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Anne Will lud am Mittwoch zur Talkrunde mit dem Thema:
„Putins Kampf um die Krim – Wie hilflos ist der Westen?“

ins deutsche Staatsfernsehen. Schon der Titel der Sendung ist Propaganda:

  1. Russland wird auf Putin reduziert, um ihn als eigenmächtigen Autokraten hinzustellen
  2. Als Gegenstück wird „der Westen“ präsentiert, was den Eindruck des alleine dastehenden Hasardeurs Putin verstärken soll
  3. Es wird eine „Hilflosigkeit“ des Westens behauptet, bei der nur noch die Frage ist, WIE hilflos der Westen denn sei. Die bisherige massive Einmischung des Westens wird damit heruntergespielt und gleichzeitig indirekt noch mehr Einmischung gefordert

Damit bezieht die Sendung schon im Titel eine klare politische Position, anstatt einen offenen Diskurs zuzulassen. Anne Will ist keine unabhängige Journalistin, die ihre Aufgabe darin sehen würde, neugierig und unvoreingenommen Themen inhaltlich zu beleuchten und Meinungen gegenüberzustellen. Anne Will ist  Propagandistin eines Systems von dem sie selbst massiv finanziell profitiert.

Zwei Aspekte der Sendung sollen hier näher beleuchtet werden. Zum einen gab es den Versuch mittels eines Einspielers einen Vergleich zwischen der Berichterstattung über die Ereignisse in der Ukraine im russischen, sowie im deutschen Staatsfernsehen herzustellen. Dazu muss man zunächst einmal erneut feststellen, dass es doch wohl ein selbst ausgestelltes Armutszeugnis ist, wenn man sich ausgerechnet an denen messen will, denen man vorwirft propagandistisch zu arbeiten.

Wäre die Sendung seriös, dann hätte man – wie zB. in Zapp – Medienwissenschaftler zu Wort kommen und die Berichterstattung über mehrere Tage vergleichen lassen. Statt dessen nehmen Redakteure der propagandistischen Sendung „Anne Will“ die Sache selbst in die Hand und der Vergleich war somit erwartungsgemäß von vornherein tendenziös angelegt. „Zeigt doch mal wie propagandistisch das russische Fernsehen und wie ausgewogen das deutsche Fernsehen ist“, war offenbar die Vorgabe des etwas mehr als 2-minütigen Machwerks, das man sich im folgenden Ausschnitt anschauen kann. Schon die Einleitung durch Anne Will: „Wer sagt die Wahrheit? Wer lügt?“ steht symptomatisch für die einfältige Schwarz-Weiss-Denke.

Bild anklicken, um Video zu starten (2:38m)

„Der Präsident spricht und spricht und spricht…mehr als 20 Minuten Putin-Show zur besten Sendezeit. Die anwesenden Journalisten – ausschliesslich Russen – handverlesen…..“ 

So undifferenziert und polemisch geht es weiter. Dass Putin angesichts der Ereignisse guten Grund hat, sich ausführlich den russischen Bürgern zu erklären, wird propagandistisch gegen ihn gewendet. Dass auch Reuters-Journalisten anwesend waren wird verschwiegen. Ausgewählt wird ein Zitat Putins, das den Vorwurf unterstreichen soll, Russland würde behaupten, in der Ukraine wären nur Faschisten und Terroristen an der Macht.

Die komplette Pressekonferenz, die über eine Stunde dauerte, kann man sich auf youtube anschauen.

Als Gegenbeispiel – gegen die angebliche Propaganda in den russischen Staatsmedien – wird der bereits hier dargestellte Fall der verhafteten Demonstrantin in der Tagesschau präsentiert. Auch hier wird erneut verschwiegen, WARUM die Demonstrantin verhaftet wurde und es wird erneut der Eindruck erweckt, die Demonstrantin sei verhaftet worden, weil sie sich gegen den Einsatz auf der Krim aussprach und nicht, weil es sich um eine nicht genehmigte Demonstration handelte.

Der dümmste Vorwurf in diesem Machwerk ist zweifellos der, dass das russische Fernsehen Kerrys Auftritt in Kiew angeblich vorsätzlich so geschnitten hätte, dass keine „Geistlichen“ im Bild zu sehen sind.

Weiter geht es mit dem Propagandabegriff „Putins Staats-TV“ und den dort gesendeten Bildern von militanten und faschistischen Demonstranten, die im deutschen Fernsehen nur allzu gerne totgeschwiegen werden.

Propaganda auf der Meta-Ebene muss man das nennen: Es wird auf propagandistische Weise versucht, der anderen Seite Propaganda vorzuwerfen. Bleibt zu hoffen, dass die Russen ihrerseits nicht den Bericht zum Anlass nehmen, diesen propagandistischen Bericht über russische Propaganda, in propagandistischer Weise dem deutschen Staats-TV vorzuhalten, …

Wie sehr Anne Will selbst die Propaganda verinnerlicht hat, die sie selbst vor Millionen Zuschauern weitergibt, wird im folgenden Ausschnitt klar, indem sie genau diese aufgesogenen Vorurteile und Desinformationen aus den deutschen Medien im Gespräch mit Studiogast Anna Rose offenbart.

„Können Sie da alles schreiben, was sie wollen?“

Bild anklicken, um Video zu starten (3:56m)

Anna Rose schildert ihre Arbeit als Journalistin und dass es ihre Hauptaufgabe ist, den russischen Lesern zu erklären, wie gesellschaftliche Fragen im Westen beurteilt werden: „Russland ist sehr an einem positiven Erfahrungsaustausch mit dem Westen interessiert.“

Muss man Anne Will an das Schicksal Nikolaus Brenders erinnern? Oder an ihre EX-Kollegin Eva Herman? An Ulrich Tilgner, der beim ZDF den Hut genommen hat, weil er keine NATO-Propaganda machen wollte?

Weil sie tatsächlich glaubt, man würde in Russland verhaftet und bestraft, wenn man Kritik an Putins Politik übt, fragt Will, nachdem Anna Rose darauf hingewiesen hat, dass sich die Mehrheit der Russen jetzt hinter Putin stellt:

„Vielleicht auch, weil die Demonstrantin, wie die, die wir gesehen haben, vor dem russischen Verteidigungsministerium sofort abgeführt wird, wenn sie etwas anderes sagt, sprich, dass sie Angst hat?“ und weiter: „Aber Sie wissen, dass es nicht wirklich empfehlenswert ist, in Russland eine regierungskritische Meinung zu vertreten – oder wissen Sie das nicht?“

Die Propagandaschau wird die Sendung zum Anlass nehmen und einmal bei Anne Will nachfragen, ob sie tatsächlich denkt, dass man in Russland verhaftet und verurteilt wird, wenn man den Präsidenten kritisiert. Dann soll Anne Will mal recherchieren, nach welchen Gesetzen dies geschieht und wer schon nach diesen Gesetzen verhaftet und verurteilt wurde.

Das dürfte interessant werden!