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Auf den Nachdenkseiten beleuchtet Stefan Korinth die Berichterstattung in den deutschen Medien über die Ukraine. Die Analyse ist detailliert und treffend:

Der Großteil der deutschen Medienlandschaft berichtet seit Ende November nahezu unverändert oberflächlich und erschreckend einseitig über die Lage in der Ukraine.
Die Bilder gleichen sich. Junge Männer mit Helmen und Sturmhauben posieren vor einer Barrikade in der Kiewer Innenstadt. Die Berichte zu den Bildern bleiben ebenfalls austauschbar. Viele deutsche Journalisten begnügen sich damit, die Lage im Stadtzentrum zu schildern und den Forderungskatalog der Oppositionspolitiker vorzutragen. Darüber hinaus mangelt es dem hiesigen Qualitätsjournalismus zum Thema Ukraine jedoch an Inhalten, Erklärungen, Zusammenhängen – kurz an Recherche. Viele wichtige Fragen werden gar nicht erst gestellt. Nur an persönlichen Meinungen der Korrespondenten mangelt es selten.

So aufmerksam und in allen Punkten treffend die Analyse, so schwach ist die Diagnose:

Eine an qualitativen Kriterien orientierte Berichterstattung – differenziert, tiefgründig und neutral – findet nicht statt. Der von seinen Machern viel besungene Qualitätsjournalismus versagt.

Von Versagen kann keine Rede sein. Dass vorsätzlich einseitig berichtet wird, kann man an zwei entscheidenden Punkten festmachen:

1. Die Medien versagen auf ganzer Linie.
Das kann kein Zufall sein. Wo sich Journalisten in Hotels tummeln besteht immer auch Druck die besondere Geschichte zu liefern, andere Menschen zu befragen und andere Orte aufzusuchen. Nichts davon am Maidan. Die Medien berichten wie ein monolithischer Block, benutzen dieselben Phrasen, interviewen die gleichen Personen, verbreiten dieselben Unterstellungen und Gerüchte.

2. Die gleichgeschaltete Journaille würden bei vergleichbaren Vorgängen in jedem EU-Land vollkommen anders berichten. Dann stünden nicht wohlwollende und gewaltlegitimierende Interviews mit den Protestierenden im Mittelpunkt, sondern Politiker, die sich über Chaos und Gewalt echauffieren und nach dem Militär rufen.

Was wir am Beispiel Ukraine einmal mehr sehen ist gleichgeschaltete Propaganda und Meinungsmache. Staats- und Konzernpresse agieren nicht als objektive Berichterstatter, sondern als Manipulatoren im Dienste der Herrschaft.