließen lässt.

Buhrows Aufzählung der Vielfalt unterschiedlicher Sendungen, Features, Reportagen, Talk-Shows, etc. ist insofern pure Rosstäuscherei, als dass sich nahezu alle Formate inhaltlich durchgängig als sehr einseitig propagandistisch und staatstragend präsentiert haben, wie wir hier in den vergangenen Monaten ausgiebig dokumentiert haben.

Wenn Buhrow eben jenes Feature, dessen propagandistischen Charakter wir hier gestern analysiert haben, als ausgewogen bezeichnet, dann zeigt das, dass Buhrow entweder nicht in der Lage ist zu beurteilen, was Ausgewogenheit bedeutet oder dass er die Öffentlichkeit gezielt belügt, um die Kritik wegzubügeln. In beiden Fällen ist er der falsche Mann im Posten als Intendant eines Senders, der von den Bürgern bezahlt wird und vertraglich verpflichtet ist, ausgewogen, unparteilich, objektiv und meinungsvielfältig zu berichten.

wdrcheckformularIm Anschluss an Buhrows Statement, das in schlechtester obrigkeitsstaatlicher Tradition keinerlei Rückfragen oder Diskussion zuließ, verliest Bettina Böttinger eine von der Redaktion ausgewählte, auf wdr.de gestellt Frage und reicht diese an Golineh Atai weiter. Die sonst übliche WDR5-Kommentarfuktion war vorsorglich abgeschaltet und durch ein Formular ersetzt worden, in dem Bürger ihren Namen, Anschrift und Telefonnummern angeben sollten, wenn sie eine Frage stellen wollten. Der Staatsfunk will schließlich genau wissen, wer ihm kritisch gegenüber steht. Veröffentlich wurden die gestellten Fragen auch nicht. Es könnte ja der Eindruck entstehen, es gäbe noch mehr empörte Bürger wie Bernhard Trautvetter.

wdrcheckmail

Der Hintergrund der Frage ist klar: seit Monaten werden täglich in ARD und ZDF und dort in allen Formaten, wenn es um die Ukraine geht, über Russlands Interessen spekuliert, nicht zuletzt, um damit die tatsächlich vorhandenen – und im Maidan und dem Putsch manifestierten – Interessen von EU und USA aus dem Diskurs zu halten.

Böttinger verdreht die sehr konkrete Frage in eine grundsätzliche Überlegung, wie denn Journalisten in Konflikten mit dem Vorwurf der interessengeleiteten Berichterstattung „umgehen können„. Wohlgemerkt fragt sie nicht, wie Journalisten das verhindern können, sondern wie sie mit dem Vorwurf umgehen!

wdrcheckataiWas Golineh Diese Militäroffensive kommt leider viel zu spät Atai unter Ausgewogenheit versteht, zeigt sich in ihrer Antwort. Nachdem sie behauptet, selbstkritisch mit sich umzugehen, sagt sie:

„…das natürlich auch den Redaktionen mitzugeben, zB in Hamburg bei der tagesschau, zu sagen, heute haben wir die Reportage über die Proukrainer gemacht, morgen machen wir die über die Pro-Russen, damit wir da eine gewisse Ausgewogenheit haben.“

Wie diese Ausgewogenheit aussieht haben wir hier in längeren Wochenanalysen gezeigt:

TabelleDass es obendrein auch nicht damit getan wäre, abwechselnd über Maidan und Anti-Maidan zu berichten, sollte auch Golineh Atai klar sein, denn die Propaganda zeigt sich insbesondere darin, wie unterschiedlich über die beiden Konfliktparteien berichtet wird: Voller Verständnis für die Pro-EU-Maidaner und voller Ablehnung und Hetze gegen die „Pro-Russen“. DAS ist der Grund, warum deutsche Journalisten mittlerweile in Teilen der Ostukraine verhasst sind.

checkkrauseHermann Krause hingegen hat nicht einmal die Fähigkeit zur Selbstreflektion, deren Notwendigkeit Atai zumindest versteht, denn im Anschluss an Atais Statement, fragt Krause Trautvetter ernsthaft – und ohne dass diesem Gelegenheit gegeben würde zu antworten:

„Zu dem Herrn: Ich frage mich, wieso ist denn die Friedensbewegung nicht aktiv geworden, nachdem oder während Putin die Krim annektiert hat?“

Diese Frage ist in mehrfacher Hinsicht dumm und ignorant und dient ausschliesslich dazu, die Friedensbewegung zu denunzieren. Auch einem Hermann Krause sollte einleuchten, dass eine DEUTSCHE Friedensbewegung hierzulande in erster Linie demonstriert, um auf DEUTSCHE Politik Einfluss zu nehmen. Davon abgesehen gab es keinen Eroberungskrieg Russlands auf der Krim, wie ihn die NATO seinerzeit in Jugoslawien vorexzerziert hat, sondern einen Anschluss, der von der überwältigenden Mehrheit der Krim-Bewohner begrüsst und von Teilen der Bewohner aktiv herbeigeführt wurde. Wenn Krause Chruschtschows Handstreich, mit dem dieser die Krim an die Ukraine verschoben hat, verteidigen will, kann er ja privat demonstrieren gehen. Wenn er aber auf Kosten der GEZ-Zahler Unwahrheiten und Doppelmoral verbreitet, dann hat er in seinem Job nichts verloren.

Hermann für diese Leute haben wir uns nicht engagiert Krause legt aber noch nach und behauptet frech:

„Den Krieg oder den kriegsähnlichen Zustand, den wir erleben, der geht ja nicht von den Ukrainern aus, er geht von russischen Separatisten aus, das ist ganz ohne Frage.“

Zum einen sind es keine „russischen Separatisten“, wie Krause hier ‚versehentlich‘ behauptet, was auf seine Denke schliessen lässt, sondern allenfalls pro-russische ukrainische Separatisten, denn noch ist die Ostukraine nicht russisch. Aber mit solch diffizilen Unterscheidungen hält sich ein ARD-Korrespondent und Sprachpanscher offenbar nicht lange auf. „Immer rein in den Topf und umgerührt“ ist die Devise.

Darüberhinaus ist es nicht nur eine Geschichtsklitterung sondergleichen, wenn hier rotzfrech behauptet wird, die Gewalt ginge von den Ostukrainern aus, es zeigt auch, wie deutsche Propagandisten im Sumpf ihrer eigenen Lügengeschichten untergehen. Entweder Krause fehlt der politische Überblick, um zu verstehen, dass die gewaltsame Loslösung der Ostukraine eine Reaktion auf den gewaltsamen Putsch in Kiew war oder Krause lügt hier vorsätzlich in die Kamera. Man weiss nicht, welche der beiden Alternativen besser wäre, aber dass er für den Job eines Studioleiters im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vollkommen ungeeignet ist, ist hiermit evident.

Dass Krause – wie er selbst in den folgenden Äusserungen erklärt – die Russen nicht mehr versteht, soll hier nicht weiter thematisiert werden. Es ist letztlich nur ein weiterer Beweis für die Inkompetenz eines Journalisten, dessen Weltbild als „holzschnittartig“ zu bezeichnen, noch ein Kompliment wäre.

Fazit:

Der WDR-Check ist ein erbärmlich gescheiterter Versuch des Staatsfernsehens Kritikfähigkeit, Transparenz und Rechenschaft vorzugaukeln. Redaktionell ausgewählte Zuschauer und Fragen werden nicht in einem wechselseitigen, offenen Diskurs erörtert, sondern mit schlichtester Meinerei weggebügelt. In den Staatsmedien gibt es weder Mechanismen, noch Strukturen oder überhaupt die allgemeine Einsicht in die Notwendigkeit von Mechanismen oder Strukturen, mit denen eine einseitige propagandistische Berichterstattung verhindert werden könnte. Die Zuschauer werden mit einem Mix aus Unterhaltung und „Volkstümlichkeit“ bei der Stange gehalten, weil man davon ausgehen kann, dass die Mehrheit der Bürger von der Propaganda mindestens so durchdrungen ist, wie die eigenen Journalisten, die sie ja selbst nicht einmal mehr reflektieren können.

Dieser staatlich gelenkte Journalismus ist nicht der ausgewogene und objektive Journalismus, den ein echter demokratischer Staat zur Entfaltung braucht, sondern ein der Herrschaft verpflichteter Manipulationsapparat, der die Bürger lenkt, wie ein Leithammel die ‚dummen‘ Schafe auf der Wiese.

wdrcheck