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Bereits im „Pussy Riot“-Artikel hat die Propagandaschau auf die Doppelmoral der westlichen Medien im Umgang mit staatlich verfolgten Aktivisten/Menschenrechtlern hingewiesen. Diese Doppelmoral ist ein eindeutiges Merkmal für Propaganda, die Feindbilder schüren und vom Dreck unterm eigenen Teppich ablenken soll. Der gegen Ende des Pussy Riot-Artikels angestellte qualitative und quantitative Vergleich der Berichterstattung über die Fälle „Mollath“ und „Pussy Riot“ in den deutschen Medien spricht eine eindeutige Sprache.

Noch augenfälliger wird die Doppelmoral und das propagandistische Kalkül, wenn man den Fall der US-amerikanischen Nonne Megan Rice und ihrer Mitstreiter betrachtet.

Sister Megan Rice ist so ziemlich in jeder Hinsicht das Gegenteil von Pussy Riot. Moralisch im christlichen Glauben verankert, Grundschullehrerin, erfolgreiches Biologie Master Studium und 40 Jahre Unterricht in Nigeria und Ghana zeichnen das Bild eines sozial engagierten und ehrenwerten Menschen. Auf Basis ihres Glaubens kämpft sie seit Jahrzehnten gegen Militarismus und Atomwaffen und saß wegen zivilen Ungehorsams ungezählte Male in US-Gefängnissen.

Wegen eines Einbruchs und Sachbeschädigung in einem US-Atomwaffenlager, wurde die 84-jährige Nonne nun zu fast 3 Jahren Gefängnis verurteilt, ihre Mitstreiter bekamen mehr als 5 Jahre Knast:

„Megan Rice, Nonne, 84 Jahre alt, ging im Juli 2012 mit zwei Gefährten zum US-Atomlager im amerikanischen Oak Ridge, schnitt Zäune durch, drang auf das Gelände vor, besprühte Wände mit biblischen Sprüchen, verschüttete menschliches Blut aus Flaschen. Dann ließ sie sich widerstandslos festnehmen.

Für Megan Rice war der Einbruch ein Protest gegen Krieg und nukleare Waffen. Für die Wachleute der hochgesicherten Anlage im US-Bundesstaat Tennessee war es eine Blamage. Für die Justiz war es Sabotage und Beschädigung von Staatseigentum. Bereits im vergangenen Jahr wurde Rice schuldig gesprochen. Nun steht auch das Strafmaß fest: Zwei Jahre und elf Monate muss die alte Dame ins Gefängnis.


Ihre Mitstreiter Greg Boertje-Obed und Michael Walli wurden zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Beide sind Vietnam-Veteranen, beide sind über 20 Jahre jünger als Megan Rice. Zudem müssen die Verurteilten 53.000 Dollar Schadensersatz zahlen, wie bereits Ende Januar entschieden wurde.“

Spiegel Online

Anders als über „Pussy Riot“ dürften die meisten Deutschen über Megan Rice bisher so gut wie nichts erfahren haben – und das, obwohl sie sich seit Jahrzehnten engagiert und mehrfach inhaftiert war.

Wie bereits im Fall Mollath machen wir die Probe aufs Exempel und benutzen die Suche-Funktion einiger großer Online-Medien, um die Berichterstattung über Megan Rice zu untersuchen.

Spiegel Online hat der redlichen Aktivistin in den letzten Jahren genau 2 Artikel
gewidmet. Den einen heute anlässlich der Strafmaßverkündung, den anderen bereits im Mai 2013 anlässlich des Schuldspruchs.

Im gleichen Zeitraum erschienen ca. 200 Artikel, in denen es mehr oder weniger direkt um die Provokateure von Pussy Riot ging. Faktor 1:100.

Weitere Konzernmedien:
faz.net                        1 Treffer zu „Megan Rice“
stern.de                      Treffer 1 – 1 von 1 zum Thema „Megan Rice“
sueddeutsche.de          1 Suchergebnis für Megan Rice
zeit.de                        Suche nach „megan rice“ gab leider keine Treffer.
welt.de                       Treffer 1 – 5 von  5
taz.de                         Suchergebnis 1 – 1 von 0
tagesspiegel.de             Ihre Suche nach „Megan Rice“ ergab 1 Treffer

Staatsmedien:
tagesschau.de             Ihre Suche nach „Megan Rice“ ergab 1 Treffer
heute.de                     1 Ergebnis
dlf.de                          „Megan Rice“ keine Ergebnisse gefunden.

Interessant auch ein Blick in die USA. Die New York Times – angeblich ein Inbegriff an Seriösität – findet ganze 5 Artikel, die sich mehr oder weniger ausführlich mit Megan Rice beschäftigen, einer rechtschaffenen und sich für den Frieden einsetzenden, christlichen Aktivistin im eigenen Land. Dagegen stehen 199 Artikel über „Pussy Riot“.

Der Fall Megan Rice und die Zahlen über die öffentliche Berichterstattung belegen eindrucksvoll die Stoßrichtung und Aggressivität der Propaganda. Während man versucht Protest und Unrecht im eigenen Laden totzuschweigen, wird mit dem schmutzigen Finger auf Russland gezeigt, das sich – angesichts der öffentlichen Sauereien durch die Pussies – noch als ausserordentlich gutmütig erwiesen hat.