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In Venezuela tobt derzeit ein Machtkampf, auf dessen einer Seite, eine maßgeblich von den USA unterstützte, zersplitterte und bei demokratischen Wahlen unterlegene Opposition steht und auf der anderen Seite eine sozialistische Regierung, die sich nach Chavez‘ Tod schwer tut, die Errungenschaften zu sichern und die Konsolidierung des Landes fortzusetzen.

Deutsche Staats- und Konzernmedien berichten selektiv, einseitig und vorwiegend negativ. Sie stellen Mangel (Versorgungsengpässe) und Probleme (Korruption, Gewalt) in den Vordergrund und verschweigen Errungenschaften (zB verringerte Ungleichheit, Waffenverbote, verbesserte medizinische Versorgung).

Besonders dreist tritt wieder einmal das ZDF in Erscheinung. Aus Mainz werden Lügen, Halbwahrheiten und Desinformation verbreitet, dass es einem die Sprache verschlägt.

Die Propagandaschau dokumentiert 2 Fälle aus den letzten Tagen.

Am 28.2. berichtete Yacin Hehrlein in der 19.00Uhr Heute-Sendung:

Die Stelle, an der diese Frau den Boden küsst, ist die, an der die Polizei ihren Sohn erschossen hat. Das Blut ist getrocknet, aber die Trauer und die Wut sind noch frisch, als sie den jungen Studenten zu Grabe tragen.

Tatsächlich wurde Jimmy Vargas gar nicht von der Polizei erschossen. Vargas wurde überhaupt nicht erschossen, sondern stürzte von einem Balkon auf die Straße, wie ein Video ausgerechnet von CNN zweifellos beweist:

CNN hinderte das nicht daran, auch später noch Lügen über die Todesumstände zu verbreiten, indem man immer wieder die Mutter des Toten präsentierte, die Sicherheitskräfte oder den Präsidenten für den Tod verantwortlich machte. Ein Vorgang, der wiederum Maduros Drohungen gegen den Sender verständlich macht. In Wahrheit war Vargas wohl an einer militanten Straßensperrung beteiligt und gerade auf der Flucht vor der sich nähernden Polizei, als er vom Balkon stürzte.

Militante Straßensperren sehen so aus, dass dort neben brennenden Autoreifen auch mitunter Drahtseile quer über die Straße gespannt werden, wodurch schon Motorradfahrer regelrecht enthauptet wurden. Präsident Maduro hat Videos veröffentlichen lassen, die an der Militanz eines Teils der Demonstranten keinen Zweifel lassen.

All das interessiert das ZDF nicht. Obwohl das CNN-Video lange vor dem ZDF-Bericht publik wurde, verbreitet das ZDF die Lügengeschichte vom erschossenen Demonstranten.

Ähnlich tendenziös und wahrheitswidrig ist eine Reportage im ZDF-heute-journal einige Tage später am 5.3.:

Mit rigoroser Härte reagieren die Sicherheitskräfte auf die Proteste, die Venezuela seit Wochen in Atem halten. Tränengas und scharfe Munition. Berüchtigt sind bewaffnete Banden, die in die Menge schiessen. 18 Tote bisher, Hunderte wurden verhaftet.

Dass die Regierung mit scharfer Munition auf Demonstraten schiessen lassen würde, kann man wohl getrost in die Kategorie Propagandalügen einordnen – dann wäre die Zahl der Toten weitaus höher. Bei den 18 Toten, von denen im Beitrag die Rede ist, handelt es sich nicht nur um Oppositionelle (auch Vargas wurde vermutlich mit eingerechnet) sondern es kamen auch viele Chavistas oder mutmaßlich Unbeteiligte ums Leben. Zwei Tote gehen möglicherweise auf das Konto von Mitgliedern des Geheimdienstes SEBIN, die – laut Maduro – entgegen eines ausdrücklichen Befehls auf den Straßen waren und dort sowohl einen Oppositionellen, als auch einen Chavista erschossen haben. Diese mutmaßlichen Täter wurden verhaftet und sitzen im Knast.

Eine Analyse der Todesfälle – aktuell sind es schon 24, die den Unruhen zugeordnet werden – findet sich auf amerika21.de.

Auch zu den Verhafteten finden sich dort offizielle Zahlen:
„Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden seit dem 12.2. 1.322 Menschen festgenommen, 1.138 jedoch nur vorübergehend (Stand: 6.3.). 60 Prozent der Festgenommenen seien keine Studenten. Demnach befinden sich noch 184 Menschen in Haft, darunter auch zahlreiche Beamte: acht Angehörige des Geheimdienstes Sebin wegen der Schießerei am 12.2. in Caracas und drei Mitglieder der Nationalgarde wegen der Misshandlung von elf Demonstranten. In Untersuchungshaft sitzen zudem zwei Polizisten der Stadtteilpolizei von Chacao, einem oppositionell regierten Stadtteil von Caracas, sowie ein Polizist der Regionalpolizei von Mérida. Ebenso wurde eine Nationalgardistin festgenommen, die eine Frau geschlagen haben soll. In 27 Fällen laufen laut Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Menschenrechtsverletzungen (Stand: 28.2.).
Ebenso berichtete die Staatsanwaltschaft von 261 Verletzten (darunter Demonstranten, Polizisten und Unbeteiligte)(Stand: 28.2.). Die Ombudsfrau für Menschenrechte, Gabriela Ramírez, gab an, bislang keine Klagen wegen Folter erhalten zu haben (Stand: 3.3.). Ihre Stelle habe jedoch 43 Anzeigen wegen Polizeigewalt erhalten, die untersucht würden.“
(LINK)

Im weiteren Verlauf beklagt ZDF-Journalist Andreas Wunn fehlendes Klopapier und präsentiert dabei Supermärkte mit dermaßen vollen Regalen, dass es dem Kameramann offensichtlich schwer fällt, die Lücken im Regal einzufangen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass deutsche Staatsmedien den Zuschauern in der Vergangenheit schon restlos leergeräumte Märkte als „normal“ in Venezuela präsentierten.

Zur Ausgewogenheit ist zu sagen, dass es letztlich nur journalistische Kosmetik ist, wenn ein Interview mit einem Anhänger der Regierung und kurze Statements von Maduro eingeflochten werden. Im Großen und Ganzen ist der Bericht eine unverhohlene Parteinahme für die Opposition und Verleumdung der gewählten Regierung.