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Nicht der ARD, nicht dem NDR, sondern Hubert Seipel ist ein Scoop gelungen. Seipel hatte 2012 ein bemerkenswertes Portrait Vladimir Putins für den NDR erstellt, über das er später im Interview mit Spiegel Online sagte:

„Wir haben uns vor dem Film einmal in Moskau getroffen, und ich habe ihm gesagt, dass es keine Tabu-Themen geben kann – außer privater Dinge. Und er hat sich erstaunlicherweise darauf eingelassen. Deutsche Politiker tun das nicht unbedingt.“

Seipel hatte also noch gute Kontakte nach Russland und bekam die Chance, ein exklusives Interview mit Edward Snowden zu führen. Und was macht die ARD mit diesem Interview? Sie steckt es in das Nachtprogramm und schaltet eine in informeller Hinsicht vollkommen unergiebige Diskussionssendung mit Günther Jauch davor, in der Ex-US-Botschafter John Kornblum und Springers Chef-Propagandist Julian Reichelt – der vertraglich verpflichtet ist, die deutsche Anbindung an die USA zu unterstützen – Gelegenheit gegeben werden sollte, Snowden als Verräter zu diffamieren und die Totalüberwachung der deutschen Bevölkerung und die Ausspionierung der deutschen Wirtschaft und Politik zu verharmlosen.
Als ob das nicht genug wäre, wird das Interview anschliessend zunächst nur in einer komplett synchronisierten Fassung ins Internet gestellt, um nicht-deutsch-sprachlichen Zuschauern (insbesondere wohl in den USA) das Anschauen gründlich zu vermiesen. Zwar wurde die englische Fassung nach Protesten und Medienberichten nachgereicht, doch ist diese auf Youtube nur aus Deutschland abrufbar. US-Amerikaner, die das Interview gerne sehen möchten, bekommen folgende Meldung:

(Bild klicken, um zum Video auf youtube zu gelangen)

Das Verhalten des Staatssenders ist kein Zufall. Vorgeschobene Gründe bezüglich der Rechteverwertung sind zudem lächerlich, schliesslich werden die ÖR maßgeblich von den Zuschauern finanziert.

Vielmehr erinnert das Verhalten an den Tag, als die Überwachung von Merkels Handy öffentlich bekannt wurde. Blogger Stefan Niggemeier berichtete damals, dass Programmdirektor Herres die Zustimmung zu einem Brennpunkt verweigerte:

„Eine Sonderprogrammierung wie ein zusätzlicher »Brennpunkt« bedarf aber der Zustimmung des Programmdirektors. Die verweigerte Volker Herres. Das ist zwar kein einmaliger, aber wohl ein seltener Vorgang, insbesondere angesichts des einstimmigen Votums der Chefredakteure. Auch ARD-Chefredakteur Thomas Baumann und das ARD-Hauptstadtstudio hätten einem »Brennpunkt« am Ende der täglichen gemeinsamen Schaltkonferenz zugestimmt.“

Dies lies die ARD zwar später mit fadenscheinigen Argumenten dementieren, aber es ist mehr als offensichtlich, dass das Thema NSA-Überwachung flach gehalten und wenn möglich ins Spätprogramm gedrückt werden soll.