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Anne Will lud am Mittwoch zur Talkrunde mit dem Thema:
„Putins Kampf um die Krim – Wie hilflos ist der Westen?“
ins deutsche Staatsfernsehen. Schon der Titel der Sendung ist Propaganda:
- Russland wird auf Putin reduziert, um ihn als eigenmächtigen Autokraten hinzustellen
- Als Gegenstück wird „der Westen“ präsentiert, was den Eindruck des alleine dastehenden Hasardeurs Putin verstärken soll
- Es wird eine „Hilflosigkeit“ des Westens behauptet, bei der nur noch die Frage ist, WIE hilflos der Westen denn sei. Die bisherige massive Einmischung des Westens wird damit heruntergespielt und gleichzeitig indirekt noch mehr Einmischung gefordert
Damit bezieht die Sendung schon im Titel eine klare politische Position, anstatt einen offenen Diskurs zuzulassen. Anne Will ist keine unabhängige Journalistin, die ihre Aufgabe darin sehen würde, neugierig und unvoreingenommen Themen inhaltlich zu beleuchten und Meinungen gegenüberzustellen. Anne Will ist Propagandistin eines Systems von dem sie selbst massiv finanziell profitiert.
Zwei Aspekte der Sendung sollen hier näher beleuchtet werden. Zum einen gab es den Versuch mittels eines Einspielers einen Vergleich zwischen der Berichterstattung über die Ereignisse in der Ukraine im russischen, sowie im deutschen Staatsfernsehen herzustellen. Dazu muss man zunächst einmal erneut feststellen, dass es doch wohl ein selbst ausgestelltes Armutszeugnis ist, wenn man sich ausgerechnet an denen messen will, denen man vorwirft propagandistisch zu arbeiten.
Wäre die Sendung seriös, dann hätte man – wie zB. in Zapp – Medienwissenschaftler zu Wort kommen und die Berichterstattung über mehrere Tage vergleichen lassen. Statt dessen nehmen Redakteure der propagandistischen Sendung „Anne Will“ die Sache selbst in die Hand und der Vergleich war somit erwartungsgemäß von vornherein tendenziös angelegt. „Zeigt doch mal wie propagandistisch das russische Fernsehen und wie ausgewogen das deutsche Fernsehen ist“, war offenbar die Vorgabe des etwas mehr als 2-minütigen Machwerks, das man sich im folgenden Ausschnitt anschauen kann. Schon die Einleitung durch Anne Will: „Wer sagt die Wahrheit? Wer lügt?“ steht symptomatisch für die einfältige Schwarz-Weiss-Denke.
„Der Präsident spricht und spricht und spricht…mehr als 20 Minuten Putin-Show zur besten Sendezeit. Die anwesenden Journalisten – ausschliesslich Russen – handverlesen…..“
So undifferenziert und polemisch geht es weiter. Dass Putin angesichts der Ereignisse guten Grund hat, sich ausführlich den russischen Bürgern zu erklären, wird propagandistisch gegen ihn gewendet. Dass auch Reuters-Journalisten anwesend waren wird verschwiegen. Ausgewählt wird ein Zitat Putins, das den Vorwurf unterstreichen soll, Russland würde behaupten, in der Ukraine wären nur Faschisten und Terroristen an der Macht.
Die komplette Pressekonferenz, die über eine Stunde dauerte, kann man sich auf youtube anschauen.
Als Gegenbeispiel – gegen die angebliche Propaganda in den russischen Staatsmedien – wird der bereits hier dargestellte Fall der verhafteten Demonstrantin in der Tagesschau präsentiert. Auch hier wird erneut verschwiegen, WARUM die Demonstrantin verhaftet wurde und es wird erneut der Eindruck erweckt, die Demonstrantin sei verhaftet worden, weil sie sich gegen den Einsatz auf der Krim aussprach und nicht, weil es sich um eine nicht genehmigte Demonstration handelte.
Der dümmste Vorwurf in diesem Machwerk ist zweifellos der, dass das russische Fernsehen Kerrys Auftritt in Kiew angeblich vorsätzlich so geschnitten hätte, dass keine „Geistlichen“ im Bild zu sehen sind.
Weiter geht es mit dem Propagandabegriff „Putins Staats-TV“ und den dort gesendeten Bildern von militanten und faschistischen Demonstranten, die im deutschen Fernsehen nur allzu gerne totgeschwiegen werden.
Propaganda auf der Meta-Ebene muss man das nennen: Es wird auf propagandistische Weise versucht, der anderen Seite Propaganda vorzuwerfen. Bleibt zu hoffen, dass die Russen ihrerseits nicht den Bericht zum Anlass nehmen, diesen propagandistischen Bericht über russische Propaganda, in propagandistischer Weise dem deutschen Staats-TV vorzuhalten, …
Wie sehr Anne Will selbst die Propaganda verinnerlicht hat, die sie selbst vor Millionen Zuschauern weitergibt, wird im folgenden Ausschnitt klar, indem sie genau diese aufgesogenen Vorurteile und Desinformationen aus den deutschen Medien im Gespräch mit Studiogast Anna Rose offenbart.
„Können Sie da alles schreiben, was sie wollen?“
Anna Rose schildert ihre Arbeit als Journalistin und dass es ihre Hauptaufgabe ist, den russischen Lesern zu erklären, wie gesellschaftliche Fragen im Westen beurteilt werden: „Russland ist sehr an einem positiven Erfahrungsaustausch mit dem Westen interessiert.“
Muss man Anne Will an das Schicksal Nikolaus Brenders erinnern? Oder an ihre EX-Kollegin Eva Herman? An Ulrich Tilgner, der beim ZDF den Hut genommen hat, weil er keine NATO-Propaganda machen wollte?
Weil sie tatsächlich glaubt, man würde in Russland verhaftet und bestraft, wenn man Kritik an Putins Politik übt, fragt Will, nachdem Anna Rose darauf hingewiesen hat, dass sich die Mehrheit der Russen jetzt hinter Putin stellt:
„Vielleicht auch, weil die Demonstrantin, wie die, die wir gesehen haben, vor dem russischen Verteidigungsministerium sofort abgeführt wird, wenn sie etwas anderes sagt, sprich, dass sie Angst hat?“ und weiter: „Aber Sie wissen, dass es nicht wirklich empfehlenswert ist, in Russland eine regierungskritische Meinung zu vertreten – oder wissen Sie das nicht?“
Die Propagandaschau wird die Sendung zum Anlass nehmen und einmal bei Anne Will nachfragen, ob sie tatsächlich denkt, dass man in Russland verhaftet und verurteilt wird, wenn man den Präsidenten kritisiert. Dann soll Anne Will mal recherchieren, nach welchen Gesetzen dies geschieht und wer schon nach diesen Gesetzen verhaftet und verurteilt wurde.
Das dürfte interessant werden!


Nein, eine Genehmigung, braucht man in Russland für eine Demo nicht.
Laut dem Föderalen Gesetz vom 19.06.2004 muss fristgerecht (nicht später als 10 Tage vorher) eine Anmeldung erfolgen. Die Behörden haben nur das Recht einen anderen Ort vorzuschlagen, wenn sie den, in der Anmeldung angegebenen, Ort für ungeeignet halten, oder wenn dies dem öffentlichen Interesse entgegensteht.
Sogar wenn es aus der Anmeldung ergeht, dass die Ziele der Kundgebung Verfassungs oder Gesetzwidrig sind, haben die Behörden nicht das Recht diese zu verbieten. Sie dürfen den Veranstalter lediglich darauf hinweisen, und ihn auffordern sich an die Gesetze zu halten.
Das durchführen eine Kundgebung OHNE ANMELDUNG ist jedoch in diversen Fällen strafbar. Was sich die „Opposition“ in Russland auch zur Nutze macht, wenn es darum geht in der Westpresse als „Putin-Kritiker“ hingestellt zu werden, und wenn das eingreifen der Polizei – das eigentliche Ziel der Aktion ist.
Grundsätzliche Ausschlüsse, wie in Deutschland (§1 Versammlungsgesetz) gibt es in Russland nicht.
Es darf in Russland, im Gegenteil zu Deutschland (§5 Versammlungsgesetz, §15 Versammlungsgesetz) auch keine Kundgebung verboten werden.
Die Unterstellung, man könne in Russland keine Kritik an der Regierung oder dem Präsidenten treiben, ist eine dermassen unglaubliche Lüge, dass man es gar nicht kommentieren möchte. Es zeugt von kompletten Realitätsverlust, und sollte eher in der Rubrik „Parallele Welten“ behandelt werden.
Zeit für eine neue Petition: Anne Will raus aus meiner Zwangsgebühr.
Der Text vermittelt den Eindruck, man müsse in .ru Demonstrationen genehmigen lassen (während man sie in .de grundsätzlich nur anmelden muss).
Ist das eher ein Übersetzungsproblem oder bedürfen Demonstrationen in .ru tatsächlich staatlicher Genehmigung? Und wann kann diese verweigert werden?
08.03. tagesschau
„janukowitsch wollte timoschenko nicht ausliefern. obwohl die EU intervenierte!“
der subtext hier ist deutlich, bei t. handele es sich um eine unschuldige die vorsätzlich gefoltert werde. anders sei es ja nicht verständlich, warum medizinische hilfe der obersten güte abgelehnt würde
vor ein paar tagen sah man in der tagesschau, wie ein frau (evtl. der russischen mittelschicht zu gehörig) nach einem interview mit dem deutschen fernsehen abgeführt wird. die bilder sprechen für sich…
das nun hier aber eine unangemeldete demonstration aufgelöst würde bleibt unerwähnt. mich verwundert es, dass in russland nicht offensiver solche dinge angeprangert werden, sonder dass man sich weiterhin viel mühe gibt, seine positionen zu erläutern.
dieser tage schaute ich mir erneut das putin/schönenborn interview vom letzten jahr an. viele mediale muster der letzten wochen werden in ihm überaus deutlich.
die deutschen berufsmeinungsmacher glauben an ihr weltbild, da beißt sich der hund lediglich in den schwanz
„Während Putin weiter gegen seine Kritiker austeilte und Schönenborn etwa fragte, ob er wirklich nicht verstünde, wie absurd seine Frage sei, …“
Das war Putins Gegenfrage auf Schönenborns Frage, warum deutsche Unternehmen Investitionen in Russland finanzieren sollen, während viele Russen ihr Geld außer Landes bringen (gemeint war Zypern).