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In den letzten Artikeln haben wir gezeigt, wie ARD und ZDF in ihrer Berichterstattung Nachrichten selbst inszenieren, Nachrichten verzerren oder mit haltlosen Spekulationen und Unterstellungen im Sinne westlicher Imperialpolitik Meinung machen.

Neben der Lüge ist jedoch das Verschweigen die stärkste Keule der Propaganda. Ethisch rangiert sie auf dem gleichen Niveau, denn was ist das Verschweigen einer wichtigen Information anderes, als die Lüge es gäbe die Information nicht? Wer den Auftrag hat, umfassend zu informieren und wissentlich wichtige Informationen verschweigt, der ist nicht besser, als ein Lügner.

ARD und ZDF benutzen die Lüge, das Verzerren und das Verschweigen gezielt, um ein Weltbild zu kreieren, in dem die USA, die EU und die NATO die Guten sind. Wer sich deren Interessen nicht unterwirft, ist Feind. Ist es nötig, gegen diesen Feind wirtschaftlich oder militärisch vorzugehen, werden die Staatsmedien aktiv, um diesen Feind in jeder Hinsicht zu diffamieren, um ihn zum Abschuss freizugeben. Sie werden alles Negative herausstellen und wenn nötig sogar falsche Anschuldigungen kolportieren oder selbst inszenieren. Gleichzeitig wird alles Positive über diesen Feind ausgeblendet, um an der Heimatfront keine Zweifel an der Richtigkeit militärischer, menschenverachtender oder völkerrechtswidriger Handlungen der westlichen „Wertegemeinschaft“ aufkommen zu lassen.

Verschwiegen wird auch all das, was der eigenen Propaganda widerspricht oder was die Lügen der westlichen „Wertegemeinschaft“ bloßstellen könnte.
Im Falle Syriens haben wir darüber berichtet, wie die Staatsmedien Berichte totschweigen, die die Behauptung, Assad hätte die Giftgasanschläge zu verantworten, in Frage stellen.
Das betraf eine Untersuchung unabhängiger Wissenschaftler zur möglichen Flugbahn der Giftgasraketen und das betraf einen Artikel von Seymour Hersh, der im Dezember 2013 berichtete, dass man in Washington durchaus wusste, dass auch syrische Terroristen in der Lage waren, Giftgas in Damaskus einzusetzen.

Anfang dieser Woche hat Seymour Hersh nachgelegt und einen neuen, langen Artikel über seine Recherchen zum Giftgaseinsatz im August 2013 in Ghuta veröffentlicht. In diesem Artikel kommt Hersh zu dem Schluss, dass es syrische Terroristen waren, die den Giftgas-Anschlag mit Hilfe des türkischen Geheimdienstes verübten.

Ziel des Anschlag war es laut Hersh, die USA bzw. NATO in den Krieg hineinzuziehen, indem man Obama zwingen wollte, Konsequenzen aus der von ihm gezogenen roten Linie zu ziehen.

Seymour_Hersh

Pulitzerpreisträger Seymour Hersh (zu seriös für deutsche Staatsmedien)

Das ist eine vollkommen plausible Theorie, die Hersh mit Aussagen von Informanten aus dem US-Regierungs- und Geheimdienstapparat untermauert und die zu den aktuell geleakten Gedankenspielen der türkischen Kriegstreiber passt, wie die buchstäbliche Faust aufs Auge.

„Wie wir jetzt wissen, war es eine verdeckte Operation, die von Erdogans Leuten geplant wurde, um Obama über die Rote Linie zu zwingen“, zitiert Hersh seine Quelle aus dem US-Sicherheitsapparat. (LINK)

Offenbar hat Hersh Informationen über ein Abendessen anlässlich eines Besuchs Erdogans im Mai 2013 in Washington, bei dem Erdogan versucht haben soll, Obama zu einem militärischen Einsatz in Syrien zu drängen.

Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan beauftragte den nationalen Geheimdienst (MIT) damit, eine Provokation zu inszenieren, die als Vorwand für eine direkte Militärintervention der USA dienen sollte. Hersh zitiert seinen Informanten: „’Das MIT hielt die politischen Verbindungen zu den Rebellen, die Gendarmerie war für die militärische Logistik, Beratung vor Ort und Ausbildung zuständig, darunter auch die Ausbildung in chemischer Kriegsführung,‘ sagte der ehemalige Geheimdienstler. ‚Die Verstärkung der Rolle der Türkei im Frühling 2013 galt als die Lösung ihrer Probleme dort… Erdogan hoffte, er könne einen Vorfall inszenieren, der die USA dazu zwingen werde, die rote Linie zu überschreiten. Aber Obama reagierte im März und April nicht.'“

Zwei Informanten schilderten Hersh ein Arbeitsessen, das während Erdogans Besuch in Washington im Mai 2013 stattfand. An ihm nahmen Obama, Außenminister John Kerry und der nationale Sicherheitsberater Thomas Donilon und Erdogan, Außenminister Ahmet Davutoglu und MIT-Chef Hakan Fidan teil. Erdogan forderte Obama auf, Syrien anzugreifen und sagte: „Ihre rote Linie ist überschritten worden.“ Obama deutete dann auf Fidan und sagte: „Wir wissen, was Sie mit den Radikalen in Syrien machen.“ (LINK)

Erdogan_Obama_Fidan_DavutogluAuch wenn es anders lautende Stimmen gibt, die Hersh widersprechen, muss man zunächst einmal anerkennen, dass wir hier einen der renommiertesten US-Journalisten mit exzellenten Verbindungen in den US-Apparat haben, der eine plausible Darstellungen eines Verbrechens liefert, dessen offizielle Deutung durch die westlichen Kriegstreiber bereits von Anfang an durch andere triftige Argumente infrage gestellt wurde.

Das alles ist offensichtlich kein Grund für die deutschen Staatsmedien, über die Recherchen Hershs zu berichten!

Weder ARD, noch ZDF, weder tagesschau, tagesthemen, noch heute oder heute-journal haben in dieser Woche ein einziges Wort über den Artikel Seymour Hershs verloren. Auch im Onlineangebot von tagesschau und heute findet sich nicht der geringste Artikel, der sich mit den aktuellen Informationen beschäftigt. Während man in der Berichterstattung über die Ukraine wilde Spekulationen von dahergelaufenen, namenlosen Demonstranten quasi als offizielle Wahrheit verkauft, weil sie sich gegen Russland richten, werden die politisch unangenehmen Recherchen eines renommierten Journalisten totgeschwiegen. Sie passen der Propaganda – namentlich Typen wie Kleber und Prömpers, die sich schon festgelegt haben, dass der böse Assad hinter dem Giftgasanschlag steckt – offensichtlich nicht in den Kram und haben den deutschen Bürger deshalb nicht zu interessieren.