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13 Tote, 211 Verletzte, das ist die Bilanz eines Bombenanschlags am 26. September 1980 auf dem Oktoberfest in München, das bis heute nicht annähernd aufgeklärt ist. Es verdichten sich Hinweise, dass die rechtsextremistischen Täter Verbindungen zu geheimen, paramilitärischen Organisationen der NATO hatten, die in Zeiten des Kalten Krieges aufgebaut wurden, um im Falles eines Einmarsches des Warschauer Paktes, hinter den Linien für Terroranschläge zu sorgen.

Mit der Verbindung NATO-Terror, tun sich die transatlantischen Staatsmedien verständlicherweise schwer, ist es doch Ziel der Propaganda, die NATO als heimeliges Verteidigungsbündnis von Demokraten darzustellen. Wenn also Fakten auftauchen, die dieses Bild weiter untergraben, werden diese entweder so lange wie möglich unterdrückt und totgeschwiegen – so wie man das von den staatlichen Ermittlungsbehörden kennt – oder sie werden verharmlost, versteckt, verzerrt. Die bekannten Desinformationsstrategien also.

Im Falle des Oktoberfest-Attentates ist man aufgrund der Recherchen einzelner hartnäckiger Journalisten an dem Punkt, wo man gezwungen ist, zu berichten:

„Seit Jahren setzt sich der Frontal21-Journalist Ulrich Stoll mit den Nato-Geheimarmeen, kurz Stay Behind oder Gladio genannt, auseinander. Nun hat er eine spannende Dokumentation fertiggestellt, die heute Abend auf ZDF Info ausgestrahlt wird. Stoll ist es gelungen, mit zwei ehemaligen deutschen Mitgliedern der Stay-Behind-Gruppe zu sprechen, außerdem äußert sich ein BND-Historiker sowie der ehemalige Stay-Behind-Chef des BND. Und so liefert der Fernsehjournalist einen gewichtigen Einblick in ein noch immer in weiten Teilen kaum erforschtes Stück der jüngeren deutschen Geschichte.“(Telepolis)

Was macht also das ZDF mit dem Journalisten, der der NATO an den Panzer pinkeln möchte? Man schenkt ihm in der Frontal21-Sendung 9 Minuten – offensichtlich mit der Auflage, die Buzzwords NATO, CIA oder USA bloß nicht zu erwähnen. In dem Beitrag von Stoll klingt das dann an der entscheidenden Stelle so:

Die Geheimdienste ….aufgebaut hatten„, ja welche Geheimdienste denn?
Gladio, die italienische Geheimorganisation,…“ Gladio ist keine italienische Geheimorganisation, sondern eine Geheimorganisation in Italien und zwar eine Geheimorganisation der NATO, sprich maßgeblich der USA. Das darf aber offensichtlich nicht gesagt werden, zur besten Sendezeit im ZDF. Wer möchte, kann das Manuskript (pdf) der Sendung untersuchen. Die Begriffe USA, NATO oder CIA wird er nicht finden.

Die sehenswerte 45-minütige Dokumentation von Stoll verschwindet im Spartenkanal ZDF-info und wird parallel zum heute-journal ausgestrahlt.

Man tut also alles, um ein möglichst kleines Publikum zu erreichen. Dazu zählt auch, dass der Beitrag von Stoll nicht in den Pressemitteilungen des ZDF zur Frontal21-Sendung erwähnt wurde und auch in den Programmzeitschriften nicht erschien. Auch im EPG, das die anderen Themen der Sendung auflistete, gab es keinen Hinweis. Es wurde also alles getan, um sicher zu stellen, dass

1. USA, CIA und NATO nicht zur besten Sendezeit mit dem Attentat in Verbindung gebracht werden

2. Der Beitrag nur von den Personen, die sowieso schon interessiert und vorinformiert sind, im Spartenkanal gesehen wird