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Das ist zweifellos ein bemerkenswerter Vorgang! Die tagesschau interviewte am Montag FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff zur Gefangennahme der deutschen Bundeswehr-Offiziere in Slawjansk und schneidet ihm gnadenlos das Wort ab, als er inhaltlich zur Sache kommt. Wer wissen will, was Lambsdorff sagen wollte, musste das Morgenmagazin gesehen haben. Wir dokumentieren den ganzen Fall:

Montag Abend, 20.00 Uhr tagesschau:

Bild anklicken, um Video zu starten (ab 3:52min)

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Sprecherin:“Kritik kam dagegen aus der Opposition. Die Öffentlichkeit sei über die Entsendung der deutschen Militärbeobachter nicht informiert worden und…

Lambsdorff: „Das ist eine Mission, der Russland NICHT zugestimmt hat. Es ist NICHT die große OSZE-Beobachtermission, von der ständig die Rede ist, sondern das ist eine ganz andere Mission…“ | SCHNITT

Mehr durfte Lambsdorff nicht sagen. Um was für eine Mission es sich tatsächlich handelt geht den Zuschauer offenbar nichts an.

Im Morgenmagazin konnte man ihm das Wort nicht so einfach abschneiden. Dort erklärte Lambsdorff die Hintergründe korrekt:

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Frage: „Herr Lambsdorff, deutsche Militärbeobachter als Geiseln, als Faustpfand pro-russischer Gruppen….Wer trägt dafür eigentlich die Verantwortung?“

Lambsdorff:„Also in allererster Linie natürlich die Kräfte, die die deutschen Beobachter festgesetzt haben. In zweiter Linie muss man sagen Russland, denn Russland beeinflusst diese Kräfte, aber, das muss man auch sagen: das sind keine OSZE-Beobachter, die in der großen Mission sind, sondern die sind ganz gesondert auf Anweisung aus dem Bundesverteidigungsministerium dorthin geschickt worden. In eine sehr riskante Situation, wie ich finde. Also auch die Bundesregierung muss sich fragen, ob sie eine gewisse Mitverantwortung trägt.“

Frage:„Also sie sehen das kritisch, dass man die überhaupt hat losziehen lassen. Das ist ein Vorwurf an die Bundesregierung.“

Lambsdorff: „Die sind dort auf der Grundlage des sogenannten Wiener Dokuments. Das ist dafür da, um Manöver zu prüfen. Dass also nicht andere Regierungen nervös werden, wenn es irgendwo ein Militärmanöver gibt. In Spannungssituationen ist das eher ungewöhnlich, dass man Militärbeobachter dorthin schickt. Das sind also nicht diese großen Beobachtermissionen, denen Russland zugestimmt hat. Die sind dort ohne Zustimmung Russlands und das macht die Sache riskanter. Ich finde, die Öffentlichkeit hätte darüber informiert werden müssen.“

Frage: „….Diese feine Unterscheidung, die vielen gar nicht klar ist: also das ist nicht die OSZE-Mission, das sind von der Bundeswehr entsandte Militärbeobachter?“

Lambsdorff: „Richtig und ich finde, das hätte Frau von der Leyen auch klar sagen müssen, dass es sich eben um andere handelt – auch Herr Steinmeier – die tragen die Verantwortung für diese Leute …“

ard1Natürlich ist Lambsdorff hier im Wahlkampf. Wäre er an der Regierung beteiligt – oder seine Partei überhaupt nur im Reichstag – würde er sich diese richtige Bewertung der Hintergründe und den Verweis auf die Verantwortung der Regierung für diesen Skandal verkneifen. Dass die tagesschau ihm zur besten Sendezeit – unter dem Zwang doch auch einmal eine oppositionelle Stimme zu senden – kurzzeitig das Wort einräumt, ihm dann aber, als er zur Sache kommt, das Wort abschneidet, beweist einmal mehr die propagandistische Ausrichtung dieses Staatssenders.