Schlagwörter

, , , , ,

telepolisEin lesenswerter Artikel von Stefan Korinth auf telepolis thematisiert das pauschale und manipulative Label „Pro-Russen“, wenn im Konflikt in der Ukraine Bürger – vornehmlich im Osten und Süden des Landes – gemeint sind, die mit dem Putsch in Kiew und der dort regierenden Junta nicht einverstanden sind. Dass auch die Propagandaschau von der propagandistischen Manipulation des Diskurses nicht gefeit ist, zeigt sich darin, dass auch hier in einer Mischung aus intellektueller Faulheit und semantischer Schludrigkeit, diese zweifelhafte Diktion der Mainstreammedien Eingang gefunden hat. Wie sagte Goebbels?Das ist das Geheimnis der Propaganda: den, den die Propaganda fassen will, ganz mit den Ideen der Propaganda zu durchtränken, ohne daß er überhaupt merkt, dass er durchtränkt wird…

Stefan Korinth:„Hiesige Medien berichten aber auch über friedliche Regierungsgegner im Osten und Süden der Ukraine so, als wenn diese dort Fremdkörper oder Ausländer wären. Aus zahllosen Berichten trieft es: verblendete Sowjetnostalgiker, leichtgläubige Propaganda-Opfer, Putin hörig, grundlos hysterisch. Die Ängste, Anliegen und politischen Vorstellungen dieser Ukrainer sind damit nicht mehr legitim. „Moskau-nah“, „pro-russisch“, „kreml-treu“ – wer gegen die neue Regierung ist, muss in vielen deutschen Journalistenaugen für Putin und den Zerfall der Ukraine sein.“(LINK)

Man kennt diese Masche aus anderen Konfliktherden, besonders aus Afghanistan, wo der Eindruck erweckt wird, die Taliban seien Fremdkörper, die – von wo auch immer – gekommen sind, um das Land zu unterjochen. Gleiches gilt für Boko Haram in Nigeria. Das Ziel ist, die Feinde als Fremdkörper zu brandmarken, die in dem Land weniger Recht auf Existenz haben, als die militärischen Interventionskräfte des Westens. Ein Dialog mit diesen Menschen soll von vornherein ausgeschlossen werden, um ihre politischen Motive gänzlich aus dem Diskurs herauszuhalten. Motto: Mit Terroristen verhandelt man nicht.

Darüberhinaus kritisiert Korinth die offensichtlich parteiliche Doppelmoral, wenn die Staatsmedien, die in der Vergangenheit im Chor mit westlichen Politikern das Vorgehen der Janukowitsch-Regierung gegen militante und teils bewaffnete „Demonstranten“ massiv kritisiert haben, heute schamlos den Einsatz des Militärs gegen Bürger einfordern oder rechtfertigen:

Stefan Korinth: „Zur Erinnerung: Wenn zu Zeiten des Euro-Maidan auch nur ein gepanzertes Polizeifahrzeug in Kiew zu sehen war, sprach so mancher deutsche Journalist von rollenden Panzern Janukowitschs gegen die eigene Bevölkerung. Ein zweites Tian’anmen oder die Wiederholung der Prager Ereignisse von 1968 deuteten sich an. Nun schickt die neue Regierung tatsächlich ihre Armee gegen Einwohner des Landes. Und die Medien? Sie übernehmen fast eins zu eins Wortwahl und Standpunkt der Kiewer Staatsführung. Grundsätzliche Kritik gibt es nicht. Ganz im Gegenteil: Die gerade erst mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnete ARD-Korrespondentin Golineh Atai meinte etwa in einer Live-Schalte aus Donezk: „Diese Militäroffensive kommt leider viel zu spät.““(LINK)

Zum besonders lesenswerten Artikel geht es hier.