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Weg mit Hartz4, das Volk sind wir! Montag ist Tag des Widerstands.

So lautet der Slogan der Montagsdemos. Seit einigen Wochen finden in verschiedenen Städten wieder Montagskundgebungen statt. Sie bezeichnen sich als sogenannte Friedensbewegung 2014. Der Aufruf geschieht über das Netz. Dort ist inzwischen eine heftige Debatte ausgebrochen. Hinter dieser Art von Bewegung stehen offenbar rechtsextreme Gruppierungen. Sie rufen auf zum Kampf gegen Tabuthemen, Geschichtsfälschung, Gehirnwäsche und Masseneinwanderung. Kritiker vermuten ein verschwörungsideologisches und rechtsesoterisches Denken. Darüber sprechen wir gleich mit der Autorin, Soziologin und politischen Aktivistin Jutta Ditfurth.“

id_kulturzeitMit exakt diesem Wortlaut leitet Andrea Meyer in der 3sat-„Kulturzeit“ einen beispiellosen Hetzbeitrag gegen die seit einigen Wochen laufenden Montagsdemos ein. Auf der Webseite der „Kulturzeit“ wurde die Hetze wohlwissentlich entschärft. Dort heißt es:“Doch dahinter stecken offenbar auch rechtsextreme Gruppierungen.

Darauf kommen wir gleich zurück. Zunächst ordnen wir den Beitrag in das kampagnenartige Umfeld ein, in dem er Mitte der Woche gesendet wurde:

Der auf die Einleitung Andrea Meyers folgende (mutmaßlich gekürzte) Beitrag der „Kulturzeit“, verbindet schamlos Ausschnitte eines dubiosen youtube-videos mit einem Auftritt Ken Jebsens auf einer der neuen Montagsdemos. Das youtube-video aus der Ecke eines selbsternannten anonymous-Kollektivs liefert eine populistische Mischung  aus Medien- und Systemkritik, gewürzt mit grün-braunem Gedankengut. Der Spiegelfechter und vice.com haben die Hintergründe bereits beleuchtet. Auch die Propagandaschau ist schon über dieses vermeintliche anonymous-Kollektiv gestolpert, als ich in einem Kommentar im „Freitag“ auf einen Aufruf dieser „anonymen“ Facebooker zum GEZ-Boykott aufmerksam gemacht wurde und erste Zweifel zum Ausdruck brachte. In einem Kommentar zum besagten Beitrag des Spiegelfechters hat sich die Propagandaschau von dieser Gruppe distanziert.

kulturzeit_ditfurth

Bild anklicken, um kompletten „kulturzeit“-Beitrag zu starten (7:54min)

Die „kulturzeit“ (und andere Medien) vermengen allerdings dieses dubiose Video schamlos – und vermutlich ganz gezielt – mit den neuen Montagsdemos von Lars Mährholz, Ken Jebsen und anderen, die denn auch gleich als „neurechte Friedensdemos“ diffamiert werden. Unterstützung findet die „kulturzeit“ unbegreiflicherweise bei Jutta Ditfurth, die in der Sendung einen Mangel an intellektueller Trennschärfe zeigt, den man von ihr so nicht kennt und ihr auch nicht zugetraut hätte.

Ditfurth: „Ich hatte seit einiger Zeit beobachtet, dass sehr unterschiedliche neue rechte Gruppen, aber auch offene Nazi-Gruppen, hinmobilisieren zu etwas, was ihre Minimalplattform zu sein scheint: zu sogenannten Friedensdemos in über 20 Städten in der Bundesrepublik immer montags…Und ich kriegte mit, dass bestimmte Leute sehr anfällig waren für diese Form von Agitation und Propaganda und hab mir überlegt, wie krieg ich das hin, wie krieg ich eine Provokation, die Richtung Aufklärung wirkt und hab einfach angefangen, all diejenigen bei Facebook zu entfreunden und zu entliken, wo ich fand, die waren bei mir drauf, die waren aber bei den facebook-Seiten von Jürgen Elsässer, Ken Jebsen oder Lars Mährholz oder all diesen neurechten Propagandisten. Das Entfreunden habe ich öffentlich begründet und das führte zu einer unglaublichen Diskussion und jetzt sind es Hunderttausende und Zehntausende, die sich am Shitstorm beteiligen, aber auch viele richtig gute Leute, die mitdiskutieren.“

Im Folgenden holt Ditfurth die ganz große Nazikeule, steckt alle in ihren kleinen Sack und prügelt drauflos:

Ditfurth: „Wenn zB. der Organisator der Friedensdemos Lars Mährholz, sagt, in einer Rede – kann man bei youtube ja sehen – dass in den letzten 100 Jahren alle Weltkrieg, alle großen Probleme der Menschen rückzuführen zu seien – und zwar wirklich alle weltweit – auf die amerikanische Federal Reserve Bank, dann deutet er damit in diesen Keisen an: Jüdische Weltverschwörung.  Das heißt, heute sagen diese Art von Nazis oder Antisemiten, sagen nicht mehr: „Wir bezweifeln, dass 6 Millionen Juden von den Nazis, von Deutschland vernichtet worden sind“, sondern sie deuten an und sagen: „Ostküste“ oder sie sagen: „Die FED ist Schuld.“ Und dann findet man auf diesen Seiten immer antisemitische Karikaturen, Hassschrift gegen die Rothschilds oder was auch immer…

Das große Gemeinsame ist immer die Behauptung: „Wir sind für den Frieden und Schuld ist eine jüdische Weltverschwörung! Darauf kommt es immer wieder zurück“

Ist es die berechtigte Aversion gegen braunes Gedankengut, die Ditfurth hier über das Ziel hinausschiessen lässt? Dass es rechte Trittbrettfahrer gibt, die seit Jahren versuchen, unter der Tarnung linker Attitüde, breitere Bevölkerungsschichten zu unterwandern, ist doch nichts Neues. Diese latenten oder offenen Nazis zu benutzen, um eine Mehrheit aufrichtig friedensbewegter Menschen zu diffamieren, ist unter Ditfurths Niveau und auch wenn es als Provokation gemeint ist, ist es unredlich. Hätten die rechtschaffenen Demonstranten den Maidan räumen sollen, als sich Nazis unter sie mischten oder hätten sie die Nazis rausschmeissen sollen? Die Antwort ist doch klar und sie gilt universell:

Gerade machen! Stellung halten! Kein Fußbreit den Nazis.

Was Ditfurth dagegen predigt ist eine Mischung aus Diffamierung und paradoxerweise Kapitulation. Sie lässt sich von den Staatsmedien vor den Karren spannen, um einen Protest zu delegitimieren, der das Potential hat einen Diskurs anzustoßen, der in diesem Land überfällig ist.

maerholzLars Mährholz sieht sich einmal mehr genötigt, gegen die Hetze und Verleumdung seiner Person Stellung zu beziehen. Schon die „tagesschau“ hatte ihn nach einem Interview bösartig durch den Dreck gezogen.

 

jebsenKen Jebsen spricht Ditfurth teils polemisch, teils versöhnlich auf einer Demo an und erklärt ihre Diffamierungen seien absurd. Ausführlicher nahm er bei Compact Live Stellung zu Dithfurths aktuellen Vorwürfen.

 

elsaesserJürgen Elsässer hat Ditfurth mittlerweile geantwortet und auf „compact“ eine Verleumdungs- und Schadensersatzklage gegen Ditfurth und 3sat angekündigt.

 

Auch wenn die Propagandaschau primär das Ziel hat, Bewusstsein für Propaganda und Medienmanipulationen zu schaffen, beziehen wir hier ganz klar Stellung:

montagsdemo14.4Geht demonstrieren!

antinazi

Hört euch an, was die Redner zu sagen haben, denn die Medien weigern sich, diesen Diskurs publik zu machen oder öffentlich argumentativ zu führen. Mehr noch: sie diffamieren, hetzen und rücken die Demos in ein falsches Licht. Es wird dort ganz sicher weder antisemitisches noch nazistisches Gedankengut verbreitet – wenn doch: Pfeift die Leute aus, nehmt ihnen das Mikro ab und schickt sie nach Hause!